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Kommunalwahlen in England : Ein Pornostar will in den Stadtrat

  • Aktualisiert am

John Langley als „Johnny Rockhard“ mit einer Kollegin Bild: YouTube

John Langley will in die englische Lokalpolitik gehen. Er tut das aber nicht des Geldes wegen. Denn das verdient er anders.

          Viele Berufstätige, die nebenbei politisch aktiv sind, rühmen sich gerne damit, „normale“ Menschen zu sein. Anders als die Berufspolitiker haben sie ihr Leben lang für sich selbst gesorgt. Von der Unfähigkeit der etablierten Klasse fühlen sie sich dann aber geradezu gezwungen, den politischen Karriereweg einzuschlagen.

          John Langley bildet da zunächst keine Ausnahme. Er will sich in für den Stadtteil Stockwood in den Stadtrat Bristols wählen lassen. Dabei tritt er für die rechtspopulistische Partei UKIP an. Wie der britische „Independent“ berichtet, hat auch er neben der Politik eine zweite Karriere. Und zwar als Pornostar.

          Mehr als eine Million Menschen folgen Langley auf Twitter. Unter dem Künstlernamen „Johnny Rockhard“ verdient Langley bis heute seinen Lebensunterhalt in der Pornoindustrie. Zuvor war er als Escort-Mann tätig gewesen. Seine Vita liest sich aber auch sonst ungewöhnlich für einen Politiker.

          Außergewöhnliche Vergangenheit

          Wie Langley im Interview mit „Independent“ erzählte, lebte er als Obdachloser eine Zeit lang in einem Zelt. Damals habe er auch mit psychischen Problemen zu kämpfen gehabt. Es folgten eine ärztliche Behandlung und ein Klinikaufenthalt. Aus dieser Zeit stammt auch der Wille, eine politische Amt zu bekleiden. Langley habe die Stigmatisierung psychisch Kranker satt gehabt und wollte selbst etwas ändern, sagte er.

          Für Langley ist seine bunte Vergangenheit alles andere als ein Nachteil. Durch seine unterschiedlichen Erfahrungen könne er sich gut mit jedem Wähler verstehen. Vor allem könne er das besser als der Großteil der etablierten Politiker.

          UKIP wirbt mit Langleys Geschichte

          Rückendeckung erhält er von der Parteispitze. Für Langleys direkten Vorgesetzten Steve Wood ist seine Vergangenheit nur der Beweis für UKIPs Volksnähe. UKIP sei bei den Leuten gerade deshalb so beliebt, weil in der Partei jeder seinen Platz fände. Auch auf nationaler Ebene erfährt Langley Unterstützung. Das Büro des Parteivorsitzenden Nigel Farage ließ Langley wissen, dass Farage voll zu ihm stehe.

          Ob die Bewohner Stockwoods ihm die gleiche Sympathie entgegen bringen wie seine Parteikollegen, wird sich am 7. Mai 2015 zeigen. Dann wählt Stockwood seinen Abgeordneten für den Stadtrat. Langley ist guter Dinge. Denn einen Tag nach dem Bekanntwerden seines Berufs seien die Reaktionen auf der Straße, so empfand er es zumindest, durchweg positiv ausgefallen.

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