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Broadway-Star Nathan Lane : Die strategisch eingesetzte Augenbraue

  • -Aktualisiert am

Ein kleiner, dicklicher Kerl mit Knautschgesicht ist der größte Star am Broadway. Bei Nathan Lane ist es wie bei den meisten ganz großen Komödianten: Direkt unter dem Witz lauert eine sehr menschliche Melancholie.

          7 Min.

          Der Winter meint es nicht gut mit dem Broadway. Oft lassen Eis und Schnee die Schlangen an den Theaterkassen verschwinden. Die Leute geben sich dann mit elektronischer Unterhaltung zufrieden, vorm Fernseher oder am Computer. Wohl dem Theater, das da einen Star zu bieten hat. Stars sind heute am Broadway die beste Versicherung für einen Hit zumindest finanzieller Art. Und wer ein Star ist, bestimmt auch hier in der Regel Hollywood. Wenn Julia Roberts oder Nicole Kidman oder Al Pacino vorbeischaut, ist es eigentlich egal, welches Stück gegeben wird. So ist es auch mit „The Addams Family“. Bei der Premiere letzten April waren die Kritiken vernichtend. Macht nichts, die Show ist mit einem Star gesegnet, der das Überleben der Show garantiert. Schon wenn er die Bühne betritt, brandet ihm zuverlässig Auftrittsapplaus entgegen, auch jetzt noch, bald ein Jahr nach der Opening Night. Denn am Broadway gibt es keinen größeren Star als Nathan Lane.

          Um nicht missverstanden zu werden: Nathan Lane ist kein Tom Cruise, kein Brad Pitt, kein Johnny Depp. Wenn sich Stars aus Hollywood an den Broadway verirren, bleiben sie Gäste, mögen sie auch für ausverkaufte Häuser sorgen. Lane dagegen ist am Broadway daheim. Das Theaterviertel um den Times Square, das ist sein Milieu, sein künstlerischer Mutterboden. Doch er hat auch Dutzende von Filmen gedreht, war etwa in „The Birdcage“, dem amerikanischen Remake von „La cage aux folles“, in „Na typisch!“ und „Mäusejagd“ dabei, hat Gestalten in „Stuart Little“ und „The Lion King“ seine Stimme geliehen.

          Das alles ist weiter nicht wichtiger und denkwürdiger als ein gelegentlicher Ausflug zum Fernsehen, wo ihm sogar die Serien, die für ihn maßgeschneidert wurden, nie so recht passen wollten. Wer ihn darum nur in dem Film „The Producers“ als Max Bialystock, den unglückseligerweise erfolgreichen Produzenten des Musicals „Frühling für Hitler“, erlebt hat und das Ganze ganz nett und ansonsten vergessenswert fand, wird nie ahnen, welche komischen Naturgewalten er in der gleichen Rolle auf der Bühne entfesselte. Ohne Bühne und ohne Publikum kann Nathan Lane nicht voll zur Geltung kommen.

          Nathan Lane (links) und Robin Williams in der Komödie „Ein Käfig voller Narren”

          Lane ist der Star in „The Addams Family“

          Auch das Musical um „The Addams Family“ ist dafür wieder der schlagende Beweis. Der Clou bei dieser Familie ist, dass sie mit ihren gespenstischen Familienwerten genau das Gegenteil der vermeintlich idealen amerikanischen Familie verkörpert. Glück und Zufriedenheit empfinden Vater Gomez, Mutter Morticia sowie Kind und Kegel erst, wenn die heile Welt auf dem Kopf steht, wenn Blumensträußen die Blüten fehlen, wenn die Kinder sich gegenseitig quälen, kurz, wenn das allgemeine Unglück groß genug ist, um darin ausgiebig zu schwelgen. Die flotte Paradenummer heißt demgemäß: „Death is just around the corner“, und weil das die Stimmung im Hause Addams wunderbar einfängt, kann Gomez/Lane deshalb bereits nach seinem Auftrittsapplaus tief und genüsslich Atem holen und seufzen: „Ah, der betörende Duft des Friedhofs.“

          Damit wäre es gut möglich, dass „The Addams Family“ als zweieinhalb Stunden lange Feier des Kalauers und Klischees nicht unbedingt angenehm in Erinnerung bleibt. Aber da ist eben noch Nathan Lane. Er wandelt das Stück nicht etwa um. Er veredelt nicht den Kalauer, er transzendiert in einem sublimen Kunstakt nicht das Klischee. Lane beschwört die Altmeister des Gewerbes herauf, die Spaßmacher des legendenumwobenen New Yorker Vaudeville, die Entertainer, die im Glitzerreich der Burlesque zwischen den Darbietungen ungenierter Damen das Publikum mit Witzen und Geschichten bei Laune hielten. Dazu bedurfte es auch einer Mienensprache, die Lane wie kein anderer beherrscht. Der verstohlene, eigentlich verbotene Blick über die Bühnenrampe direkt in die Zuschauerreihen, die strategisch gelupfte Augenbraue, der vielsagend in Stellung gebrachte Mundwinkel sind Teil eines Ausdrucksvokabulars, das er nicht einmal bewusst einzusetzen scheint. Es ihm offensichtlich zur zweiten Natur geworden.

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