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Winterbesteigung des Manaslu : „Die größte Gefahr war der Schneefall“

  • -Aktualisiert am

Simone Moro 2011 auf dem Gasherbrum II.: „Im Winter teilt man teilt nichts mit anderen Expeditionen, muss die ganze Arbeit alleine machen.“ Bild: Foto privat

Der Bergsteiger Simone Moro wollte in diesem Winter auf den 8163 Meter hohen Manaslu steigen. Dann schneite es innerhalb von sechs Tagen sechs Meter. Ein Interview über die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt umzukehren.

          Herr Moro, sind Sie noch in Nepal?

          Nein, ich bin wieder in Italien.

          Das war ein kurzes Intermezzo im Himalaja. Sie wollten in diesem Winter auf den 8163 Meter hohen Manaslu steigen. Ihre Expedition nahm dann aber einen anderen Verlauf. Was ist passiert?

          Innerhalb von sechs Tagen hat es am Manaslu sechs Meter geschneit. Mit Schneeschuhen bin ich bis zur Hüfte im Schnee versunken. Wir hätten einen Monat gutes Wetter gebraucht, damit sich diese Schneemenge stabilisiert, um die Gefahr am Berg zu bannen. Doch das ist aussichtslos. Das schlechte Wetter in Nepal hält an. Es war also die richtige Entscheidung, die Expedition abzubrechen. In diesem Winter ist im Himalaja nicht das richtige Wetter für so eine Expedition. Solche Jahre gibt es. In Österreich und Bayern gab es ja auch besonders viel Schnee.

          Sie waren mit Zelten unterwegs.

          Wir wussten nicht, wohin mit dem Schnee. Das ging so weit, dass Pemba und ich unsere kleinen Kuppelzelte aufgegeben haben und ins Küchenzelt gezogen sind, damit wir nur noch das große Zelt und das kleine Zelt unseres Kochs und des Küchenjungen ständig vom Schnee befreien mussten. Wir haben uns abgewechselt. Tag und Nacht hat immer einer geschaufelt. Hätte einer verschlafen und nicht geschaufelt, hätte das wirklich gefährlich werden können. Bei solchen Mengen passiert es schnell, dass der Schnee das Zelt zusammendrückt und man darunter begraben liegt. Die größte Gefahr für uns ging nicht von Lawinen aus, wir hatten nämlich einen ziemlich sicheren Platz auf einer Kuppe, sondern vom Schnee, der vom Himmel fiel.

          Simone Moro (51) aus Bergamo ist der erfolgreichste Winter-Höhenbergsteiger.

          Schon vor vier Jahren sind Sie vom Manaslu unverrichteter Dinge abgereist, weil es zu viel Schnee gab.

          In der Region um den Manaslu gibt es einfach viel Niederschlag. 2015 sind wir nach den ersten heftigen Schneefällen in die Everest-Region gereist, weil wir hofften, am Manaslu später eine Chance zu bekommen. Das war aber nicht so. Daraus habe ich in diesem Jahr gelernt. Es war die richtige Entscheidung, wie die neuerlichen Schneefälle zeigen.

          Die Erwartungen an Sie sind groß. Immerhin haben Sie vier Wintererstbesteigungen von Achttausendern vorzuweisen.

          Auch wenn mich manche den Wintermaestro nennen, bin ich nicht traurig, dass die Expedition zu Ende ist. Zum erfolgreichen Höhenbergsteigen gehört auch, dass man die Fähigkeit hat, zum richtigen Zeitpunkt umzukehren. Von den Freunden, die ich in den Bergen verloren habe, ist die Hälfte zu spät umgekehrt. Deshalb ist es mir auch egal, was die Leute jetzt denken oder posten.

          Was ist eigentlich im Winter anders an Achttausendern?

          Man ist ganz alleine am Berg unterwegs. Man teilt nichts mit anderen Expeditionen, muss die ganze Arbeit alleine machen. Auch der Zustieg zum Berg ist kompliziert, weil man keine Träger findet, die einem helfen, die Ausrüstung ins Basislager zu bringen. Und natürlich ist es kälter und viel stürmischer als im Sommer. Man kann nicht warten, bis man schönes Wetter hat. Man muss auch bei nicht so schönem Wetter raus.

          Als letzte große Herausforderung gilt der K2. Niemand hat es bisher im Winter auf den Gipfel des zweithöchsten Berges geschafft, der schon im Sommer als besonders schwierig und gefährlich gilt. Sie haben kein Interesse daran?

          Derzeit sind zwei starke Expeditionen dort, eine unter der Leitung des Kasachen Vassiliy Pivtsov und die Expedition des Basken Alex Txikon. Schade ist, dass die beiden nicht zusammenarbeiten, wie Txikon das angeboten hat. Dann wäre für sie vieles leichter. Aber der alte sowjetische Stil des Bergsteigens ist: Entweder wir schaffen es alleine oder eben nicht. Ich hoffe, dass sie deshalb nicht in einen Wettbewerb miteinander treten. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn es in diesem Winter jemand ganz hinauf schafft. Andernfalls werden die Rufe wieder laut, ich solle es versuchen. Für den nächsten Winter habe ich aber schon andere Pläne.

          Die Sie uns aber nicht verraten.

          Ganz richtig.

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