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Bordellrazzia : Rotlicht-König Bert Wollersheim festgenommen

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Wohl nicht ganz unschuldig: Bert Wollersheim im Juli 2011 in Berlin. Bild: dpa

Er inszenierte sich als Rotlicht-Größe mit weißer Weste, der die Frauen fair behandelt. Für die Freier galt das anscheinend nicht – am Dienstag wurde Bert Wollersheim festgenommen.

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          Der Düsseldorfer Rotlicht-König Bert Wollersheim ist festgenommen worden, weil in seinen Bordellen Freier betäubt und ausgeraubt worden sein sollen. Das bestätigte die Polizei am Dienstag. In den Bordellen sollen reihenweise Freier mit KO-Tropfen schachmatt gesetzt und ihre Kreditkarten geplündert worden sein. Mindestens 17 Fälle seien bekannt, die Dunkelziffer vermutlich noch weitaus höher, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Über 100 000 Euro sollen so erbeutet worden sein. Einzelnen Freiern seien mehr als 10 000 Euro für diverse Dienstleistungen abgebucht worden.

          Bordellbesitzer Wollersheim ist seit vielen Jahren eine schillernde Figur im Rotlichtmilieu. Bundesweit bekannt wurde er durch die TV-Serie „Die Wollersheims“. 400 Polizisten durchsuchten am Dienstag seine Etablissements und sein Anwesen im Rheinland.

          In einem „Verrichtungszimmer“ sei ein Freier dabei nicht ansprechbar angetroffen und mit einem Krankenwagen in eine Klinik gebracht worden. Blutanalysen sollen nun zeigen, ob es sich bei ihm um ein weiteres Opfer handelt. Es seien 150 000 Euro Bargeld, 70 Gramm Kokain, 210 Gramm Amphetamine und Flüssigkeiten entdeckt worden, die nun analysiert werden.

          Um die Opfer von Strafanzeigen abzuhalten, seien sie inmitten von Prostituierten und reichlich Champagner abgelichtet worden. Die Fotos seien als Druckmittel verwendet worden. Es werde gegen 80 Verdächtige ermittelt. Die Vorwürfe lauten: schwerer Raub, Erpressung, Betrug, Computerbetrug, schwerer Bandendiebstahl und gefährliche Körperverletzung. Ein ehemaliger Mitarbeiter habe bereits ausgepackt und die Vorwürfe bestätigt. Gegen einige Beschuldigte werde auch wegen Drogenhandels ermittelt.

          Prostituierte, Wirtschafter und Bordellchefs seien an den Machenschaften finanziell beteiligt worden. Als Opfer seien bewusst weit gereiste Freier, zum Teil aus dem Ausland, ausgewählt worden. Der Razzia seien monatelange Ermittlungen im Bereich des organisierten Verbrechens vorangegangen. In mehreren Städten erhielten 46 Amüsierbetriebe, Bordelle, Wohnungen und Geschäfte unangemeldeten Besuch.

          Ein Experte des Landeskriminalamts sei bei dem Einsatz so schwer verletzt worden, dass er mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht wurde. Er sei durch eine Zwischendecke oder ein Gitter eingebrochen und mehrere Meter tief auf einen Betonboden gefallen.

          Außer in Düsseldorf waren Ermittler in Bonn, Wuppertal, Voerde, Sprockhövel, Neuss, Monheim, Meerbusch und im rheinland-pfälzischen Boppard im Einsatz. Im Visier der Ermittler stehen führende Köpfe aus dem Rotlichtmilieu. Es sollten 17 Haftbefehle vollstreckt werden. Elf der Gesuchten wurden festgenommen.

          Um sechs Uhr begann am Morgen die Aktion. Polizisten und Staatsanwälte wurden durch 63 Steuerfahnder unterstützt. Ein Schwerpunkt des Einsatzes befand sich auf der einschlägig bekannten Rethelstraße in Düsseldorf. Polizisten stellten umfangreiches Beweismaterial sicher.

          Wollersheims Anwältin Iris Labinsky wollte für eine Stellungnahme zunächst die Akteneinsicht und die Vorführung vor dem Haftrichter abwarten. Ihr Mandant habe sich zur Sache bislang nicht geäußert, sagte sie.

          Nach Angaben der Ermittler ist der Mehrheitsgesellschafter der diversen Rotlichtbetriebe ein 47 Jahre alter Mann, der bislang nicht in Erscheinung getreten ist. Auch er habe bislang zu den Vorwürfen geschwiegen. Miteigentümer Wollersheim sei das „Aushängeschild“ gewesen.

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