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Brandschutz in Krankenhäusern : „Sachwerte sind besser geschützt als Menschen“

Nach einem Brand im Düsseldorfer Marien Hospital versorgen Feuerwehrleute Patienten. Der Brand ist kein Einzelfall. Bild: dpa

Sieben Menschen kamen in diesem Jahr bei Bränden in deutschen Krankenhäusern ums Leben, zuletzt starb ein Mann Anfang dieser Woche in Düsseldorf. Ist der Brandschutz ausreichend?

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          Düsseldorf, Köln, Mönchengladbach – allein in diesem Jahr brannte es laut dem Bundesverband Technischer Brandschutz bereits 34 Mal in deutschen Krankenhäusern. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben, 79 weitere Patienten wurden verletzt. „Jede Woche brennt es in deutschen Krankenhäusern, aber wir begnügen uns damit, die Toten zu zählen“, sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.  

          Das Fatale: Viele der Patienten können sich aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität nicht selbst retten und sind im Brandfall auf Hilfe von Pflegekräften angewiesen. „Sowohl für Feuerwehr- und Rettungskräfte als auch für Pflegekräfte stellt die Rettung dieser Betroffenen eine große Herausforderung dar“, sagt Brysch. Erschwerend hinzu kommt, dass etwa demente Patienten zusätzliche Brandrisiken mitbringen – etwa durch vergessene Zigaretten oder Adventskränze. Auch im Falle des Marien Hospitals in Düsseldorf wird ein schwer demenzkranker Mann als Brandverursacher verdächtigt. Ein Patient war bei dem Feuer am Montagabend ums Leben gekommen, 19 Menschen wurden verletzt. 

          Unwahrscheinlicher werden könnten solche Unglücke laut Eugen Brysch zum Beispiel durch selbständige Löschanlagen, die den Brand schon in der Entstehungsphase bekämpfen – bevor sich Feuer und Rauch ausbreiten. „Die Gefahr geht nicht nur vom Feuer, sondern vielmehr von der Rauchausbreitung aus“, sagt Brysch. Er fordert deswegen, bei allen Bestandsbauten innerhalb von fünf Jahren selbständige Löschanlagen nachzurüsten. Bei Sanierungen, Renovierungen und Neubauten sollten die zusätzlichen Sprinkleranlagen überdies mit in die Planung einbezogen werden.

          Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen steht den Sprinkleranlagen skeptisch gegenüber. „Gerade bei der oftmals alten Bausubstanz sind Sprinkler teuer in Installation, Wartung und Instandhaltung“, sagt ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft. Der Einsatz von Sprinkleranlagen dürfe außerdem nicht für technische Defekte bei sensiblen medizintechnischen Geräten sorgen, die etwa für Patienten auf Intensivstationen lebenswichtig seien. Diese Skepsis beruhe auch auf Beurteilungen von Brandschützern. Eine pauschale Ablehnung der selbstauslösenden Sprinkleranlagen unter Brandschützern scheint es allerdings nicht zu geben: Vielmehr macht der Bundesverband Brandschutz-Fachbetriebe die Sinnhaftigkeit der Sprinkler vom Fall abhängig. Es komme auf die individuellen und allen voran auf baulich-nutzungsspezifische, anlagentechnische und organisatorische Begebenheiten an.

          Patientenschützer Brysch verweist darauf, dass präventive Maßnahmen wie selbständige Sprinkleranlagen für Möbelhäuser und Lagerhallen Pflicht seien – sonst greife keine Sachversicherung. „Mich ärgert, dass Sachwerte besser geschützt sind als Menschen.“ Er findet, dass die Länder zu wenig in ihre Krankenhäuser  investieren – vor allem beim Thema Brandschutz. Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen widerspricht: Zwar sei der milliardenschwere Investitionsstau in deutschen Krankenhäusern bekannt, allerdings würden die vorhandenen Mittel prioritär für den Brandschutz eingesetzt. Vielmehr würde aufgrund mangelnder Gelder an der Krankenpflegeschule oder an der IT-Ausstattung gespart.

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