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Biermillionär Bruno H. Schubert : „Denk nicht, dass du hast Freunde“

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Die Witwe: Bruno H. Schubert mit Ehefrau Meharit bei Neujahrsempfang in Frankfurt 2010 Bild: Eilmes, Wolfgang

Der Kampf um das Erbe des ehemaligen Inhabers der Henninger-Brauerei in Frankfurt, Bruno H. Schubert, hat sich auf den Boulevard verlagert. Seine 62 Jahre jüngere Frau Meharit filmte ihn beim Sterben und kämpft nun gegen die Vorurteile der Öffentlichkeit.

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          Vor einigen Tagen erfreute die „Bild“-Zeitung ihre Leser auf der Titelseite mit der Schlagzeile „Ehefrau (28) filmt Bier-Millionär (90) beim Sterben!“ Bei den genannten Personen handelt es sich um Bruno H. Schubert, den ehemaligen Inhaber der Henninger-Brauerei und Ehrenbürger seiner Vaterstadt Frankfurt am Main, und um dessen zweite Frau, Meharit, aus Äthiopien stammend, in Belgien aufgewachsen und in der Tat 62 Jahre jünger als der bis fast zu seinem Ende rüstige alte Herr.

          Wie kam es zu den Filmaufnahmen? Laut „Bild“ auf Wunsch Schuberts, jedenfalls wird die junge Frau mit den Worten zitiert: „Bruno sagte mir: ,Wenn ich mal sterbe, musst du alles beweisen können. Die werden über dich herfallen.‘“ Also konnte Bild.de jetzt Videosequenzen zeigen, in denen Bruno Schubert von seiner Frau rasiert und insgesamt freundlich umhegt wird. „Denk nicht, dass du hast Freunde“, hat er nach ihrer Darstellung in seinen letzten Tagen zu Meharit gesagt.

          „Er war mit animalischen Regungen gesegnet“

          In der Tat dürfte sich in der Frankfurter Gesellschaft die Zahl derer, die Meharit Schubert freundlich gesinnt sind, in engen Grenzen halten. Vor allem nimmt man ihr übel, dass sie ihren Mann in seiner letzten Lebensphase abschottete, selbst beste langjährige Freunde wurden nicht mehr empfangen oder telefonisch durchgestellt. Auch Schuberts unehelicher Sohn Hanns Peter Nerger nicht. Der Vierundsechzigjährige entrüstete sich gleichfalls in „Bild“ über seine junge Stiefmutter: „Sie hat mich und meinen Vater entfremdet, Treffen verhindert, ihm meine Briefe vorenthalten.“ Und Nerger, bis Ende 2008 langjähriger Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH, ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz, fällt über seine junge Stiefmutter das vernichtende Urteil: „Ich kenne keinen anderen Menschen mit solchen, oder auch nur annähernd ähnlich schlechten Charaktereigenschaften.“

          Als Gastgeber eine Großbegabung: Einladungen zum Dinner im Hause Schubert waren legendär
          Als Gastgeber eine Großbegabung: Einladungen zum Dinner im Hause Schubert waren legendär : Bild: Helmut Fricke

          Bruno Schubert, dessen erste Ehefrau Inge („Ingelein“), eine im Alter grotesk geliftete, aber lebenskluge Menschenkennerin und perfekte Gastgeberin, im Februar 2009 gestorben war, hatte sich stets das Recht herausgenommen, außereheliche Beziehungen zu pflegen. Er war in jungen Jahren ein attraktiver Mann, hielt auch im Alter noch auf sich, war – wie der legendäre Frankfurter Schauspielintendant Harry Buckwitz schrieb – mit „animalischen Regungen gesegnet“ und hatte Geld. Ein „Frauenbeschaffer“ führte ihm Damen zu, im Alter kam es auch zu längeren „Beziehungen“ mit jungen Frauen gelegentlich osteuropäischer Herkunft, über die der Freundeskreis den Kopf schüttelte und die den alten Herrn viel Geld kosteten.

          Der deutsche Hugh Hefner

          Er soll sich in der Ausgestaltung von Abschieden äußerst großzügig erwiesen haben und bei anderer Gelegenheit in Diskotheken hübsche junge Dinger aufgefordert haben, sich im Falle irgendwelcher Sorgen an Bruno zu wenden, er werde helfen – und zur Verblüffung der Angesprochenen tat er es wirklich. Kurzum: Bruno Schubert führte ein Leben, das vor allem jene zum Stirnrunzeln brachte, die es sich nicht leisten konnten. Im Grunde erfüllte er sich den Hugh-Hefner-Traum – nur dass es nicht im „Playboy“ stand.

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