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Besondere deutsche Wörter : „Sternhagelvoll ist auch schön“

Besonders viele schöne Wörter gibt es im Deutschen fürs Betrunken-Sein, etwa „sternhagelvoll“. Bild: Peter Gaymann

Tausendsassa, Schadenfreude, Kummerspeck: Michael Schweins hat ein Buch über schöne und schräge deutsche Wörter geschrieben. Besonders viele solcher Wörter gibt es fürs Betrunken-Sein.

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          Herr Schweins, was ist Ihr Lieblingswort?

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Vielleicht Tausendsassa. Das ist ein Wort, das schon beim Aussprechen Funken sprüht. Es hat etwas Lautmalerisches, hat die 1000 drin, die verheißt Großes, wie in 1001 Nacht. Französische Jäger sagen „Sassa“, wenn der Jagdhund losrennen soll. Es steckt also ein Aufruf im Wort, zur Jagd, zum Sieg. Die Synonyme zu Tausendsassa, wie Alleskönner oder Multitalent, sind dagegen langweilig. Die Österreicher sagen immerhin Wunderwuzzi – das klingt auch gut.

          Wie kamen Sie darauf, über die schönsten, schrägsten und lustigsten Wörter der deutschen Sprache zu schreiben?

          Ich bin Verleger, und mir begegnen ständig besondere Wörter. Seit ich ein Kind war, lache ich gerne über Sprache, mache mir Gedanken: Warum berührt mich dieses Wort, wo kommt es her? Ich denke da auch viel in Bildern.

          Im Deutschen entstehen Wörter oft durch Zusammensetzung: Kindskopf, Schadenfreude, Kummerspeck. Gibt es deshalb mehr lustige, lautmalerische Wörter als in anderen Sprachen?

          Ja! Die Zusammensetzungen machen im Deutschen einen großen Teil der besonderen Wörter aus, in denen lautmalerisches Potenzial steckt. Die Addition macht Wörter stark, gegensätzlich, anziehend. Schön ist auch „sternhagelvoll“, eine volkstümliche Bezeichnung fürs Betrunken-Sein. Da stecken gleich drei Wörter drin. Die Deutschen haben mehr Wörter für den Rausch als die Inuit für Schnee: abgefüllt, hackedicht, stockbesoffen, stramm. Für mich ist „sternhagelvoll“ die Queen unter diesen Wörtern! Wo es herkommt, ist nicht ganz klar. Vielleicht von den Sternen, die Betrunkene sehen.

          Michael Schweins ist Germanist und leitet den Verlag arsEdition.
Mit Norbert Golluch hat er das Buch „Bei dem Sauwetter packt
mich das Fernweh“ geschrieben, das bei Piper erschienen ist.

          Gibt es viele Wörter, deren Ursprung unklar ist?

          Ja, vor allem bei den modernen Zusammensetzungen, etwa Kulturbeutel. In dem stecken ja nicht Bücher und Malerpinsel, sondern Nagelschere und Wattestäbchen. Oder Arschkarte. Das kommt vermutlich, weil die Rote Karte beim Schiedsrichter in der hinteren Hosentasche steckt, aber sicher ist man nicht.

          Welche Wörter haben es nicht in Ihre Auswahl geschafft?

          Zum Beispiel Ohrenkneifer, Hasenscharte, Heimtücke. Die habe ich von der Liste gestrichen, weil sie nicht schön sind, keine schönen Assoziationen hervorrufen. Es muss nicht immer ästhetisch sein, aber zumindest skurril, lustig. Als nächstes würde ich gerne ein Buch über versunkene Wörter schreiben, wie zum Beispiel Bandsalat.

          Pinsel oder Zahnbürste: der Kulturbeutel

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