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Rückzug von Prinz Andrew : Vorzeitiger Ruhestand

„Vorzeitiger Ruhestand”: Prinz Andrew hat die Queen gebeten, ihn für die „absehbare Zukunft” von seinen öffentlichen Aufgaben zu entbinden. Bild: AFP

In der langen Geschichte des britischen Königshauses ist so etwas wohl noch nicht passiert: Ein Prinz legt alle öffentlichen Aufgaben nieder. Prinz Andrew holt jetzt nach, was er in seinem missglückten Interview unterlassen hatte.

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          Im Buckingham Palace dürfte ein Aufatmen zu hören gewesen sein, als die „Daily Mail“ am Donnerstagmorgen eine neue royale Affäre präsentierte: Prinz Harry und seine Frau Meghan wollen der Weihnachtsparty der Königsfamilie fernbleiben und das Revolverblatt fragte: „Hat die Queen das verdient?” Fürs Erste scheint die Luft raus zu sein aus der hässlichen Skandalgeschichte um Prinz Andrew

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          „Gift-Prinz“, „Paria-Prinz“ – die Boulevard-Presse hatte auch am vierten Tag nach Prinz Andrews missglücktem BBC-Interview nicht locker gelassen. Zugleich gingen immer mehr Sponsoren und Wohltätigkeitspartner auf Abstand zu Andrew. Der Skandal drohte sogar den Wahlkampf zu überschatten, als Boris Johnson und Jeremy Corbyn in ihrem Fernsehduell erstmals auf die Frage antworten mussten, ob die Monarchie noch ihren Aufgaben gewachsen sei. Am Mittwochabend zog Andrew, der jüngere Bruder von Kronprinz Charles, die Konsequenz: In einer Presseerklärung gab er seinen Rückzug von allen öffentlichen Verpflichtungen bekannt. Hofberichterstatter konnten sich nicht erinnern, dass dergleichen in der langen Geschichte des britischen Königshauses schon einmal passiert war. 

          In seinem Schreiben gestand der Prinz ein, dass „die Umstände meiner früheren Verbindung zu Jeffrey Epstein die Arbeit meiner Familie ernsthaft gestört haben“. Daher habe er die Queen gebeten, ihn für die „absehbare Zukunft“ von seinen öffentlichen Aufgaben zu entbinden, was diese erlaubt habe. Ein Kenner des Königshauses übersetzte das mit: „vorzeitiger Ruhestand“. 

          Bild: DPA

          Andrew nutzte das Schreiben auch, um nachzuholen, was er in dem Interview unterlassen hatte, und sprach den Missbrauchsopfern des in Haft durch Suizid gestorbenen amerikanischen Investmentbankers sein Mitgefühl aus. Zugleich zeigte er Bereitschaft, den Ermittlungsbehörden zur Verfügung zu stehen. Dies hatten in den vergangenen Tagen nicht nur die Anwälte der Opfer gefordert.

          Eine von Epsteins früheren „Sexsklavinnen“ wirft Andrew vor, sie 2001 als Siebzehnjährige in London missbraucht zu haben. Der Prinz streitet das ab und sagt, er könne sich an keine Begegnung mit der Frau erinnern. Allerdings kursiert ein Foto der beiden, dessen Authentizität der Prinz bestreitet. Der Rückzug aus dem Wohltätigkeitsleben und der royalen Repräsentanz hat Druck aus dem medialen Kessel genommen. Für Prinz Andrew ist das Kapitel aber noch nicht beendet.

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