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Interview mit Löw : „Die WM war für mich die Hölle“

  • -Aktualisiert am

Wartet wieder auf Glückwünsche: Joachim Löw, Medienberater, findet es meist lustig verwechselt zu werden. Bild: Günter Pfannmüller

Doppelt hält besser: Joachim Löw spricht über den vierten Stern, seine Zeit als Skilehrer und einen Mann, der den gleichen Namen trägt.

          Herr Löw, schön, dass Sie sich während der EM-Vorbereitung Zeit genommen haben. Was kaum jemand weiß: Sie waren früher mal Skilehrer in Österreich.

          Ja, sieben Jahre lang bis zu meinem 25.Lebensjahr. Dann bin ich in die Musikbranche eingestiegen, und mit Sport war alles vorbei. Jetzt versuche ich, mein Gewicht zu halten, das viel zu hoch ist. Aber ich esse und trinke gern und lasse es mir gutgehen.

          Was viele auch nicht wissen: Sie sind gar nicht der Bundestrainer, sondern Medienunternehmer aus Frankfurt und tragen nur den selben Namen. Werden Sie oft verwechselt?

          Und ob! Verwechselt oder auf den Namen angesprochen – seit zehn Jahren vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit diesem Mann in Verbindung gebracht werde. 2006, als Löw Ko-Trainer der Nationalmannschaft war und die Mannschaft ihr Sommermärchen spielte, ging es los, dass einige Kollegen mich nur noch „Coach“ nannten und mich Kunden in Mails fragten, wie die Spieleraufstellung aussieht. Und da kam es auch zu der ersten richtigen Verwechslung.

          Erzählen Sie mal!

          Ich bin damals für meine Firma zu einer Fachmesse nach Nürnberg gefahren. Man hatte mir ein Zimmer in einem Luxushotel gebucht. Im Foyer stand ein ganzes Spalier, so zehn, zwölf Leute, in Reih und Glied. Ich bin vorbeigelaufen und habe am Empfang gesagt: „Guten Tag, mein Name ist Joachim Löw, hier wurde ein Zimmer für mich reserviert.“ Worauf sich das Spalier umdrehte und mich entsetzt anschaute. Ich fragte: „Sie haben jetzt aber nicht wegen mir hier gewartet?“ Da haben sie nur merkwürdig geguckt. Und ich hab gesagt: „Ich nehme aber gern das gleiche Zimmer!“

          Und haben Sie es bekommen?

          Ja, habe ich. Ein tolles Zimmer! Ein Upgrade. Mit Früchtekörbchen und Begrüßungs-Champagner. Ich habe damals festgestellt, dass der Name gewisse Vorteile bietet. Seitdem habe ich immer wieder hervorragende Zimmer bekommen, wenn ich reserviert habe. Aber immer enttäuschte Gesichter an der Rezeption. Immer! Es heißt ja, Kleider machen Leute. Aber man muss auch sagen: Namen machen Leute.

          Sie sehen nicht wirklich aus wie Joachim Löw. Meist halten sich die Reaktionen daher vermutlich in Grenzen, oder?

          Der Name reicht schon. Vor einiger Zeit im Supermarkt habe ich an der Kasse mit EC-Karte bezahlt. Die Kassiererin schaute auf die Karte, atmete tief ein und brüllte zu ihrer Kollegin: „Das musst du sehen, hier ist der Bundestrainer!“ Und dann hat sie meine EC-Karte rübergereicht zu der anderen Kasse. Die hat sich gar nicht mehr eingekriegt. Und so etwas passiert auch am Telefon.

          Am Telefon? Aber Sie sprechen gar kein Badisch, haben stattdessen einen hessischen Einschlag.

          Stimmt, ich bin Frankfurter in fünfter Generation. Aber ich habe zum Beispiel mal telefonisch meinen Handyvertrag verlängert, und der Mitarbeiter in der Hotline hat mich unfassbar toll beraten. Am Ende sagte er: „Und übrigens, es war mir eine ganz große Ehre, mit Ihnen gesprochen zu haben. Ich verspreche Ihnen auch hoch und heilig, dass ich niemandem sagen werde, dass Sie eine Zweitwohnung in Frankfurt haben.“

          Gibt es noch mehr Vorteile? Ich nehme an, Pakete werden bei Ihnen auch immer persönlich abgegeben?

          Ja, dabei wohne ich im fünften Stock Altbau. Die Boten laufen extra hoch und sind dann enttäuscht. Einer hat mal zu mir gesagt: „Darf ich meinen Leuten trotzdem sagen, dass ich Sie getroffen habe?“

          Weiß der Bundestrainer von seinem Double? Haben Sie ihn jemals getroffen?

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