https://www.faz.net/-gum-7vuyg

Sterbehilfe in Amerika : Ein tödliches Medikament für die Würde

  • -Aktualisiert am

Wollte sie in ihrem Leben unbedingt noch machen: Brittany Maynard mit ihrem Mann im Grand Canyon National Park Bild: AP

Die an einem aggressiven Gehirntumor erkrankte Brittany Maynard ist tot. Die 29 Jahre alte Amerikanerin starb nach der Einnahme ihrer tödlichen Medikamente. Bis zu ihrem selbstbestimmten Tod hatte sie sich für aktive Sterbehilfe eingesetzt.

          4 Min.

          Ein Barbiturat in tödlicher Dosis ließ sich Brittany Maynard schon vor Wochen verschreiben, ihre Liste mit Wünschen, die sie sich vor ihrem Lebensende erfüllen wollte, war abgearbeitet. Mit ihrem Ehemann Dan Diaz besuchte die 29 Jahre alte Amerikanerin Grand Canyon und Yellowstone National Park, machte mit ihrer Mutter Debbie Ziegler einen Bootsausflug in Alaska und fuhr mit ihrer besten Freundin in einem Kajak zu den Gletschern der verwunschenen Region am Ende Nordamerikas. „Ich werde am 1. November sterben“, hatte Maynard vor drei Wochen angekündigt.

          So kam es am Ende auch, und alles ging so, wie sie es sich gewünscht hatte. Brittany Maynard lag im Schlafzimmer, umgeben von Menschen, die sie liebte. Ihren Mann, ihre Mutter, ihren Stiefvater und ihre beste Freundin wollte sie in diesen letzten Momenten ihres Lebens um sich haben. Die tödlichen Medikamente aus den gelben Plastikbehältern hatte die Krebskranke wie geplant eingenommen – dann setzte der Tod ein. Die an einem schweren Gehirntumor leidende Brittany Maynard ist am Samstag wie angekündigt gestorben, wie die Organisation „Compassion & Choices“ am Sonntag bestätigte.Wochenlang hatte die Amerikanerin die Geschichte ihres Leidens erzählt, hatte Interviews gegeben und sich mit bewegenden Video-Botschaften an ein Millionenpublikum gewandt.

          Anfang Januar entdeckten die Ärzte bei der angehenden Lehrerin einen Hirntumor. Drei Monate nach der Operation und der Mitteilung, sie habe nur noch fünf bis zehn Jahre zu leben, entpuppte sich selbst diese Schreckensnachricht als zu optimistisch. Der Tumor in Maynards rechter Schädelhälfte wurde als Glioblastom, ein unheilbarer Krebs der aggressivsten Stufe IV, diagnostiziert. Die Ärzte gaben der frischverheirateten Kalifornierin noch etwa sechs Monate. „Ich will nicht sterben, aber ich sterbe. Und ich will so sterben, wie ich es für richtig halte“, ließ die Absolventin der University of California Berkeley wissen. Da Maynards Heimatstaat Kalifornien Sterbehilfe verbietet, zog sie mit ihrem Ehemann, ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und den beiden Hunden der Familie im Sommer von San Francisco nach Portland in Oregon. Der Beaver State im pazifischen Nordwesten Amerikas gehört zu den fünf Bundesstaaten, die eine ärztliche Suizidbeihilfe erlauben.

          Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit

          In ihrem letzten Video, bevor sie ihre Ankündigung in die Tat umsetzte, begründete Brittany Maynard ihre Entscheidung mit der Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit. Vor einigen Tagen habe sie innerhalb weniger Stunden gleich zwei Krampfanfälle überstanden, nach denen sie sich nicht mehr an den Namen ihres Mannes erinnern konnte, sagte sie zunächst. Neben oft unerträglichen Schmerzen quäle sie zudem das Bewusstsein, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren. „Ich habe in drei Monaten mehr als elf Kilogramm zugenommen, nur durch die Medikamente, die ich einnehme“, sagte Maynard. „Das Schlimmste, was mir passieren kann, ist, dass ich zu lange warte und meine Autonomie verliere.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Krise bei den Tories : Schach dem Paten

          Neue Vorwürfe gegen Boris Johnson: Diesmal sollen seine Leute Abgeordnete „eingeschüchtert“ haben, die sich für ein Misstrauensvotum stark machen. Ein Liberaldemokrat spricht von „Mafia-Methoden“.
          Viele Menschen werden nervös, wenn sie vor anderen sprechen müssen. Doch diese Angst kann auch helfen.

          Große Auftritte im Beruf : Was gegen Lampenfieber helfen kann

          Lampenfieber betrifft viele, die vor Publikum sprechen müssen – auch viele Führungskräfte. Doch dagegen gibt es Hilfe und die Erkenntnis: Die Auftrittsangst kann sogar leistungsfördernd sein.