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Bergsteiger Norman Dyhrenfurth : Abenteuerlust ist etwas anderes

  • -Aktualisiert am

Dyhrenfurth stieg bis auf 8700 Meter

So sollte es kommen. Am 1. Mai 1963 hisste Jim Whittacker auf dem Gipfel des Mount Everest jene amerikanische Flagge, die vorher auf dem Kapitol geweht hatte. Dyhrenfurth selbst war an diesem Tag mit dem Sherpa Ang Dawa bis auf fast 8700 Meter aufgestiegen. Dieser Aufstieg sei das Highlight seines Bergsteigerlebens, sagt Dyhrenfurth. Der Höhepunkt, der höchste Punkt. Ob sie die letzten 150 Höhenmeter bis zum Gipfel nicht auch noch hätten schaffen können? „Der Preis erschien mir zu hoch. Am Gipfel wäre uns der Sauerstoff ausgegangen und der Tod durch Atemnot und Erschöpfung wäre nur eine Frage der Zeit gewesen“, sagt Dyhrenfurth, der zunächst davon ausgegangen war, höchstens auf den Südsattel zu klettern. Doch weil der zweite Kameramann, der eigentlich dafür vorgesehen war, ausfiel, stieg Dyhrenfurth selbst mit seiner schweren Kameraausrüstung auf, um bewegte Bilder mit nach Hause zu bringen. Daraus machte er einen spektakulären Film. Die National Geographic Society eröffnete ihr Fernsehprogramm 1965 mit Dyhrenfurths „Americans on Everest“.



Die Expedition hatte ihr Ziel erreicht. Das erste Ziel. Denn da war ja noch Norman Dyhrenfurths Idee der Überschreitung. Schon bei seinem ersten Besuch bei Tom Hornbein in San Diego hatte Dyhrenfurth über diesen Traum gesprochen. Hornbein war zunächst zurückhaltend. Aber er trug die Idee weiter mit sich herum. Und wie Hornbein kürzlich sagte, war er gemeinsam mit Willi Unsoeld und Dick Emerson mehr und mehr davon überzeugt, man solle versuchen, über den Westgrat auf den Berg zu steigen, dort oben auf eine andere Seilschaft zu treffen, die über den Südsattel heraufgekommen war und mit ihnen auf dieser Route abzusteigen.

So sollte es kommen. Am 22. Mai 1963 gelang Tom Hornbein, der heute in Colorado lebt und mit seinen 82 Jahren noch immer in höheren Schwierigkeitsgraden klettert, mit Willi Unsoeld, der 1979 in einer Lawine am Mount Rainier ums Leben kam, das schier Unmögliche. Sie erreichten den Gipfel des Mount Everest auf einer neuen Route. Über den Westgrat waren sie gekommen, in die Nordwand abgezweigt und durch eine steile Rinne, die in Erinnerung an den Routenfinder heute Hornbein-Couloir heißt, weiter Richtung Gipfel aufgestiegen, auf dem sie gegen 18.15 Uhr standen. Dann stiegen sie über den Südsattel ab - es war die erste Überschreitung des höchsten Berges der Welt.

Nachfrage bei Elizabeth Hawley in Katmandu. 89 Jahre ist die Chronistin des Himalaya-Bergsteigens mittlerweile alt. Sie telegrafierte als erste die Überschreitung des Everest durch die amerikanische Expedition zu ihrer Redaktion. „Sie haben etwas vollkommen Wahnwitziges gemacht“, sagt sie. Für die immer kühl und distanziert wirkende Hawley ist das mehr als ein großes Lob. Nur 18 Bergsteigern ist es bislang gelungen, den Everest durch diese Rinne zu besteigen, so sagt es Hawleys Statistik. Auch heute noch, bei besseren Voraussetzungen durch bessere Ausrüstung und bessere Wetterprognosen, ist dieses Couloir eine echte Herausforderung. Eine der großen Taten des Alpinismus nannte Reinhold Messner die Überschreitung des Everest durch die Amerikaner einmal.

Norman Dyhrenfurth hat ein neues Kapitel im Höhenbergsteigen aufgeschlagen. „Ein Wunschtraum, der Wirklichkeit wurde.“ So telegrafierte der Vater dem Sohn nach Nepal.

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