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Beyoncé : Soulsister im Superlativ

  • -Aktualisiert am

So sieht Emanzipation 2.0 aus: Beyoncé offenbart sich am Donnerstagabend in Berlin nur auf der Bühne Bild: Invision

Beim Berlin-Konzert ihrer einjährigen Welttournee „Mrs. Carter“ gibt sie alles und noch mehr – ansonsten sah man wenig von Beyoncé. Bei so viel Diskretion bleiben nur Gerüchte.

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          Normalerweise soll die Vorband Stimmung machen. Aber Superstar Beyoncé übernimmt auch das selbst. Zwar gibt ihr Vorsänger Luke James eine halbe Stunde lang ein paar nette R’n’B-Songs zum Besten. Richtig in Stimmung gerät das Publikum der ausverkauften O2-Arena in Berlin am Donnerstagabend jedoch erst, als - kurze Werbepause - Beyoncé in einigen Clips erscheint: für H&M, für Pepsi, für die Frauenrechtsorganisation „Chime for Change“. Für die frenetische Beyoncé-Party haben sich die Damen extra schick gemacht.

          Mit mörderisch hohen Stilettos, Miniröcken und toupiertem Haar sehen sie aus wie Beyoncé selbst. Die läutet ihren Auftritt mit einem Video ein. Frisiert wie Marie Antoinette und mit weiß geschminktem Gesicht läuft der Superstar darin samt Gefolge auf das Publikum zu. Dann erscheint sie auch schon im mit Perlen und Kristallen besetzten weißen Body von Ralph & Russo, die linke Hüfte herausgestreckt, den Arm angewinkelt, in ihrer Siegerpose, und singt „Run The World (Girls)“.

          Das perfekte Power-Pumps-Pailletten-Paket

          Die Halle vibriert - nicht zuletzt wegen des exorbitanten Basses. Ihre Stimme muss Mrs. Carter weiß Gott nicht dahinter verstecken, selbst bei schnellstem Tanz: Das Singen beim Dauerlaufen, das ihr der gestrenge Vater als Jugendliche verordnete, hat sich gelohnt. Beyoncé Giselle Knowles-Carter ist das perfekte Power-Pumps-Pailletten-Paket.

          Auch außerhalb der Choreographie zeigt sie Emotionen. Gleich zu Konzertbeginn ruft sie dem Publikum zu, dass sie ihren Erfolg (vier Nummer-eins-Alben, 120 Millionen verkaufte Tonträger, 17Grammy Awards) nur ihren Fans verdanke. Der Satz klingt nicht abgedroschen, wenn sie ihn sagt - mit dezentem Make-up und glücklichem Lächeln. Dann sieht man in ihr nicht die Göttin, die mit ihrem Gatten Jay-Z das am besten verdienende Paar im Showbusiness bildet.

          Pressefotografen haben keinen Zutritt zu ihren Konzerten. Nach dem Super Bowl im Februar tauchten unschmeichelhafte Fotos von Beyoncé auf
          Pressefotografen haben keinen Zutritt zu ihren Konzerten. Nach dem Super Bowl im Februar tauchten unschmeichelhafte Fotos von Beyoncé auf : Bild: AFP

          Und die sich hermetisch abschottet. So wurde über Beyoncés Aufenthaltsort in Berlin so wenig bekannt wie über eine mögliche Nasen-OP. Im Fall Madonna wurde vergangenes Jahr noch darüber lamentiert, dass sie mehrere Tage eine Etage im „Soho House“ okkupiere. Beyoncé tauchte lieber ab, wahrscheinlich ganz traditionell im Hotel de Rome, im Adlon oder im Regent. Man erfuhr nur, dass sie am Morgen des Konzerts mit dem Flugzeug aus München anreiste, während 30 Trucks mit Bühnen-Aufbauten und Garderobe über die Autobahn 9 rollten.

          Bei so viel Diskretion muss man sich an die Gerüchte halten. Beyoncé wünscht auf ihrer einjährigen Welttournee „Mrs. Carter“ laut dem australischen „Daily Telegraph“ nur von Hand geschliffene Eiswürfel zur Kühlung ihrer kostbaren Stimmbänder, 21 Grad warmes Wasser und rotes Toilettenpapier. Und noch ein Diktat ist bekannt: Pressefotografen haben keinen Zutritt. Es soll wohl verhindert werden, dass weitere, nun ja, unschmeichelhafte Bilder im Netz auftauchen wie jene, die Anfang Februar beim Super Bowl gemacht wurden.

          Beyoncé versucht, alles richtig zu machen. Auch optisch. Gleich anfangs, zu „If I Were A Boy“, übt sie sich in Unperfektheit, als sie auf ihre vermeintlich schwabbeligen Oberarme hinweist. Mit einem von Givenchy-Designer Riccardo Tisci entworfenen schwarzen Pailletten-Suit inklusive Cap mit Katzenohren führt sie „Naughty Girl“ auf. In Leder-Overknees singt sie „I Miss You!“. Im hautengen Glitzer-Anzug räkelt sie sich auf dem Piano. Und die ganze Zeit, zwischen Gold- und Feuerregen, fragt man sich: „Wie macht sie das mit den Schultern?“

          Insgesamt rund zehn Mal wechselt Beyoncé in knapp zwei Stunden ihr Outfit. Die Pausen werden überbrückt mit aufwendigen Videos, in denen die Sängerin die Rolle der Frau (mal sexy, mal verletzt, mal kämpferisch) inszeniert im Sinne einer Emanzipation 2.0. Das goutiert auch die 30-Prozent-Männerquote im Publikum. So mancher checkt erst die „Kicker“-App, um wenig später bei „Single Ladies“ mitzuwippen.

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