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Frau von Kai Diekmann : Eine von uns – aber nur fast

Das Leben in Kostümen: Katja Kessler im Foyer eines Berliner Design-Hotels Bild: Julia Zimmermann

Katja Kessler ist Bestseller-Autorin, Gattin und promovierte Zahnärztin. In ihrem neuen Buch gibt sie Ehetipps – und „Schatzi“ ist auch dabei.

          Dass Katja Kessler mitten im Leben steht, merkt man schnell. Weil der Zug aus Frankfurt verspätet ist, wird sie von ihrem Verlag informiert, dass sich das Interview verzögert. Plötzlich klingelt das Handy, kurz bevor der ICE Berlin erreicht: „Hier ist Katja Kessler. Machen Sie sich keine Sorgen. Ich sitze hier und warte. Und wissen Sie, was das Komische ist? Ich war ausnahmsweise pünktlich. Und das kommt selten vor!“

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist einfach, mit Katja Kessler warm zu werden. Ein bisschen ist sie an diesem Nachmittag im Foyer eines Berliner Design-Hotels wie die verständnisvolle Gastgeberin, die fragt, wie die Zugfahrt war, ob der Platz auf dem Samtsofa für das Interview okay sei oder doch lieber der an den Tischen hinter der Glasscheibe.

          „Ich habe ganz viel Katja reingetan“

          Katja Kessler, und das ist Teil ihres Erfolgsprinzips, ist „eine von uns“. Dass das nicht ganz der Realität entspricht, weiß sie selbst. Denn ihr Ehemann ist Kai Diekmann, knapp 15 Jahre Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, seit 2015 Gesamtherausgeber der „Bild“-Gruppe, der Mann, der so manchen Politiker zum Star und so manchen anderen zum Privatier gemacht hat. Man lebt in einer Villa am See, zeigt sich auf roten Teppichen, trifft Staatsmänner, den Papst und Hollywood-Stars. Es gibt viele Fotos von Katja Kessler bei offiziellen Terminen. Dort ist sie die reizende Gattin, die den intelligenten Smalltalk beherrscht, die Frau von Diekmann. Und im wahren Leben?

          Zum Interview trägt Kessler eine bunte Tunika zu Overknee-Stiefeln, die Haare hat sie locker zurückgebunden, an den Seiten blitzen riesige Creolen-Ohrringe hervor. Nicht ganz das, was man von einer Herausgeber-Gattin erwarten würde. Kessler bestellt Mineralwasser „mit Blubber“ und rutscht unsicher auf dem Samtsofa hin und her. Nach der ersten Frage errötet sie leicht und bekennt, dass es komisch sei, als Journalistin ausnahmsweise selbst interviewt zu werden. Wieder ein Understatement, denn sie ist zwar Journalistin, mittlerweile aber vor allem eine Bestseller-Autorin, die Aufritte in Talkshows und Frühstücksfernsehen gewohnt ist.

          Dort hat sie auch schon ihr jüngstes Buch „Das muss Liebe sein – 54 1/2 Pflegetipps für die glückliche Ehe“ vorgestellt. Es ist eine Mischung aus Ratgeber und Szenen aus ihrem Leben, ähnlich aufgebaut wie ihr erfolgreiches „Mami-Buch“, das 2008 herauskam. „Ich habe die harten wissenschaftlichen Fakten genommen, in meinem Umfeld den Realitätscheck gemacht und dann ganz viel Katja reingetan“, erläutert sie das Konzept. „Katja“, das war damals ihr Leben als junge Mutter, „Katja“, das ist in ihrem neuen Buch die Ehefrau eines vielbeschäftigten Mannes und Mutter von vier Kindern.

          „Ich sehe mich nicht als Ehe-Expertin“

          Kessler ist seit fast 15 Jahren verheiratet. In Zeiten, in denen fast jede zweite Ehe geschieden wird, dürfte man damit schon als Ehe-Expertin gelten. Sie winkt ab. „Ich sehe mich nicht als Ehe-Expertin, ich bin eher jemand, der an der Front ist. Im Moment trennen sich viele Paare in meinem Bekanntenkreis, und ich bin auf die Suche danach gegangen, was man in medizinischer oder psychologischer Hinsicht dagegen tun kann.“

          Wie es begann: Kessler und Kai Diekmann bei ihrer Trauung 2002

          Tatsächlich ist ihr Buch, das im typischen Katja-Kessler-Stil locker und pointenreich geschrieben ist, mit erstaunlich vielen Fakten gespickt. Kessler redet sich schnell warm, wenn es zum Beispiel darum geht, welchen Hormonstatus frisch Verliebte haben. Der sei so hoch wie bei einem Zwangsgestörten, „jemandem, der sich dreißig Mal die Hände wäscht. Das tröstet vor allem Frauen, die nach einer Trennung denken: Bin ich eigentlich blind gewesen?“ Es geht in ihrem Buch darum, wie wichtig Männern Sex ist, wie viele Ehen durch Online-Portale entstehen und ob Liebesheiraten wirklich glücklicher sind als arrangierte Ehen. Aber es gibt auch Sätze wie diese: „Ich bin ehrlich: Verheiratet sein könnte wirklich toll sein, wenn da nicht mein Mann wäre.“

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