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Bruno H. Schubert : Stifters Nachsommer

Da waren sie noch Freunde: Bruno H. Schubert (l.), seine Frau Meharit und Hilmar Hoffmann im November Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Frankfurts Ehrenbürger Bruno H. Schubert hat sich mit dem Vorstand seiner eigenen Umweltstiftung überworfen. Der Grund für den Bruch wird immer mehr zu einem Rätsel. Nicht die veränderte Ausrichtung in Richtung Klimaschutz soll schuld sein, sondern die Rolle, die seine Frau dabei spielt.

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          So viel ist inzwischen sicher: Der Bruno-H.-Schubert-Preis, der höchstdotierte Umweltschutzpreis in Deutschland, wird auch in diesem Herbst in Frankfurt verliehen werden. Immerhin 100.000 Euro werden dann in drei Kategorien an die Preisträger vergeben. Unklar ist aber noch, ob Stifter Bruno H. Schubert der Feier beiwohnen und ob diese wie gewöhnlich im prächtigen Kaisersaal des Römer stattfinden wird.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Ungewissheit speist sich nicht nur aus dem Umstand, dass der 90 Jahre alte ehemalige Besitzer der Henninger-Brauerei schwer erkrankt ist. Schubert, einer von vier lebenden Ehrenbürgern der Stadt Frankfurt, hat sich vor einigen Monaten mit Vorstand und Kuratorium seiner eigenen Stiftung überworfen. Sein Anwalt Hubertus Kestler hat den Bruch damit begründet, dass Schubert die Stiftung stärker auf Klimaschutz ausrichten wolle. Nachdem das Kuratorium der Stiftung ihm darin nicht folgte, wollte Schubert seine Frau Meharit und Anwalt Kestler als Notvorstände installieren. Die Stiftung wehrte sich juristisch bisher mit Erfolg gegen dieses Vorhaben; die Sache soll nun vor dem Bundesgerichtshof entschieden werden.

          Wird Schubert fremdbestimmt?

          Im Stiftungskuratorium, dem Persönlichkeiten wie der Frankfurter Zoodirektor Manfred Niekisch und der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer angehören, herrscht die Meinung vor, dass Schubert von Kestler und seiner Frau fremdbestimmt werde. Schließlich habe er selbst zuvor nie Andeutungen darüber gemacht, dass er sich für die Förderung von Klimaforschung besonders interessiere. In dieses Bild scheinen Nachrichten aus dem weitläufigen Freundeskreis Schuberts zu passen, wonach Schubert seit Monaten abgeschirmt werde. Selbst sein Leibarzt, der früher täglich mit seinem Patienten telefonierte, drang für längere Zeit nicht durch.

          Bruno H. Schubert in seinem Frankfurter Haus in Sachsenhausen
          Bruno H. Schubert in seinem Frankfurter Haus in Sachsenhausen : Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

          Kurz vor Ostern fand zudem das letzte Mittagessen in Schuberts Haus in Sachsenhausen statt, zu dem er jahrzehntelang fast täglich Persönlichkeiten aus der Stadtgesellschaft geladen hatte. Schuberts Freunde können sich nicht vorstellen, dass er den Bruch mit dieser Tradition freiwillig vollzogen haben könnte. Der Ehrenbürger selbst dagegen ließ ausrichten, er wolle sein ganzes Leben für seine Frau verändern.

          Für Hanns Peter Nerger, den unehelichen Sohn Schuberts und Stiftungsvorstand, sind die Hintergründe klar. Seiner Meinung nach versucht Schuberts zweite Frau Meharit, mit Hilfe von Kestler einen möglichst großen Teil des Vermögens ihres Mannes für sich zu sichern. Schubert hatte die 64 Jahre jüngere Frau, eine Äthiopierin mit belgischem Pass, im vorigen Jahr, wenige Monate nach dem Tod seiner ersten Frau Inge, geheiratet. Kurz darauf focht er auch den Erbvertrag aus dem Jahr 2002 an, dem zufolge die Stiftung Alleinerbin von Bruno und Inge Schubert werden sollte.

          Das Geld soll an Meharit überschrieben sein

          Wie viel von dem einst riesigen Vermögen Schuberts noch übrig ist, weiß man nicht. Nach Einschätzung von Freunden Schuberts war vor allem das Gut Bogenbergslehen bei Berchtesgaden von hohem Wert. Es soll inzwischen für zehn Millionen Euro verkauft worden sein. Das Geld soll an Meharit überschrieben sein.

          Die Stiftung rechnet jedenfalls nicht mit weiteren Zuflüssen aus dem Vermögen Schuberts. Sie muss bis auf weiteres mit den 2,6 Millionen Euro auskommen, mit denen sie die beiden Stifter einst ausstatteten. Immerhin ist dieses Kapital inzwischen vor jedem Zugriff sicher, auch dem eines Notvorstands, ist Niekisch überzeugt. Es reicht, um den Bruno-H.-Schubert-Preis weiterhin zu vergeben, wenn auch die Preisverleihungen in bescheidenerem Rahmen stattfinden müssen als früher. Denn das Festessen hatte Schubert aus eigener Tasche bezahlt. Diejenigen, die sich noch als seine Freunde betrachten, machen sich um Schuberts Gesundheit ernste Sorgen. Der Stifter ist offenkundig stark geschwächt. Erst war von einer Lungenentzündung die Rede, jetzt sollen mehrere kleine Hirnschläge hinzugekommen sein. Schubert wird seit einigen Tagen in einer Reha-Klinik in Königstein behandelt; er soll geistig nicht immer präsent sein. Die Kraft reichte allerdings noch für ein Interview mit der Zeitung „Bild“.

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