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Gegen die Privatschule : Kein Schloss für alle

Steht zum Verkauf: das ehemalige Malteserschloss in Heitersheim Bild: Rüdiger Soldt

In Heitersheim wollen chinesische Investoren aus dem Wahrzeichen der Stadt eine Privatschule machen. Eine Bürgerinitiative sammelt Unterschriften dagegen. Im Ort wird geraunt, dass die Chinesen die „Seidenstraße“ bis nach Heitersheim verlängern wollten.

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          Das Malteserkreuz ist Heitersheims Wahrzeichen. In der Kleinstadt im Markgräflerland findet es sich überall. Auf Speisekarten, auf Ansichtskarten, auf Weinflaschen. Seit ein paar Wochen fürchten die Heitersheimer um ihr Wahrzeichen. Für das Malteserschloss am Rande der Stadt interessieren sich chinesische Investoren. Sie wollen auf dem Gelände eine englischsprachige internationale Privatschule einrichten für etwa 300 Schüler: einerseits für Kinder von „Expats“ in der Region von Basel bis Straßburg, andererseits für den Nachwuchs aufstiegswilliger Eltern in China, Indien und Südamerika. Die Schüler sollen von 2022 an das Internationale Baccalauréat machen können. Ob auch das deutsche Abitur angeboten wird, ist noch unklar. Der Zugang zum Schloss für Touristen und Bürger der Stadt soll nur bei besonderen Anlässen und ins Museum möglich sein. Bis zu 25 Millionen Euro bieten die Chinesen. Weht also auf dem Malteserschloss bald die chinesische Flagge statt der mit dem Kreuz?

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Gegen Mittag ist der Garten im Hof des Schlosses bei 38 Grad menschenleer. Der Rasen müsste gesprengt und gemäht werden, die Fassaden der Gebäude brauchen einen neuen Anstrich. Der fürstliche Glanz der ehemaligen christlichen Residenz ist verblichen. Seit 1893 gehört das Schloss dem Freiburger Vinzentiner-Orden. Die Auf- und Zugänge zu den Gebäuden sind mit Handläufen versehen, die etwa 50 Schwestern des Ordens sind älter, viele müssen gepflegt werden. „In unseren Orden ist seit 15 Jahren keine Schwester mehr eingetreten. Wir schaffen das nicht mehr, wir können die Pflege für die älteren Schwestern nicht leisten, da brauchen wir Hilfe von außen“, sagt eine von ihnen. Weil die Vinzentinerinnen das Schloss nicht mehr unterhalten können, soll es verkauft werden. Das ist seit 2014 bekannt, aber wie immer bei alten Schlössern und Burgen fürchten potentielle Käufer die Folgekosten – auch wenn die Immobilie historisch noch so wertvoll ist.

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