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Burma : Lebt Ashin noch?

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In der Kok-Goon-Höhle: Einige der berühmtesten Buddha-Statuen Asiens befinden sich in Burma. Bild: Sarah Montefiore

Vor zehn Jahren lernte unsere Autorin in Burma einen Mönch kennen. Seit der Revolution in dem südostasiatischen Land hat sie jedoch nichts mehr von ihm gehört. Sie macht sich auf die Suche.

          Zwei Nächte habe ich nicht geschlafen, doch ich bin hellwach und euphorisch. Ich gehe zur Sule-Pagode, dem Ort, wo ich Ashin vor zehn Jahren traf. Das rückständige Rangun von damals erkenne ich kaum wieder. Geländewagen stauen sich auf den Straßen, Supermärkte haben eröffnet. Überall wird gebaut. Junge Frauen tragen Miniröcke. „Digital World“, „Democratic“, „Tomorrow“ heißen die neuen Zeitungen, fast jeder hat ein Handy. Trotz all des Wandels, die Heldin von damals ist die Gleiche geblieben: Aung San Suu Kyi, vor zehn Jahren durfte man ihren Namen nicht laut aussprechen, jetzt prangt ihr Konterfei wie das einer Heiligen neben Buddhapostern und auf Kalendern.

          In der Sule-Pagode vermischt sich der Straßenlärm mit dem Klingeln der Gebetsglöckchen und dem Betgesang der Gläubigen. Ich kaufe Kerzen, Räucherstäbchen, Blumen und stelle sie vor einen großen, weißen Buddha. Um seinen Kopf blinken rot-blau-grüne Lichter wie auf einem Reklameschild. Ich knie mich vor ihm nieder: „Kyèj-zù bàe“, sage ich. - „Danke.“

          Die folgenden drei Tage besuche ich Ashin jeden Tag. Wir sitzen im Schneidersitz auf alten Plastikstühlen und trinken grünen Tee. Es geht ihm besser. Am meisten redet er, wenn ich ihm keine Fragen stelle.

          Auch Ashin nahm an der Safran-Revolution 2007 teil. Die Mönche versammelten sich an der Plattform der Shwedagon-Pagode, Ranguns Hauptheiligtum, wo Hunderte Buddhas sitzen, liegen und stehen und Gebetsfahnen von den goldenen Stupas wehen. Sie beteten, bevor sie auf die Straße zogen. Eine Hälfte zu Aung San Suu Kyis Haus, die andere in Richtung Innenstadt. Zuerst waren es nur einige Tausend, zum Schluss Zehntausende, sagt Ashin und redet dabei ruhig und gefasst. Immer mehr Menschen schlossen sich an, das Militär schleuste Unruhestifter ein. Erst sprühte es Tränengas, dann knüppelte es die Demonstranten nieder, schließlich fielen Schüsse.

          Haus im kolonialen Zentrum von Rangun.

          „Hattest du Angst?“

          „Tagsüber nicht, die Leute applaudierten uns vom Straßenrand zu. Aber nachts konnte ich nicht schlafen.“ Er lacht ein lautes Lachen, das kein Lachen ist.

          Nachts führten Regierungstruppen Razzien in Klöstern durch, sie schafften die Mönche in Lastwagen weg, Ashin verschwand durch einen Hintereingang und übernachtete bei einem Freund. Er wollte Rangun verlassen, überall hatte das Militär Blockaden errichtet, jeden fragten sie nach den Personalien, er gab einen falschen Namen an, floh zu seiner Familie, erst nach Monaten kehrte er in sein Kloster zurück, aus Angst hatten viele die Mönchsrobe abgelegt. Ashins Handy klingelt, er ignoriert es.

          Er hofft auf die Wahlen im November, auf eine Verfassungsänderung, die es Aung San Suu Kyi ermöglicht, als Präsidentin zu kandidieren. Die Mehrheit der Burmesen würde sie wählen, sagt er. „Sie ist mutig, sie sagt in aller Öffentlichkeit, dass die Regierung nicht nach dem Willen des Volkes regiert.“ Der demokratische Wandel spiele sich nur an der Oberfläche ab, sagt Ashin. Nur weil die Generäle keine Uniform mehr tragen, könne man ihnen noch lange nicht trauen. Er greift zu seinem Handy und spielt ein Amateurvideo ab. Ein oppositioneller Mönch predigt aus einem fahrenden Auto heraus. Seine Veranstaltung, sagt Ashin, wurde kurz vor Beginn einfach abgesagt. Presse- und Meinungsfreiheit stünden nur auf dem Papier. Erst kürzlich habe man einen regimekritischen Journalisten tot aufgefunden.

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