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Bundeswehr : Verpflichtung auf kurzes Haar rechtmäßig

Frau darf Zopf tragen, Mann nur kurzes Haar: Die Regeln der Bundeswehr Bild: dpa

Die Haare von Soldaten müssen kurz geschnitten sein, so sieht es der sogenannte Haar- und Barterlass vor. Ein langhaariger Soldat wollte das nicht akzeptieren. Und scheiterte jetzt mit seiner Klage am Bundesverwaltungsgericht.

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          Der sogenannte Haar- und Barterlass, der die Haar- und Barttracht von Soldatinnen und Soldaten regelt, ist rechtmäßig. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht am Dienstag und lehnte damit in letzter Instanz die Beschwerde eines Mannes ab, dem 2009, als er Wehrdienst leistete, mehrfach befohlen worden war, sein rund vierzig Zentimeter langes, laut Gericht zunächst in einem Pferdeschwanz, später hochgebunden getragenes Haar regelkonform zu kürzen. Für Soldaten sieht der Erlass unter anderem vor, dass das Haar am Kopf anliegen oder so kurz geschnitten sein muss, dass Ohren und Augen nicht bedeckt werden; ausdrücklich untersagt sind Pferdeschwänze und „gezopfte Frisuren“.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der Langhaarige befolgte die Befehle nicht und beschwerte sich, wobei er sich auf sein Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung berief und eine Gleichbehandlung mit Soldatinnen verlangte, denen das Tragen längerer Haare, gegebenenfalls unter Verwendung eines Haarnetzes, gestattet sei. Wie schon die Vorinstanzen, lehnte nun auch der 1. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts diese Auffassung ab: Der Verteidigungsminister habe bei dem Erlass zur Haar- und Barttracht seinen Einschätzungsspielraum nicht überschritten. Auftrag und Funktionsfähigkeit der Streitkräfte seien „durch ein nach außen einheitliches Auftreten“ geprägt, „Einschränkungen der Soldaten in der freien Gestaltung ihrer Haartracht“ seien deshalb gerechtfertigt. Auch hoben die Leipziger Richter hervor, dass die Regelung der Haartracht „im Äußerlichen“ bleibe, keine „Einheitsfrisur“ verordnet werde. Die für Soldatinnen gültige – langhaarigenfreundlichere – Regelung stelle eine „zulässige Maßnahme zur Förderung von Frauen in der Bundeswehr“ dar (Aktenzeichen BVerwG 1 WRB 2.12 und 3.12).

          Wer Jesus spielen will, muss Bart tragen

          Der „Haar- und Barterlass“ der Bundeswehr erinnert an ein Instrument, das aus der oberbayerischen Gemeinde Oberammergau bekannt ist; gravierende Unterschiede bestehen freilich jeweils hinsichtlich des Ziels und der Rechtsnatur. In Oberammergau, wo seit Jahrhunderten – in der Regel alle zehn Jahre und zum nächsten Mal im Jahr 2020 – Passionsspiele stattfinden, hält der „Erlass“ die männlichen Bewohner der Gemeinde ab dem Aschermittwoch des Jahres, das dem jeweiligen Spieljahr vorangeht, dazu an, ihre Gesichts- und Kopfhaare wachsen zu lassen; das soll die Authentizität der Aufführung steigern, an der allein als Darsteller Hunderte Personen mitwirken.

          Dieser „Erlass“, den der Spielleiter und ein Gemeindevertreter unterzeichnen, ist nicht rechtsverpflichtend, sondern, heißt es bei der Gemeinde, bloße Aufforderung; männlichen Oberammergauern ist indes bewusst, dass ihnen tragende Rollen – wie die des Jesus oder eines Jüngers – verwehrt bleiben, sollten sie ihm nicht Folge leisten. Dem Vernehmen nach ist bei männlichen Personen, die mitspielen, aber kurzhaarig und bartlos bleiben möchten, wie Bäckern und Polizisten, eine Rolle als römischer Soldat beliebt, da auch für diese historische Personengruppe ein restriktiver Umgang mit Haar- und Bartwuchs angenommen wird.

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