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Boris Becker : Noch einmal Sieger sein

Bringt „Boris Becker TV” dem früheren Tennisstar endlich den gewünschten Erfolg? Bild: dpa

Boris Becker will sein angeschlagenes Image korrigieren. Die Marke BB soll endlich das bringen, was sich viele von ihr erhoffen: Renommee und Geld. Seit seinem Tennis-Ausstieg lief es sowohl beruflich als auch privat nicht rosig.

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          Das Bild ist leicht verwackelt. Wir sehen ein Kleinflugzeug. Schnitt. In der Kabine erklärt Boris Becker, was bisher geschah: „Wir haben Miami letzte Nacht verlassen, sind nach Zürich geflogen, haben uns bei mir zu Hause umgezogen und Mittag gegessen. Sehr lecker!“ Schnitt. „Endlich in Salzburg“, sagt der Sprecher. Noah und Elias Becker diskutieren darüber, ob man jetzt in „Austria“ oder „Australia“ sei. Schnitt. Endlich Kitzbühel. Boris Becker kauft Skipässe für die Familie und sagt: „So, wir sind in Kitzbühel und kaufen uns Skipässe.“ Schnitt. Elias bewirft Beckers Freundin Lilly Kerssenberg mit Schneebällen. Die Stimme aus dem Off bilanziert: „Ein ganz normaler Familienausflug bei den Beckers.“ 1:40 Minuten aus dem Leben einer Tennis-Legende. 1:40 Minuten, die dazu beitragen sollen, dass aus dem Helden, der seine Strahlkraft verlor, wieder eine Lichtgestalt wird.

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im zweiten Stock des gläsernen Bürogebäudes in Unterföhring sieht der neue Boris Becker aus wie der alte. Er trägt einen gestreiften Tweed-Anzug und lächelt ins Blitzlicht der Kameras. Er richtet kurz seinen Hemdkragen, kneift leicht die Augen zusammen - das wirkt seriös. Er steckt die Hand in die Hosentasche - das wirkt lässig. Während er redet, reibt er nervös den Daumen am Zeigefinger. Es geht um mehr als nur um die Präsentation einer neuen Geschäftsidee im Internet, die mit „Boris-Becker. TV“ eine Art „Biography Channel“ seiner Person ist (siehe Beckers Bestes). Es geht für Boris Becker vor allem um die bislang mäßig erfolgreiche Positionierung in der Geschäftswelt, um Reputation, um Werbeverträge und schließlich um viel Geld, das Becker braucht, um seinen Lebensstil - Miami-Zürich-Kitzbühel - aufrechtzuerhalten. Es ist ein Neustart für ihn. Einem Turnier vergleichbar, das er nach unzähligen Niederlagen endlich wieder gewinnen will.

          Man nennt ihn den „Lächerling“

          Seit er sich im vergangenen August medienwirksam mit Sandy Meyer-Wölden verlobte, drei Monate später wieder trennte und im Februar bei „Wetten, dass . . .?“ schließlich seiner Ex-Freundin Lilly Kerssenberg einen Heiratsantrag machte, wird Häme über ihm ausgeschüttet. Man nennt ihn den „Lächerling“, „total peinlich“, „extrem unreif“. „Der hat sein Gehirn in der Besenkammer liegen lassen“, lautet ein Kommentar auf „YouTube“ zum „Wetten, dass . . .?-Auftritt“. Und: „He was a great great tennisplayer - but this is shit.“ Dieses Bild will er korrigieren, sein Image glattpolieren. Ein bisschen ist das so, als wolle er mit Gipsarm einen Matchball abwehren. Der einstige Kämpfer auf dem Tennisplatz versucht es trotzdem: „Ich bin der Überzeugung, dass Becker 2009 anders ist, als er in diesem Land wahrgenommen wird“, sagte er am Donnerstag fast trotzig.

          Er begann als Tennisstar - als jüngster und erster Deutscher gewann er das Wimbledon-Finale
          Er begann als Tennisstar - als jüngster und erster Deutscher gewann er das Wimbledon-Finale : Bild: dpa

          Und wenn keiner über den wahren Boris Becker berichtet, dann muss er es eben selbst tun. Die erste Korrektur, die er vorzunehmen versucht, sieht so aus: Lernen Sie den Geschäftsmann Becker kennen! In 2,04 Minuten auf „Boris-Becker.TV“: Stralsund an der Ostsee. Boris Becker präsentiert in einem seiner drei Autohäuser, die er seit Beginn der neunziger Jahre in Mecklenburg-Vorpommern besitzt, ein neues Mercedes-Modell. „Ein ganz normaler Termin für den Geschäftsmann Becker“, sagt der Sprecher. Becker fährt mit dem Auto auf eine Bühne. Er schüttelt Hände. Macht Späße mit den Mitarbeitern. „Auch das gehört für den Geschäftsmann Becker immer dazu“, sagt der Sprecher anerkennend. Noch ein Gruppenfoto, „dann ist auch der Arbeitstag für Boris vorbei“.

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