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Spenden für Schule in Ghana : Es sind Mädchen, nicht Bräute

Unsichere Unterkunft: Mary, Evelyn und Gladys (von links) in ihrer Hütte - Mitschülerin Salomey ist krank und liegt im Hintergrund auf ihrer Matte. Bild: Frank Röth

Die Zukunft Afrikas hängt von den Mädchen ab. Eine Schule im Norden Ghanas hat es sich zur Aufgabe gemacht, sie zu bilden.

          Die Aufregung war groß, als Entwicklungsminister Gerd Müller Anfang November über Afrika sprach. Von 100 Dollar, die ein afrikanischer Mann verdiene, bringe er nur 30 Dollar nach Hause, der Rest gehe für zweifelhafte Vergnügen drauf, sagte der CSU-Politiker halb scherzend auf einem Kongress der Union. Das war herablassend und so pauschal auch falsch – wie der Minister kurz darauf selbst eingestand. In der öffentlichen Empörung wurde allerdings übersehen, was der eigentliche Punkt der Rede war: dass die Zukunft Afrikas von den Frauen abhängt.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit dieser Erkenntnis steht der Minister nicht allein. Florence Awini, die Leiterin der Presbyterian Senior High School in Tamale, einer Stadt im Norden Ghanas, zitiert Ban Ki-moon, den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Wer die Welt verändern wolle, müsse in die Mädchen investieren, habe Ban einmal gesagt. Awini verweist auf Studien, nach denen gut ausgebildete berufstätige Frauen ihren Verdienst eher für die Gemeinschaft, für Bildung und das Wohlergehen ihrer Familie ausgäben als Männer. „Deshalb müssen wir alle dazu beitragen, dass Mädchen Mädchen sein dürfen – und nicht Bräute.“

          Offen für alle Geschlechter und Glaubensrichtungen

          Die Presbyterian Senior High School leistet einen solchen Beitrag, indem sie junge Frauen zu einem Abschluss führt, der beruflich orientiert ist und den Weg zum Studium eröffnet. Als Träger der Bildungsstätte, die einem beruflichen Gymnasium in Deutschland vergleichbar ist, fungiert die evangelisch-reformierte Presbyterian Church, wobei die Lehrer vom Staat bezahlt werden und der Besuch Schülern aller Glaubensrichtungen offensteht. Unter muslimischen Familien, die im Norden Ghanas die Mehrheit stellen, genießt die Schule sogar einen besonders guten Ruf.

          Als große Stärke der Presbyterian School gilt „discipline“ – ein Wort, das nach Strammstehen klingt, im meist fröhlichen und herzlichen Umgang zwischen Schülern und Lehrern aber etwas anderes bedeutet. Nämlich Verantwortung, geregelte Abläufe und die Vermittlung von Tugenden, die im Beruf und in der modernen Gesellschaft allgemein wichtig sind.

          Die Schule unterrichtet – auch das ist im Norden Ghanas keine Selbstverständlichkeit – koedukativ, sie wird nicht nur von weiblichen, sondern auch von männlichen Jugendlichen besucht. Zuletzt ist allerdings der Anteil der Schülerinnen rapide zurückgegangen. Nur noch halb so viele Mädchen wie Jungen wurden angemeldet.

          Der Grund dafür ist die Sorge der Eltern um die Sicherheit ihrer Töchter. Die Schüler der Presbyterian School kommen aus oft Hunderte Kilometer entfernten Dörfern, sie müssen also in der Großstadt Tamale wohnen. Die Schule hat zwar einen weitläufigen Campus, aber keine Unterbringungsmöglichkeiten.

          Sie vermittelt deshalb Unterkünfte bei „landlords“, den Grundbesitzern der Stadt. Dabei handelt es sich um Hütten, in denen vier oder fünf Mädchen auf engstem Raum zusammenleben. Die Schülerinnen schlafen auf dünnen Schaumstoffmatratzen, die auf dem Lehmboden liegen, am Kopfende ein Bücherstapel, an der Wand ein Haken für die Schuluniform – sonst nichts. Kein Strom, kein fließendes Wasser, meist gibt es nicht einmal eine Toilette, die sie benutzen dürfen. Als Gegenleistung müssen sie im Haushalt helfen, oft schon am frühen Morgen, dann folgen lange Schulwege, auf denen es schon zu Übergriffen gekommen ist.

          Diese prekären Bedingungen hielten nicht nur viele Eltern davon ab, ihre Töchter anzumelden, sagt Awini. Sie schmälerten auch die Aussichten der Schülerinnen auf einen erfolgreichen Abschluss. Deshalb will die Schule auf ihrem Campus ein Wohnheim für Mädchen bauen; eines für Jungen soll später folgen. Detaillierte Pläne liegen vor, die evangelische Kirche Frankfurt bürgt als langjähriger Partner der Presbyterian Church für deren Verlässlichkeit. Wenn das „girls hostel“ erst einmal steht, dann kommt der ghanaische Staat für Unterhalt und Personal auf. Was fehlt, ist das Geld für den Bau. Es zu sammeln – das ist das Ziel der Spendenaktion „F.A.Z.-Leser helfen“.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für ein Ausbildungsprojekt für Flüchtlinge der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und zugunsten eines Wohnheims für Schülerinnen, das mit Hilfe der evangelischen Kirche Frankfurt im Norden Ghanas gebaut wird.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte mit dem Empfängernamen „FAZ Leser helfen“ auf die Konten:

          Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Die Namen der Spender werden in der Rhein-Main-Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden.

          Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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