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Bergsteiger Norman Dyhrenfurth : Abenteuerlust ist etwas anderes

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In seinem Arbeitszimmer in Salzburg sitzt er wie der Archivar seines Lebens zwischen Büchern und Relikten einer vergangenen Zeit: seine Schneidemaschine mit Folie abgedeckt, damit sie nicht verstaubt, daneben das Matterhorn in Öl, der Dalai Lama auf Fotopapier, der Vater in Bronze. Im Regal liegen die Medaillen des Prix Olympique d’Alpinisme, die seine Eltern 1936 vom Internationalen Olympischen Komitee verliehen bekamen. Daneben die Hubbard-Medaille, die Präsident John F. Kennedy ihm und den Expeditionsmitgliedern zum Erfolg am Everest überreichte.

Der Mount Everest: Seit Jahrzehnten zieht der höchste Berg der Welt die Menschen magisch an.
Der Mount Everest: Seit Jahrzehnten zieht der höchste Berg der Welt die Menschen magisch an. : Bild: REUTERS

Immer wieder die Everest-Expedition. Sie war aus der Not geboren. Dyhrenfurth stand Anfang der Sechziger nämlich ohne Arbeit da. Die Leitung der UCLA Film School hatte er schon 1952 zurückgegeben, nachdem er vom Everest zurück war. Er hatte auf die finanzielle Sicherheit eines Professors verzichtet, um in die Berge zu gehen und darüber Filme zu machen, die bei den großen Festivals gezeigt und ausgezeichnet wurden. Während er am Dhaulagiri war, wurde er bei seiner Fernsehshow „Expedition!“ von einem Tiefseetaucher als Moderator ersetzt. Andere Arbeit tat sich auch nicht auf. „Da entschloss ich mich, alles zu versuchen, um eine rein amerikanische Everest-Expedition zu organisieren.“ Der Everest war ein lang gehegter Traum. Norm Dyhrenfurth inserierte in den Magazinen der amerikanischen Bergsteigervereine und bat um Bewerbungen. Weil er wusste, dass Amerikaner sich von ihren Frauen von so einer Expedition abhalten lassen würden, wollte er auch ihre Frauen treffen. Deshalb besuchte er jeden einzelnen Bewerber zu Hause. „Anscheinend habe ich ein Talent, Frauen amerikanischer Expeditionsteilnehmer davon zu überzeugen, ihre Männer freizugeben“, sagt Dyhrenfurth. Noch ein halbes Jahrhundert später freut er sich über das Geschick des Charmeurs von damals.

Mehr als zwei Jahre investierte er in die Vorbereitungen. Fast eine halbe Million Doller trug er zusammen. Den ersten Dollar, den er bekam, hat er noch heute. Er hängt in einem Rahmen rechts von der Eingangstür. 909 Träger waren nötig, um die 27 Tonnen Material und Ausrüstung ins Basislager zu schaffen. Es war die Zeit der übertrieben großen Expeditionen. Kein Vergleich zu heutigen Unternehmungen, die unter dem Stichwort „by fair means“ auf technische Unterstützung so weit wie möglich verzichten und die mit möglichst wenig Aufwand unterwegs sind.

Der Everest als Event? „Das ist verrückt.“

Es war ein Bergsteigen voller Leidenschaft. Die vermisst er bei den Massen, die sich auch in diesem Mai wieder am Mount Everest drängeln. „Das ist verrückt. 85000 Dollar zu bezahlen, um von Sherpas an Fix-Seilen so hoch wie möglich raufgezogen zu werden, das hat mit Bergsteigen nichts zu tun. Da ist keine Liebe für die Berge da“, sagt er bestimmt.

Vor der Kamera: Norman Dyhrenfurth im Februar in Berkeley.
Vor der Kamera: Norman Dyhrenfurth im Februar in Berkeley. : Bild: AP/dpa

Damals war an Massenaufläufe nicht zu denken. Da war das Höhenbergsteigen zwar ein Wettlauf der Nationen - die Engländer am Everest, die Deutschen am Kangchendzönga, die Italiener am K2. Aber es war die Passion Einzelner. Die höchsten Gipfel waren Niemandsland. Die Anmarschwege, die damals von den Pionieren ausgekundschaftet wurden, werden heute von Trekkinggruppen zuhauf begangen.

Nicht Abenteuerlust habe ihn getrieben, sagt Dyhrenfurth. „Das Wort in diesem Zusammenhang hasse ich. Diese Expeditionen waren kein Abenteuer. Da war immer alles sehr genau vorbereitet.“ Natürlich stößt die Planung in den Bergen an Grenzen. Sollte aber das Wetter passen und die Akklimatisation gut verlaufen, könne er sich vorstellen, dass einer am 1. Mai auf dem Gipfel stehe, notierte er Ende März in sein Tagebuch.

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