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Bestsellerautorin Jenny Colgan : „Ich möchte etwas Warmes schreiben“

„Ich war Ablehnung gewöhnt“, sagt Jenny Colgan über ihr Leben vor dem Erfolg. Bild: Jennifer Endom

Jenny Colgan hat bisher mehr als drei Millionen Romane verkauft. Im Interview spricht die Beststellerautorin über das Geld, das sie für ihren ersten Roman bekam – und über ihre Unfähigkeit, unsympathische Charaktere zu erfinden.

          8 Min.

          Frau Colgan, Ihre Agentin schrieb mir, dass Sie immer montags um 11.15 Uhr Zeit für Interviews hätten. Wie kommt dieser spezielle Termin zustande?

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich habe drei Kinder, mein Mann ist Marineingenieur und oft auf See, deswegen ist mein Alltag sehr durchgetaktet. Wenn man freiberuflich arbeitet, muss man sehr gut auf seine Zeit aufpassen, wissen Sie. Montags habe ich immer Klavierunterricht, ich habe als Kind gespielt und jetzt wieder angefangen, und nach dieser Stunde habe ich immer ein bisschen Zeit. Oh, und meine Klavierstunde gerade, die war wirklich schlimm: Ich bereite mich auf ein theoretisches Examen vor, das ist am 7. November, es heißt „Grade 4 Theory Exam“. Da muss man zum Beispiel Akkorde identifizieren und den Notenschlüssel ändern. Und die Stunde war so schwer, dass ich fast geweint hätte (lacht). Ehrlich, Kinder lernen so was ganz schnell, aber ich bin so alt und so dumm (stöhnt)! Aber trotzdem, es ist gut, so was zu haben, so ein Hobby.

          Machen Sie auch Sport?

          Zweimal in der Woche kommen Freundinnen zu mir, wir haben einen Personal Trainer. Aber wir quatschen eigentlich hauptsächlich, während wir uns ein bisschen dabei dehnen (lacht).

          Und wann schreiben Sie?

          Morgens gehe ich als Erstes mit den Hunden. Dann trinke ich einen Kaffee, und danach fange ich an zu schreiben, 2500 Wörter jeden Tag, das dauert so zweieinhalb Stunden, und ich kann es überall machen, sogar im Auto oder im Flugzeug, aber normalerweise sitze ich in irgendeinem Café, weil ich mir das so angewöhnt habe, als die Kinder noch kleiner waren. Ich hatte damals eine Babysitterin, aber wenn ich zu Hause gearbeitet habe, kamen sie trotzdem ständig in mein Arbeitszimmer, und ich kam nie in diesen Flow. Na ja, und dann habe ich das einfach so beibehalten. Wenn ich fertig bin mit Schreiben, habe ich den Nachmittag frei, der gehört mir, und ich genieße das sehr. Ich hole dann die Kinder von der Schule ab und spiele Klavier oder mache irgendwas anderes, was mir Spaß macht.

          Können Sie wirklich jederzeit und überall schreiben?

          Wenn ich nicht weiterkomme mit einer Szene, schreibe ich erst an einer anderen Stelle weiter. Ich mache es auch so: Wenn ich etwas geschrieben habe, kann ich später immer noch mal zurückkommen und die Stelle besser machen. Es ist aber wichtig, erst mal was hinzuschreiben.

          Früher war das ja alles ganz andersDa hatten Sie einen Bürojob und haben nebenbei Stand-up-Comedy gemacht. Was gab den Ausschlag, dass Sie plötzlich einen Roman geschrieben haben?

          Es gab da so einen Moment, wo ich als Stand-up-Comedian auf der Bühne stand und irgendwas erzählte, was ich eigentlich ganz lustig fand, und mittendrin klingelte im Zuschauerraum ein Handy. Der Mann ging ran, er sprach ganz leise und wollte wirklich niemanden stören, aber ich hörte trotzdem, wie er sagte: „Ich bin noch hier und höre so eine dumme Comedy, aber ich gehe gleich.“ Also, ich war einfach nicht gut als Comedian. Eine Freundin, der ich damals öfter Briefe schrieb und der ich auch öfter Bücher auslieh, sagte: „Deine Briefe sind viel lustiger als diese Bücher. Warum schreibst du keine?“ Damals war gerade „Das Tagebuch der Bridget Jones“ ein großer Erfolg, und die Verlage gierten nach lustigen Liebesromanen, die von jungen Frauen geschrieben wurden.

          Wann genau haben Sie damals geschrieben? Abends nach der Arbeit?

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