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Burka Band : Diese Kultur ist für Männer gemacht

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Rock die Burka: Bassistin der Burka Band aus Kabul Bild: atatak

Vermummte Popbands gibt es immer wieder. Aber bei der Burka Band aus Kabul ist die Verschleierung keine Marketing-Masche, sondern bittere Notwendigkeit. Auf eine Bühne trauen sich die afghanischen Frauen allerdings nicht.

          Im Sommer 2003 war die „Burka Band“ plötzlich da, im Fernsehen und in Musikmagazinen: Afghanistans erste Frauen-Pop-Band, drei verschleierte Gestalten, die vor bizarrer Kulisse Schlagzeug spielen und singen. In ihren Texten, seltsamen Versen in gebrochenem Englisch, dreht sich alles um die Burka.

          Bis heute weiß kaum jemand etwas über die Band, schon gar nicht in ihrer Heimat, wo sie aus Angst vor religiösen Extremisten lieber anonym bleiben will. In Deutschland ist nun beim Label „atatak“ ihre zweite Platte erschienen. „Nargis“, die Sängerin der „Burka Band“, ist 24 Jahre alt, wohnt mit ihren fünf Geschwistern noch im Haus ihrer Eltern und jobbt als Buchhalterin in einem Büro in Kabul. Wenn sie singt, dann nur ohne echten Namen, ohne Gesicht und für ein Publikum, das sie nicht kennt. In ihrer Heimat Afghanistan hält sie es für sicherer, anonym zu bleiben. Fragen zur Musik und zum Leben von Frauen in Afghanistan.

          In Europa ist Ihre neue CD im Handel. Sie trägt den Titel „No Burka!“. Das klingt wie eine politische Aussage.

          Das soll es aber nicht sein, wir verstehen uns nicht als politische Band.

          Burka Beat im Verborgenen

          Die Burka wurde zu Taliban-Zeiten zur Zwangskleidung für Frauen.

          Das ist richtig, doch haben sich die Zeiten geändert. Heute ist es Frauen in Afghanistan offiziell freigestellt, ob sie eine Burka tragen oder nicht. Auch wenn viele, vor allem auf dem Land, noch daran festhalten: Hier in Kabul werden Sie immer weniger Frauen treffen, die verschleiert durch die Straßen laufen.

          Sie tragen Jeans, Pullover und einen Schal, den Sie sich um den Kopf gewickelt haben. Erinnern Sie sich noch daran, wie es war, nur verschleiert das Haus verlassen zu dürfen?

          Nein, denn ich mußte keine Burka tragen. Kurz vor Beginn des Taliban-Regimes ist unsere Familie zu Verwandten nach Pakistan geflohen und erst sieben Jahre später nach Afghanistan zurückgekehrt.

          Inwiefern hat sich Ihr Leben nach dem Sturz der Taliban verändert?

          Bis auf äußere Merkmale, wie zum Beispiel Kleidung, glaube ich nicht, daß sich die Dinge so schnell verbessern. Klar, Kabul ist bewacht von internationalen Truppen und ist dadurch sicherer geworden. Als Frau bedeutet das aber nur, daß es einem hier nicht so schlimm ergeht wie den Frauen in der Provinz.

          Was heißt das konkret?

          Daß Frauen zum Beispiel noch immer nicht abends oder nachts alleine auf die Straße gehen können, wie es Frauen in Europa oder Amerika tun. Oder auf den Basar: Dort als Frau allein einkaufen zu gehen ist nicht sehr angenehm. Man wird dauernd angestarrt. Diese Kultur ist von Männern für Männer gemacht. Wir Frauen haben gefälligst das zu tun, was die Männer wollen.

          Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Gehen Sie aus, auf Konzerte oder mal ins Kino?

          Normalerweise arbeite ich den ganzen Tag. Abends gehe ich nach Hause, esse mit meiner Familie, dann gehe ich schlafen. Ein sehr eintöniges Leben. Kino? Nein, nicht mehr. Zusammen mit ein paar Freundinnen habe ich es probiert, wir haben extra oben im Rang reserviert, damit wir die Männer nicht stören, und wurden dennoch böse angeguckt und beschimpft.

          Ein Konzert einer unverhüllten Frauenband wäre also nach wie vor undenkbar?

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