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Verlangsamtes Wachstum : Bevölkerung in Deutschland auf mehr als 83 Millionen gestiegen

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Bei gutem Wetter zum Pfingstwochenende ist eine Einkaufsmeile in der Köln gut besucht. 2019 ist die Bevölkerungszahl in Deutschland wieder gestiegen. Bild: dpa

Mit 83,2 Millionen ist die Einwohnerzahl auch im vergangenen Jahr in Deutschland wieder gestiegen, wird aber langsamer. Bis 2060 könnte Deutschlands Bevölkerung sogar um einige Millionen zurückgehen.

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          Deutschlands Einwohnerzahl klettert Jahr für Jahr auf neue Rekordwerte. Weder im Kaiserreich noch während der Nazizeit lebten mehr Menschen im Land. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte, stieg die Einwohnerzahl auch 2019 und erreichte 83,2 Millionen. Allerdings flacht das Wachstum ab: Ein Zuwachs von 147.000 bedeutet die geringste Bevölkerungszunahme seit 2013.

          In den drei Jahrzehnten seit der deutschen Vereinigung ist die Bevölkerung in den meisten Jahren gewachsen – mit Ausnahme der Jahre 1998 sowie 2003 bis 2010. Dieses Plus ist nach Angaben der Statistiker allerdings ausschließlich auf die Zuwanderung zurückzuführen. Ansonsten würde die Bevölkerung bereits seit 1972 schrumpfen. Seither starben jedes Jahr mehr Menschen als geboren wurden.

          2019 wanderten etwa 300.000 Menschen mehr zu als ab. Dabei ist das Plus allerdings im vierten Jahr in Folge kleiner geworden. 2018 betrug der Wanderungsüberschuss noch 400.000. Im Jahr 2015 hatte die Nettozuwanderung wegen der Flüchtlingskrise extrem stark um 978.000 Menschen zugenommen; jetzt ist sie wieder auf das Niveau von 2012 abgesunken.

          Regionale Unterschiede im Bevölkerungswachstum

          Gleichzeitig verzeichnet die Bundesrepublik ein anhaltendes Geburtendefizit: 2019 gab es 778.000 Geburten und 939.500 Todesfälle. Daraus ergibt sich ein Defizit von rund 161.000. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung erhöhte sich 2019 geringfügig um 0,1 Jahre auf 44,5 Jahre. Vor über einem Jahrhundert (1910) lag es noch bei 23,6 Jahren.

          Die Bevölkerungsentwicklung verlief regional unterschiedlich: Prozentual hatten Berlin (plus 0,7 Prozent), Brandenburg, Bayern und Hessen (jeweils plus 0,4 Prozent) die höchsten Zuwächse. Demgegenüber sank die Einwohnerzahl prozentual am stärksten in Sachsen-Anhalt (minus 13.500 oder minus 0,6 Prozent), Thüringen (minus 9.800 oder minus 0,5 Prozent) und im Saarland (minus 3.600 oder minus 0,4 Prozent). Für das frühere Bundesgebiet (ohne Berlin) ergibt sich ein Bevölkerungszuwachs um 143.700 Personen (plus 0,2 Prozent). In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) nahm die Bevölkerung um 20.800 Personen oder 0,2 Prozent ab. Eine Ausnahme zum Trend im Osten bildete Brandenburg aufgrund der Nähe zu Berlin mit einem Zuwachs von 10.000 Einwohnern.

          Auch das Wachstum der ausländischen Bevölkerung verlangsamte sich im Jahr 2019 weiter, während die Zahl der Deutschen sank: Ende 2019 lebten 72,8 Millionen deutsche (minus 161.000 beziehungsweise minus 0,2 Prozent) und 10,4 Millionen ausländische Staatsbürger (plus 309.000 beziehungsweise plus 3,1 Prozent) in der Bundesrepublik. Der Ausländeranteil stieg gegenüber dem Vorjahr von 12,2 auf 12,5 Prozent. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung erhöhte sich geringfügig um 0,1 Jahre auf 44,5 Jahre.

          Zuwanderung hat nur geringen Einfluss

          Für die kommenden Jahre erwarten die Demografen, dass die Zahl der Gestorbenen – trotz steigender Lebenserwartung – weiter zunehmen wird, da die zahlenmäßig starken Jahrgänge der Babyboom-Generation ins hohe Alter hineinwachsen. Zugleich wird die Anzahl potentieller Mütter in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich zurückgehen, da die schwach besetzten 1990er Jahrgänge in die gebärfähige Altersphase kommen.

          Längerfristige Vorhersagen über die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland sind schwierig. Konflikte im Nahen Osten oder mögliche weitere Krisen in Nordafrika könnten für weitere Massenzuwanderung sorgen. In ihren Langfristprognosen rechnen die Statistiker allerdings mit einer durchschnittlichen Entwicklung. Und vermuten deshalb, dass die Zuwanderung nur sehr eingeschränkte Auswirkungen auf die langfristige Bevölkerungsentwicklung und das Durchschnittsalter haben wird. Ein Bevölkerungsrückgang sei auf lange Sicht wegen der ins Rentenalter kommenden geburtenstarken Jahrgänge unvermeidbar. Je nach angenommener Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Nettozuwanderung wird die Bevölkerungszahl mindestens bis 2024 zunehmen und spätestens ab 2040 zurückgehen. Im Jahr 2060 wird sie voraussichtlich zwischen 74 und 83 Millionen liegen.

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