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Bieber auf Abwegen : Und Justin twittert aus Panama

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Besser als Polizeiwache: Justin Bieber (zweiter von rechts) am Strand von Punta Chame, links Chantel Jeffries Bild: AP

Eine Festnahme nach einem verbotenen Autorennen, Drogenpartys und Pöbeleien: Die Eskapaden des kanadischen Popstars erinnern an andere Kinderstars, die an frühem Ruhm und Geld zerbrachen.

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          Ein heilsamer Schock sieht anders aus. Während die Polizei in Justin Biebers Wahlheimat Amerika weiter ermittelt, wie schnell er bei einem illegalen Autorennen durch Miami fuhr, überraschten die Paparazzi den kanadischen Teenie-Star nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis am Strand von Panama-Stadt. Mit einem blonden Model, seiner üblichen Entourage und einem Kübel eisgekühltem Bier, aus dem sich der Neunzehnjährige in den Vereinigten Staaten erst nach dem 21. Geburtstag bedienen dürfte.

          Vor dem Ausflug am Wochenende hatte der Sänger, der in früheren Jahren auch die Mütter seiner jugendlichen Fans durch Fleiß und Bodenständigkeit beeindruckte, bei Instagram noch zwei Fotos gepostet. Das erste zeigt Bieber am Donnerstag nach einem Tag Haft vor dem Turner Guilford Knight Correctional Center auf dem Dach eines schwarzen Geländewagens. Zurückgezogen in die schwarze Kapuze seines Pullovers, aber mit einem kurzen Winken zu den Anhängerinnen, die ihm auch nach Drogeneskapaden und Bordellausflügen weiterhin treu sind.

          „Was soll ich noch sagen?“

          Das zweite Bild zeigt Biebers Vorbild Michael Jackson im Jahr 2004 nach der Anklageerhebung wegen Kindesmissbrauchs vor einem kalifornischen Gericht. Ebenfalls auf dem Dach eines schwarzen Wagens, ebenfalls winkend. „Was soll ich noch sagen?“, kokettiert Bieber in der Bildzeile stolz mit der Bruderschaft zu dem längst verstorbenen „King of Pop“. Kinderstars, die durch das Erwachsenwerden aus der Bahn geworfen werden, hat es in Hollywoods Kultur des kometenhaften Aufstiegs und oft schmerzhaft langsamen Verglühens immer gegeben.

          Stolz auf die Parallele zu Michael Jackson: Justin Bieber verbreitete dieses Foto über Twitter

          Über Teenie-Idole der Siebziger wie David Cassidy und Danny Bonaduce, als Brüder in der Fernsehserie „Die Partridge-Familie“ jahrelang Großverdiener, wurde nach dem unfreiwilligen Abschied von der Schauspielerei nur noch nach Alkoholfahrten, Schlägereien und Verhaftungen berichtet. Macaulay Culkin, der vor fast 25 Jahren durch Kassenschlager wie „Kevin – Allein zu Haus“ und „Kevin – Allein in New York“ zu einem der erfolgreichsten Nachwuchsdarsteller seit Shirley Temple avancierte, schlägt sich nach kräftezehrenden Ausflügen ins Rauschgiftmilieu heute als DJ durch.

          Amanda Bynes und Miley Cyrus, die sich wie im Zeitraffer von der jugendfreien Hannah Montana in ein hüftkreisendes Pin-up verwandelte, übten derweil einen wodka- und rauschgiftbeschleunigten Absturz à la Lindsay Lohan. „Junge Schauspieler sind jeden Tag der Angst vor Ablehnung, Selbstzweifeln und dem Anspruch nach Perfektion ausgesetzt. Das Showgeschäft hält gleichzeitig Drogen, Alkohol und Sex bereit“, sagt die amerikanische Psychologin Wanda Behrens-Horrell. „Die Kinder und Jugendlichen laufen schnell Gefahr, Gefühlsschwankungen zu unterliegen und süchtig zu werden.“

          Tätowierungen statt Fönfrisur

          Auch Justin Bieber präsentiert den Fans seit Monaten sich steigernde Skandale. Bevor der Grammy-Preisträger am frühen Donnerstagmorgen nach dem verbotenen Autorennen gegen den R&B-Musiker Khalil Amir Sharieff zum ersten Mal festgenommen wurde, hatte er das Image des blonden Mädchenschwarms aus der kanadischen Provinz schon Schritt für Schritt mit Pöbeleien gegen Nachbarn und Paparazzi, Eskapaden mit italienischen Sportwagen, Box-Stunden bei Mike Tyson sowie Aufnahmen von Marihuana-Partys ausgehöhlt. Anstelle der manierlichen Fönfrisur, mit der „Biebs“ nach seiner Entdeckung durch den New Yorker Musikmanager Scooter Braun vor fünf Jahren auftrat, trägt er heute Tätowierungen zur Schau.

          Ein Schock für viele Fans: Polizeifotos von ihrem Idol

          Die brave Selena Gomez, als Star konservativer Disney-Produktionen bis vor zwei Jahren die ideale Besetzung für die Freundinnen-Rolle, hat er inzwischen mit einer Entourage aus Rappern und „Models“ ersetzt. Während sich die Kinderkrankheiten früherer Schauspielergenerationen meist ungesehen von der Öffentlichkeit abspielten, lassen sich Biebers Eskapaden über die sozialen Netzwerke ungefiltert verfolgen. „Ihr seid alle wertvoll, egal was andere sagen. Ich werde euch immer dankbar sein“, twitterte der Sänger seinen fast 50 Millionen Anhängern schon kurz nach der Entlassung aus dem Gefängnis.

          Reue und Einsicht nach einem Fehltritt, der Bieber nach wegen Fahrens unter Alkohol und Rauschgift einige Monate Freiheitsstrafe einbringen könnten? Keine Spur. Viele Amerikaner erinnert Biebers Botschaft an ein Video seines Landsmanns Corey Haim. Der Nachwuchsstar, der in den achtziger Jahren durch Filme wie „The Lost Boys“ und „Dream a Little Dream“ weltberühmt wurde, hatte schon vor 25 Jahren versucht, nach Rauschgiftskandalen und anschließenden Abstechern in Entzugskliniken durch die Dokumentation unter dem vielsagenden Titel „Me, Myself, and I“ das längst ruinierte Image zu retten.

          Manager, Mama und Usher planen eine Intervention

          Das 40 Minuten lange „Video-Tagebuch“, in dem Haim wie in Trance abwechselnd über vermeintliche Delfine in seinen Adern und ziellose Autofahrten durch Los Angeles sinnierte, soll das Karriereende des damals Achtzehnjährigen aber weiter beschleunigt haben. Als der frühere Mädchenschwarm im Alter von 38 Jahren im März 2010 verarmt an einer Lungenentzündung starb, hatte er angeblich zwei Dutzend Klinikaufenthalte hinter sich.

          Um Bieber nach den Entblößungen der vergangenen Wochen weitere halsbrecherische Stunts in den sozialen Medien zu ersparen, ist sein Manager Braun jetzt nach Panama geflogen. Gemeinsam mit Biebers Mutter Pattie Mallette und seinem Vertrauten Usher soll er dort eine Intervention vorbereiten. Falls Brauns Plan aufgeht, wird der Sänger um italienische Sportwagen und Rauschgift vorerst einen Bogen machen. Und um Twitter voraussichtlich auch.

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