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Bjarne Mädel im Gespräch : „Warte mal kurz“

  • Aktualisiert am

Bjarne bedeutet angeblich „Kleiner Bär“: „Kommt bei Frauen gut an“. Bild: Julia Zimmermann

Ernie bei „Stromberg“ oder der „Tatortreiniger“: Keiner spielt unauffällige Typen so auffällig wie Bjarne Mädel. Ein Gespräch über Rollen, Diäten und einen besonderen Namen.

          5 Min.

          Herr Mädel, es heißt, Sie sind restlos ausgebucht.

          Klingt gut, ne? Aber es stimmt. Gerade habe ich drei Folgen „Tatortreiniger“ in den Kasten geknüppelt, ab nächster Woche drehe ich einen Thriller für das ZDF. Ich freue mich sehr darauf, weil es mal keine komische, sondern eine ernste Rolle ist. Im Oktober spiele ich Theater und im November noch mal drei Folgen „Tatortreiniger“. Das sind alles Sachen, die ich wirklich gut finde, und mittlerweile kann ich auch zwischen Angeboten auswählen.

          Fürs Theater bleibt kaum Zeit?

          Leider. Ich habe zehn Jahre nur Theater gespielt, erst in Rostock, dann auch am Hamburger Schauspielhaus. Meine Mutter, eine passionierte Theatergängerin, die noch bei Quadflieg und Gründgens nach Autogrammen angestanden hat, fragt häufig, wann ich mal wieder auf der Bühne bin, aber ich sage: Lieber ein toller Film als ein schlechtes Theaterstück.

          Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie Schauspieler werden wollten?

          Die haben sich gefreut. Endlich mal was Konkretes! Ich wusste ja lange gar nicht, was ich will. Als Kind: Profifußballer beim HSV, klar. Später habe ich in Kalifornien Weltliteratur und Kreatives Schreiben studiert. Klingt albern, aber ich wollte Schriftsteller werden. Ich habe immer auf die Eingebung gewartet - vergeblich. Im Nachhinein war das so naiv.

          Was hat Sie am Schauspiel fasziniert?

          Dass man nie fertig ist. Ich habe auf dem Bau und im Hamburger Hafen gearbeitet, da brauchte man nur den Körper, dann hab ich studiert, da brauchte man nur den Kopf. Als Schauspieler brauchst du alles, Kopf, Körper, Seele. Und bei jeder neuen Rolle weißt du nie, wie’s ausgeht. Gut, es gibt Kollegen, da weiß man schon bei der ersten Probe, wie sie die Premiere spielen werden. Aber ohne das Risiko zu scheitern ist dieser Beruf blutleer.

          Sind Sie schon mal gescheitert?

          Das erste Mal Fernsehen war ein Desaster. Ich hatte eine Minirolle bei RTL: „Und tschüss! Schon wieder Mallorca“, ein furchtbarer Schrott. Ich musste einen besoffenen Ballermann-Touristen spielen, der den Satz lallt: „EylassmajetzdasMädchendalos.“ Dafür gab’s 1500 Mark und 14 Tage gratis Mallorca - für mich damals sensationell. Nach der Ausstrahlung hat sich meine Mutter drei Tage nicht gemeldet. Als ich dann anrief, war sie völlig aufgelöst. Sie hatte nicht geschlafen und mit meinem Stiefvater beratschlagt, wo sie Geld auftreiben könnten, dass ich so was nicht mehr machen muss.

          Und dann kam die Büro-Sitcom „Stromberg“.

          Ein völliger Zufall. Ich spielte in Köln Theater mit der genialen Autorin und Regisseurin Ingrid Lausund, das hat die Casterin Iris Baumüller-Michel gesehen und mich für die Rolle des Ernie in „Stromberg“ vorgeschlagen. Ich fand das ganze Konzept schon beim Lesen super, dazu die tollen Texte und dass man die Kamera anspielen darf. Ich wollte unbedingt dabei sein, und meistens klappt’s dann ja nicht, weil man verkrampft. Zum Glück wusste ich aber genau, wie die Rolle gemeint war. Der Autor hat mir dann hinterher gesagt, dass ihm in dem Moment, als ich zu spielen anfing, klar war, dass ich die Rolle kriege.

          Ernie ist der Volldepp des Büros. Hatten Sie für ihn denn ein Vorbild?

          Ich hab die Rolle bei mir selber abgeguckt. Ich hatte am Theater einen Bankangestellten gespielt, der wie Ernie ganz unten in der Hierarchie war. Es gab da eine Szene, wo ich 17 Ohrfeigen kriege und nach jeder denke: Warum scheuert der mir eine? Was hab ich falsch gemacht? Das ist ein genialer Text, eine geniale Situation. Da wird einer immer weiter gedemütigt, und statt sich zu wehren, sucht er nach Erklärungen.

          „Für die erste Rolle gab’s 1500 Mark und 14 Tage Mallorca – für mich sensationell“: Bjarne Mädel in Berlin.
          „Für die erste Rolle gab’s 1500 Mark und 14 Tage Mallorca – für mich sensationell“: Bjarne Mädel in Berlin. : Bild: Julia Zimmermann

          Der hilflose, aber irgendwie liebenswerte Trottel scheint Ihre Paraderolle zu sein.

          Nein, ihr schreibt das nur immer wieder. Ich versuche mich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren. Ich bekomme auch Rollenangebote, die exakt wie Ernie angelegt sind, aber das habe ich doch 46 Folgen lang in „Stromberg“ gemacht. Neulich kam ein Angebot für einen Polizisten, der unter seiner Chefin leidet. Ey, das mach’ ich doch schon in der ARD! Das lehne ich alles ab, solange ich mir das leisten kann.

          Der Dorfpolizist Dietmar Schäffer in „Mord mit Aussicht“ hat mit Ernie einiges gemein.

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