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Vorwürfe sexueller Nötigung : Bill Cosby drohen zehn Jahre Haft

  • -Aktualisiert am

Keine Aussage vor Gericht: Bill Cosby am Montag mit seiner Frau Camille Bild: AP

Muss Bill Cosby ins Gefängnis? Dem amerikanischen Schauspieler wird mehrfache sexuelle Nötigung vorgeworfen – auf eine Aussage verzichtet er. Mit einem Urteil könnte es nun sehr schnell gehen.

          Nur eine Woche nach Beginn des Missbrauchsprozesses gegen den amerikanischen Schauspieler Bill Cosby hat sich die Jury in Norristown (Pennsylvania) zu Beratungen zurückgezogen. Die sieben Männer und fünf Frauen diskutierten am Montagabend etwa vier Stunden ohne Ergebnis, bevor der Vorsitzende Richter Steven O’Neill die Sitzung auf Dienstag verschob. Zuvor hatten die Geschworenen um Kopien von Cosbys Aussage während des Zivilverfahrens seines mutmaßlichen Opfers Andrea Constand aus dem Jahr 2005 gebeten. Der 79 Jahre alte Entertainer sagte damals aus, Frauen mit dem Sedativum Quaaludes betäubt zu haben, um sie zu missbrauchen. Aus den Gerichtsprotokollen ging zudem hervor, dass Cosby sich selbst als „schmutzigen alten Mann“ beschrieb.

          Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Montgomery hatte Anklage wegen sexuellen Missbrauchs erhoben, als im Herbst 2014 etwa 60 Frauen Anschuldigungen gegen den ehemaligen Hauptdarsteller der Familienserie „The Cosby Show“ öffentlich machten. Cosby soll jahrzehntelang Frauen mit Medikamenten betäubt und vergewaltigt haben. Da nur Constands Anschuldigungen nicht verjährt waren, muss Cosby sich in ihrem Fall vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die frühere Basketballspielerin bei einem Treffen in seiner Villa in Elkins Park im Januar 2004 mit drei Tabletten wehrlos gemacht und mit den Fingern penetriert zu haben. Cosbys Verteidiger stellten die Begegnung mit der 44 Jahre alten Kanadierin dagegen als einvernehmlich dar.

          „Einiges, das verschwommen bleibt“

          Während des Schlussplädoyers am Montag verwies Cosbys Anwalt Brian McMonagle wiederholt auf Anrufe, die Constand nach dem angeblichen Missbrauch mit dem Schauspieler führte. Zudem deckten sich ihre Aussagen während des Prozesses zum Teil nicht mit den Polizeiprotokollen aus dem Jahr 2005. „Frau Constand war immer wieder unaufrichtig“, sagte der Jurist. „Lassen Sie nicht zu, dass sie sich als Opfer bezeichnet.“ In seinem neunzigminütigen Plädoyer unterstrich McMonagle auch, dass Constand seinerzeit bereits mit Anwälten gesprochen habe, bevor sie erstmals ihrer Mutter davon erzählt habe.

          Insgesamt nahm sich die Verteidigung nicht viel Zeit, um ihre Argumente darzulegen. Als einziger von ihr benannter Zeuge sagte am Montag ein Polizist aus, der seinerzeit Constands Aussage aufgenommen hatte. Er wurde nur wenige Minuten lang befragt. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen über die gesamte vergangene Woche hinweg Zeugen aufgerufen, unter ihnen Constand, deren Mutter und eine weitere Frau, die Cosby Missbrauch vorwirft.

          Der Bezirksstaatsanwalt Kevin Steele erinnerte die Geschworenen in seinem Plädoyer an mögliche Gedächtnislücken durch die von Cosby verabreichten Medikamente. „Constand hat nach bestem Wissen berichtet, was ihr passiert ist. In diesem Fall gibt es aber einiges, das verschwommen bleibt“, fasste der Ankläger zusammen. Während Constand aussagte und sich einem Kreuzverhör unterzog, hatte Cosby am Montag die Aussage verweigert. In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, dass der Neunundsiebzigjährige entgegen früherer Ankündigungen vielleicht doch in den Zeugenstand treten könnte. Er entging damit einem Kreuzverhör, verzichtete aber auch auf die Chance, der Jury seine Sicht der Dinge vorzutragen und sie möglicherweise so für sich einzunehmen. Bei einem Schuldspruch der Jury erwarten den früher als „America’s Dad“ gefeierten Comedian bis zu zehn Jahre Haft.

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