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Britney Spears : Der rasende Abstieg einer Pop-Prinzessin

  • -Aktualisiert am

Britney Spears 2001 im Finale der MTV Video Music Awards Bild: AP

Britney Spears lieferte das erfolgreichste Debüt-Album einer amerikanischen Künstlerin. Jetzt wird sie in der geschlossenen Psychiatrie behandelt. Das Gericht entmündigte sie und setzte ihren Vater ein, um ihre Angelegenheiten zu regeln.

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          Als „Popwrack“ oder „Popschlampe“ macht sie fast jeden Tag Schlagzeilen. Mit gnadenloser Häme weiden sich Internetklatschseiten und Presse fast im Minutentakt am spektakulären Niedergang des einstigen Kinderstars und Poprinzesschens Britney Spears. „Brit in der Klapsmühle!“, lauten die jüngsten Schlagzeilen. In der vergangenen Woche wurde die erst 26 Jahre alte Popsängerin unter großem Polizeiaufgebot von ihrem paparrazziumlagerten Haus in der Nähe des Mulholland Drive in Beverly Hills in das „Stewart & Lynda Resnick Neuropschitric Hospital“ in Los Angeles gebracht. Das Krankenhaus ist keine dieser schicken Promikliniken, in die Spears und andere Künstler auf Stippvisite gehen, weil sie sich schnelle Hilfe von Suchtproblemen erhofften.

          Britney Spears befindet sich gegen ihren Willen in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung des renommierten universitären Klinikkomplexes „UCLA Health System“ - weil sie nach der vorläufigen Diagnose „schwer gestört“ und „depressiv“ ist. Ihr Zustand ist so ernst, dass die Ärzte am Wochenende entschieden haben, die prominente Patientin solle für weitere vierzehn Tage stationär behandelt werden. Um ihre persönlichen und finanziellen Angelegenheiten kümmern sich derweil auf richterliche Anordnung ihr Vater James Spears und der Rechtsanwalt Andrew Wallet.

          Am Montag sollten weitere gerichtliche Anhörungen stattfinden. Spears selbst könnte sowohl gegen ihren Aufenthalt in der Psychiatrie als auch gegen die Bestellung der Betreuer gerichtliche Schritte unternehmen. Ein gutes Verhältnis zum Vater hat sie nach eigenen Angaben nie gehabt.

          Auf dem Weg zu einer Sorgerechts-Anhörung

          Durchaus talentiert, aber zu jung

          Wie bei so vielen Kinderstars, deren Leben später aus den Fugen geriet, haben die ehrgeizigen Eltern auf fragwürdige Weise die Vermarktung ihrer Tochter gefördert, die seit ihrem Debütalbum „Baby One More Time“ vor erst neun Jahren mehr 83 Millionen Alben verkauft hat. Britney Spears war gerade acht Jahre alt, als die Eltern, der Bauunternehmer James Spears und die Grundschullehrerin Lynne Spears aus der Kleinstadt Kentwood im Südstaat Louisiana, sie bei Proben für die Kinderfernsehshow „The New Mickey Mouse Club“ vortanzen und singen ließen. Durchaus talentiert, aber zu jung, lautete das Urteil der Jury. Also ging die Mutter Lynne mit ihrer begeisterten Tochter in die Entertainment-Metropole New York, um sie dort auf die erhoffte Karriere im Showbusiness vorzubereiten.

          Mit elf Jahren wird Britney Spears für den „Mickey Mouse Club“ engagiert, wo sie ihren späteren Freund Justin Timberlake und die Popsängerin Christina Aguilera kennenlernt. Als die Show eingestellt wird, kehrt die Familie nach Kentwood zurück, aber das Teenager-Leben in der Provinz wird Britney Spears schnell langweilig. Da fügt es sich gut, dass sich Ende der neunziger Jahre Tenniepopstars gefragt sind. Mit 17 Jahren schafft Birtney Spears den Durchbruch. „Baby One More Time“ ist das bis heute erfolgreichste Debüt-Album einer amerikanischen Künstlerin.

          Es folgt Skandal auf Skandal

          Das Image der angeblichen Unschuld vom Lande verkaufte sich hervorragend. Bis zur Ehe wolle sie Jungfrau bleiben, versicherte das Blondchen. Doch das Unschuldsimage geriet ins Bröckeln. Mit Justin Timberlake habe sie nicht nur Händchen gehalten, gestand die Sängerin. Das war noch nicht so schlimm, denn Britney und Justin waren das Traumpaar des Pop. Nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit Werbeverträgen verdiente der Teeniestar Millionen. Doch nach ein paar Jahren begann sich die junge Sängerin gegen die Fremdbestimmung durch Eltern und Plattenbosse zu wehren. Es kommt zu privaten Krisen. Die Eltern lassen sich nach 30 Jahren scheiden, weil der Erfolg ihrer Tochter angeblich die Ehe zermürbt hat. Kurz darauf trennt sich Britney Spears von Justin Timberlake.

          Auf sich selbst gestellt, versuchte die knapp Zwanzigjährige sich als erwachsen gewordene Sängerin neu zu definieren. Musikalisch gab es für die Versuche zwar teilweise Lob, etwa für das Album „Blackout“, doch privat ging es rasend schnell bergab. Britney Spears bot der Boulevardpresse und den Paparrazzi scheinbar unbekümmert Skandal auf Skandal. Aus Naivität? Aus Narzissmus? Je schneller die Talfahrt ging, desto mehr meldeten sich auch Fachleute jeder Couleur zu Wort, die alle möglichen Erklärungen für den Fall von Britney Spears anboten. Die Juxheirat eines Jugendfreundes in Las Vegas wurde 2004 nach nur 58 Stunden annulliert. „Ich wollte einfach wissen, wie es ist, verheiratet zu sein“, sagte die Sängerin. Wenig später stürzte sie sich in die Ehe mit ihrem Backgroundtänzer Kevin Federline. Doch die Flucht ins Familienleben misslang spektakulär. So liefern sich Federline und Spears einen erbitterten Kampf um die beiden Söhne, die in zwei turbulenten Ehejahren geboren wurden.

          Im Abwärtsstrudel

          Seit der Trennung vor zwei Jahren ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht skandalöse Meldungen über Britney Spears erschienen. Auf einer ihrer nächtlichen Partyexzesse, die sie zum Teil in Begleitung von Hotelerbin Paris Hilton unternahm, verlässt sie eine Limousine in Las Vegas ohne Slip. Am nächsten Tag kursieren Bilder von ihrer entblößten Vagina im Internet. Weitere Schauspiele liefert die Sängerin, die längst von der Künstler- zur Klatschpersönlichkeit herabgesunken ist, den Paparazzi, indem sie mit einem Schirm auf ein Auto einschlägt. Das Jugendamt und die Polizei schreiten ein, aber die Abwärtsspirale dreht sich weiter.

          Als Britney Spears in einem Friseursalon in Los Angeles die Schermaschine ergreift und sich den Kopf kahlrasiert, behauptet ihr Manager Larry Rudolph allen Ernstes, dies sei „eine Art Therapie“ für sie gewesen. Wie viele falsche Berater und angeblich wohlmeinende Freunde mit schuld daran sind, dass sie nun in der Psychiatrie gelandet ist, weiß man nicht.

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