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Zum Tod von Ivo Pitanguy : Der „Michelangelo des Skalpells“

Vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio trug Ivo Pitanguy noch die Fackel. Bild: Reuters

Was Pelé für den Fußball war und Oscar Niemeyer für die moderne Architektur, war Ivo Pitanguy für die brasilianischen Körper. Nun ist der berühmteste aller Schönheitschirurg im Alter von 93 Jahren gestorben.

          Der brasilianische Schönheitschirurg Ivo Pitanguy ist am Samstag im Alter von 93 Jahren in Rio de Janeiro gestorben. Er war ein Pionier seines Faches. Ein gutes Dutzend Operationstechniken trägt seinen Namen. Berühmt wurde Pitanguy zudem als Chirurg der Schönen und Reichen.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot, Sophia Loren, Zsa Zsa Gabor und viele andere sollen seine Dienste in Anspruch genommen haben. Pitanguy selbst äußerte sich nie zu den Namen. Er ließ die Legenden um sich ranken: Farah Diba, die Gattin des Schahs von Persien. Der König von Jordanien. Eine Boeing 747 voll saudischer Prinzessinnen. Leni Riefenstahl. Rennfahrer Niki Lauda ist einer der wenigen Prominenten, von denen man sicher weiß, dass sie sich unter das Messer der Koryphäe gelegt haben.

          „Michelangelo des Skalpells“ wurde Pitanguy von Zeitungen und Zeitschriften in aller Welt genannt. „Gott mag alles erschaffen, aber Ivo repariert es“, schrieb die brasilianische Veja. Was Pelé für den Fußball war und Oscar Niemeyer für die moderne Architektur, war Pitanguy für die brasilianischen Körper.

          Von Pitanguy verfeinert? Die französische Schauspielerin Brigitte Bardot, hier 1964 im brasilianischen Badeort Búzios, soll die Dienste des Schönheitschirurgen in Anspruch genommen haben. Bilderstrecke

          Prägend für den Arztsohn, geboren am 5. Juli 1923, war ein verheerender Brand. In Niterói bei Rio ging im Dezember 1961 während der Nachmittagsvorstellung ein Zirkuszelt in Flammen auf. 372 Zuschauer kamen sofort ums Leben, viele starben später, Hunderte wurden schwer verletzt. Als der junge Unfallchirurg Pitanguy im Radio von der Katastrophe hörte, so erzählte er es später, fuhr er sofort nach Niterói, versorgte die zum Teil bis zur Unkenntlichkeit Verbrannten vor Ort, später im Krankenhaus. Über Monate operierte er die Opfer.

          Die plastische, medizinisch notwendige Chirurgie und die ästhetische Schönheitschirurgie gehörten für Pitanguy immer zusammen. Das Leid eines Patienten lasse sich nicht an einer Missbildung oder an einer Verletzung messen, sagte Pitanguy vor einigen Jahren im Gespräch. Es gehe darum, welches Leid eine Äußerlichkeit auslöse. Und Leid könne eben auch durch eine zu große Nase oder das Altern verursacht werden. „Im Grunde ist Schönheit für uns Wohlbefinden“, sagte er.

          Neben seiner Privatklinik baute Pitanguy auch eine Station in einem öffentlichen Krankenhaus auf. Dort zahlen ärmere Patienten bis heute nur einen Bruchteil. Unfallopfer und Menschen mit Missbildungen werden kostenlos operiert. Außerdem gründete Pitanguy eine Schule für plastische Chirurgie. Er bildete mehr als 800 Schönheitschirurgen aus 40 Ländern aus. Einer der aktuellen Schüler des „Instituto Pitanguy“ ist Antonio Paulo Pitanguy Müller, sein Enkel.

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