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Schwedisches Königspaar : „Wir alle haben ein Herz und werden helfen“

Das schwedische Königspaar König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia im Stockholmer Schloss. Bild: Daniel Pilar

Von Mittwoch an reist der schwedische König Carl XVI. Gustaf durch Deutschland. Ein Gespräch mit ihm und Königin Silvia über den Staatsbesuch, die Herausforderungen der Zeit und die Flüchtlingskrise.

          6 Min.

          Das Stadtschloss von Stockholm war einst schön wie aus einem Märchen. Doch brannte es 1697 nieder und wurde, was ja selten eine gute Idee ist, nach der Mode der Zeit wieder aufgebaut. Nun ist es ein mächtiger Klotz am Rande der engen Altstadt, der Gamla stan. Schwedische Kinder sagen schon mal: ein Schuhkarton. Er hat fast 700 Räume, sogar 1000, wenn man jedes Kämmerchen mitzählt, und fast jeder dieser Räume scheint eine Geschichte zu erzählen. Teppiche, Uhren, Gemälde – alles hat eine Bedeutung und gibt einen Hinweis auf Vergangenes, selbst die grüne Couch, auf die König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia sich nun setzen, um mit deutschen Journalisten zu reden.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Auf dieser Couch, so hat es die Pressechefin des Hofes verraten, saßen sie auch vor 40 Jahren, als sie dem schwedischen Volk ihre Verlobung verkündeten. Fotos von damals zeigen ein junges Paar, strahlend vor Glück. Nun sitzen sie wieder hier, der König in dunkelblauem Anzug, die Haare weiß, die Königin im blauen Kostüm, die dunklen Haare noch immer lang und voll, jeder an einem anderen Ende der Couch. Die Geschichte ihrer Liebe wurde vielfach erzählt. Der König möchte lieber über die Zukunft sprechen.

          Nicht einmal das Stadtschloss gehört dem König

          Die Zukunft heißt für ihn auch: der Staatsbesuch in Deutschland. Vom 5. Oktober an geht es für vier Tage nach Berlin, Hamburg, Leipzig und Wittenberg. Bundespräsident Joachim Gauck hat eingeladen. Das Königspaar wird mit einer Wirtschaftsdelegation anreisen, Außenministerin Margot Wallström und Wirtschaftsminister Mikael Damberg sind dabei. Stichworte: Innovation und Kooperation. Für Schweden ist das von großer Bedeutung – Deutschland ist der wichtigste Handelspartner. Daher werden deutsche Journalisten in den Schuhkarton eingeladen, um vorab mit dem Königspaar zu reden. In der ungewohnten Runde aber verlieren sich Fragen und Antworten manchmal ein wenig und gehen durcheinander.

          Die Innenstadt von Stockholm und das Schloss.

          Außerdem fällt es in diesem Schloss schwer, nur an die Zukunft zu denken, zumal die Geschichten, die diese Räume erzählen, aus einer Zeit sind, in der das schwedische Königshaus mächtiger war als heute. Der Thronsaal zum Beispiel, in dem lange jedes Jahr nach der Sommerpause das Parlament eröffnet wurde, der König saß dann auf seinem silbernen Thron, zuletzt 1974 – jetzt geht der König ein paar Meter hinüber zum Reichstag, um das Parlament zu eröffnen, und setzt sich auf einen Stuhl. Oder der Ratssaal mit dem langen Holztisch, wo sich einst unter dem Vorsitz des Königs regelmäßig das Kabinett einfand – nun kommt der Ministerpräsident mit seinen Ministern vielleicht noch dreimal im Jahr vorbei. Nicht einmal das Stadtschloss gehört dem König. Der schwedische Staat stellt es ihm nur zur Verfügung.

          Der unpolitische König

          Versuchen wir’s also mit der Gegenwart. Wenn man trotz der langen Erfahrung als Staatsoberhaupt bei der Eröffnung des Parlaments in der ersten Reihe Platz zu nehmen hat, wenn die Politiker anfangen, über Politik zu reden, und wenn man stets vorsichtig sein muss, wenn man sich über Politisches äußert – wie schwer fällt das?

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