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Börsen-TV-Star : „Money Honey“ gerät ins Kreuzfeuer

  • -Aktualisiert am

Frisur als Börsenindikator? Maria Bartiromo Bild: AP

Die Star-Moderatorin des amerikanischen Wirtschaftssenders CNBC, Maria Bartiromo, steht in der Kritik. Wegen einer angeblichen Affäre mit ihr musste ein Spitzenmanager der Citigroup zurücktreten. Litt auch Bartiromos journalistische Distanz?

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          Maria Bartiromo ist Komplimente gewöhnt. Mit Sophia Loren wurde die italienischstämmige Star-Moderatorin des amerikanischen Wirtschaftssenders CNBC schon verglichen. FHM, ein Magazin für spätpubertäre Männer, hatte die heute 39 Jahre alte Journalistin vor drei Jahren auf die Liste der 100 attraktivsten Frauen gesetzt. Selbst Joey Ramone, der 2001 gestorbene Frontman der Punkrock-Band Ramones, hat ihr auf seiner postum erschienenen Soloplatte ein Liebeslied gewidmet. Ramone war nicht nur Rockmusiker, er war auch Anleger, der sich um seine Intel-Aktien sorgte und deswegen E-Mails an Bartiromo schrieb - und natürlich auch, weil ihre Augen „alles in Ordnung bringen“, wie er sang.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Hollywood-Stars sind solch einen Personenkult gewohnt. Für Börsenreporter ist er die große Ausnahme. Bartiromo, die nicht nur als hübsch, sondern auch als kompetentes Arbeitstier gilt, ist in den vergangenen zehn Jahren zum Gesicht der Wall Street geworden. Sie moderiert täglich die zwei Stunden um den New Yorker Börsenschluss und eine Sondersendung, in der sie prominente Manager, Sportler und Politiker interviewt. Sie veröffentlichte zwei Geldanlagebücher und schreibt Kolumnen für die Magazine „Business Week“ und „Reader's Digest“.

          Zu starke Nähe zum Subjekt vorgeworfen

          In der vergangenen Woche wurde die Journalistin zum wiederholten Mal selbst zur Nachricht. Der Chef der Wertpapierabteilung für Privatkunden beim amerikanischen Finanzgiganten Citigroup, Todd Thomson, war ohne Angabe vernünftiger Gründe rausgeworfen worden. In den Tagen danach sickerte durch, dass der Anlass eine zu enge Verbindung zu Bartiromo gewesen sein soll. Sie war mehrfach im Firmenjet der Citigroup geflogen, und Thomson hatte im Namen der Bank ein Fernsehprogramm finanziert, an dem Bartiromo mitwirken sollte. Auch ist sie im Namen von CNBC mehrfach bei Veranstaltungen des Werbepartners Citigroup aufgetreten, die Thomson organisiert hatte. Citigroup-Chef Charles Prince hatte Thomson angewiesen, kein Geld mehr in Zusammenhang mit Bartiromo auszugeben. Thomson hielt sich nicht daran.

          Auch Bartiromo geriet in die Kritik, obwohl CNBC für die Reisen im Citi-Jet einen Nominalbetrag zahlte und alles vorher genehmigt war. An der für Gerüchte und Tratsch empfänglichen Wall Street glaubt inzwischen jeder, dass die Beziehung zwischen Thomson und Bartiromo, die beide verheiratet sind, über Freundschaft hinausging. Aber abgesehen von dieser Komponente, lautet der Hauptvorwurf an Bartiromo und ihren Sender: mangelnde journalistische Distanz. Denn sie berichtet über die Citigroup und hat Thomson mehrfach interviewt.

          Die Öffentlichkeit müsse sich nun fragen, ob Bartiromos Berichterstattung objektiv war, heißt es im Lager der Kritiker. Der Vorwurf kam schon nach dem Ende der Börsenhausse auf, als den CNBC-Reportern rückblickend eine zu starke Nähe zu ihrem Subjekt vorgeworfen wurde.

          Kosenamen auf Notizblöcken und Kaffeetassen

          Bartiromos Aufstieg ist eng mit der großen Hausse der späten neunziger Jahre verknüpft. Sie war die erste Reporterin, die von 1995 an regelmäßig live vom Parkett der New Yorker Börse berichtete und sich dort im Gewusel der Händler ihren Platz schaffte. So wurde sie zum Fixpunkt auf den Bildschirmen in den Handelssälen der Wall Street und in den Wohnzimmern der Privatanleger, die wie Joey Ramone die Kursschwankungen der Technologieaktien verfolgten, als handele es sich um ein Fußballspiel. Der Starkult um Bartiromo ging damals so weit, dass Anleger den Zustand ihrer Frisur als Indikator für den Börsentrend nutzten. Statt auf den Dow-Jones-Index achteten viele auf den „Maria-Bartiromo-Market-Hairdex“.

          Die mangelnde Distanz war eine Konsequenz des neuen Formats von Wirtschaftsfernsehen, das CNBC entwickelt hatte. Der Sender berichtete über die Börse wie über eine Sportveranstaltung. Bartiromo wurde gleichsam zur Reporterin, die vom Spielfeldrand berichtet und die verschwitzten Spieler in den Kabinen befragt. Sportreportern wirft allerdings niemand vor, wenn sie im Eifer des Gefechts „Tor“ schreien. „Insgesamt hätten Journalisten einen besseren Job machen können, wenn sie skeptisch geblieben wären“, sagt Bartiromo heute. Aber sie bezweifelt auch, ob im Rausch der großen Börsensause irgendjemand zugehört hätte.

          Bartiromo, die im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufgewachsen und als Teenager im italienischen Restaurant ihrer Eltern gearbeitet hatte, nutzte die Gunst der Stunde und überstand auch die Baisse trotz rückläufiger Einschaltquoten. Die Fans und die Boulevardpresse gaben ihr den Kosenamen „Money Honey“ - „Liebling Geld“. Und sie findet die Vermischung von Finanzjournalismus, Geld und Sex-Appeal nicht verwerflich. „Ich weiß, was ich kann“, sagt sie. Anfang des Jahres ließ sie sich die Bezeichnung als Markenzeichen eintragen - für die Verwendung auf Notizblöcken oder Kaffeetassen.

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