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Brigitte Bardot wird 80 : Und immer provoziert das Weib

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Provozierte mit Freizügigkeit: Brigitte Bardot Bild: dpa

Brigitte Bardot stieß als Sexsymbol das brave Bürgertum vor den Kopf. Unlängst sorgte sie als Tierschützerin und Sympathisantin der Rechten für Aufruhr. Heute feiert die Film-Diva ihren 80. Geburtstag.

          Nur 95 Minuten dauert der Film „Und immer lockt das Weib“. Sie genügten 1956, um Brigitte Bardot zur begehrtesten und bekanntesten Französin weltweit zu machen. Bald gab es zehntausende Fotos von ihr, Auftritte des Sexsymbols führten zu Massenaufläufen und Hysterie. Heute sind aktuelle Fotos selten. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere hatte sich die Diva von der Leinwand verabschiedet und als „Menschen- und Gesellschaftsverächterin“ in ihre Villa „La Madrague“ in St. Tropez zurückgezogen. Seitdem sorgt sie mit militanten Tierschutzaktionen und ausländerfeindlichen Hetzreden für Schlagzeilen. „Ich werde mein ganzes Leben lang sagen, was ich denke, ob das gefällt oder nicht“, lautet einer der Lieblingssätze der Bardot, die an diesem Sonntag 80 wird.

          Mit ihrer Devise „Freiheit, Gleichheit, Sinnlichkeit“ hat BB, wie die französische Skandalpresse das blonde Vollweib auch nannte, schon vor mehr als 50 Jahren eine ganze Nation geschockt. Das war 1956, als sie sich nackt in „Und immer lockt das Weib“ von Roger Vadim lasziv im Sand von St. Tropez räkelte. In einem Frankreich, in dem schon barfüßig zu tanzen ein mittlerer Skandal war, brach die verführerische Schmollmund-Blondine alle Tabus.

          Die Freiheit fing beim Dekolleté an

          Bardots sexuelle Freiheit fing da, wo die ihrer damaligen Schauspielkolleginnen aufhörten: beim Dekolleté-Ansatz. Dass aus jeder Pore ihrer Haut Sinnlichkeit strömte, veranschaulichen zahlreiche bislang unbekannte Fotos in „Brigitte Bardot. Eine Hommage“. Das vor kurzem erschienene Buch ist in Zusammenarbeit mit ihr entstanden.

          Mit Filmen wie „Die Wahrheit“, „Die Verachtung“ und „Viva Maria“ schrieb BB nicht nur Filmgeschichte. Sie hat mit ihrer Sinnlichkeit, selbstbestimmten Weiblichkeit und Erotik der sexuellen Revolution den Weg bereitet. Sie schuf ein neues Frauenbild. Weibliche Schönheit durfte sexy und selbstbewusst sein. Ungeniert offenbarte sie ihren Traumkörper den gierigen Objekten der Fotografen. Aus ihren Affären machte sie keinen Hehl. Während ihr Ehemann Vadim mit ihr „Und immer lockt das Weib“ drehte, begann sie mit Filmpartner Jean-Louis Trintignant eine Beziehung.

          Die Liste ihrer Liebhaber ist lang. Sacha Distel, Gilbert Bécaud und Serge Gainsbourg gehörten dazu, aber auch der deutsch-schweizerische Industriellenerbe Gunter Sachs, mit dem sie von 1966 bis 1969 verheiratet war. Der 2011 verstorbene Playboy ließ für sie sogar Tausende von Rosen aus einem Hubschrauber regnen. „Ich habe viel und leidenschaftlich geliebt. Das liegt in meiner Natur“, sagte BB in einem Interview vor wenigen Wochen der Wochenzeitung „Paris Match“. Sie war viermal verheiratet und hat einen Sohn, dessen Erziehung sie weitgehend dem Vater, Schauspieler Jacques Charrier, überließ.

          Mit 40 beendete sie ihre Karriere

          „Ich bin Brigitte Bardot, und diese Brigitte Bardot, die da oben auf der Leinwand lebt, diese Brigitte Bardot wird niemals sechzig sein“, prophezeite sie der Welt, die ihr zu Füßen lag. Sie hat Wort gehalten. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms hat sie nach über 45 Filmen und 80 Liedern ihre Karriere abgebrochen - mit rund 40 Jahren. Sie habe zu stark unter der mangelnden Freiheit gelitten, die sie diese aufgezwungene Berühmtheit gekostet habe, erklärte sie.

          Die Bardolâtrie, der Wirbel um sie, hätte sie nach eigenen Angaben fast umgebracht. „Niemand kann sich vorstellen, wie grauenerregend das war. Ein Martyrium. Ich konnte nicht so leben“, erinnerte sich Bardot. An ihrer radikalen und gleichzeitig mutigen Entscheidung konnte auch das verlockende Angebot nichts ändern, einen Film mit dem amerikanischen Schauspieler und Herzensbrecher Marlon Brando für eine Million Dollar zu drehen.

          Heute lebt Bardot mit ihren geliebten Tieren zusammen in ihrer Villa „La Madrague“, die sie zu einer „Stiftung zur Rettung der Tiere in aller Welt“ gemacht hat. Ein Kindertraum. Denn als Mädchen wollte sie nicht Schauspielerin werden, sondern Ballerina, und einen Bauernhof besitzen, um dort kranke Tiere zu pflegen.

          Geburtstagswunsch: Verbot der Pferdemetzgereien

          Aus ihrem Kampf gegen Tierquälerei hat sie mittlerweile ihren Lebensinhalt gemacht. Von ihrem Kultstatus zehrt sie noch heute, wenn sie Frankreichs Landwirtschaftsministerium wegen unsauberer Praktiken in Schlachthäusern mit dem Gericht droht, ihre französische Staatsangehörigkeit aufgeben will, weil zwei Zirkuselefanten mit Tuberkuloseverdacht getötet werden sollen, und sie sich von Frankreichs Präsidenten François Hollande zu ihrem 80. Geburtstag das Verbot von Pferdemetzgereien wünscht.

          Bardot kommt aus einem erzkonservativen Pariser Elternhaus. Das erklärt für einige Franzosen auch ihre einstige anarchistische Sexualität. Für ihre Sympathie für die Front National (FN) jedoch bringen immer weniger ihrer Landsleute Verständnis auf. Seit Beginn der Neunziger Jahre zählt die ehemalige Schauspielerin zur extremen politischen Rechten. Wegen ihrer hetzerischen Äußerungen gegen Homosexuelle, Frankreichs Linke, Obdachlose und illegale Einwanderer musste sie in den vergangenen Jahren immer wieder vor Gericht.

          Wegen ihrer Heirat mit einem führenden Mitglied der Front National verlor ihre Stiftung auch zahlreiche finanzielle Förderer. Dennoch hält BB unbeirrbar an ihrer politischen Überzeugung fest. FN-Chefin Marine Le Pen sei die einzige, die Frankreich vor dem Untergang retten könne - als Jungfrau von Orléans des 21. Jahrhunderts. Bardot hat schon immer gesagt, was sie denkt - ob das gefällt oder nicht.

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