https://www.faz.net/-gum-7nwzz

Bergsteiger Andy Holzer : Ein Blinder will den Mount Everst bezwingen

  • -Aktualisiert am

Hier seilt er sich in Hamburg von einem Hochhaus ab: In wenigen Wochen will der blinde Bergsteiger Andy Holzer auf den höchsten Berg der Welt Bild: picture alliance / dpa

Andy Holzer ist seit 24 Jahren in den Bergen unterwegs und macht jährlich bis zu 200 Touren. Jetzt will er als zweiter Blinder den höchsten Berg der Erde besteigen. Die Route dafür hat er genau im Kopf.

          4 Min.

          Herr Holzer, der Mount Everest ist nicht nur der höchste Berg der Welt, er treibt auch viele zu Höchstleistungen an: Als erster Körperbehinderter war der Amerikaner Tom Whittaker 1998 oben, 2006 folgte der erste doppelt Beinamputierte, im vergangenen Jahr die erste beinamputierte Frau. Mit den Höchstleistungen wollen gar nicht so wenige ihre Eitelkeit befriedigen.

          Ich halte von Rekordstreben generell nichts. Auch nicht am Mount Everest. Das ist eine Spirale, die ad absurdum führt. Wenn der eine Rekord gebrochen wurde, dann macht sich gleich wieder der nächste daran, den neuen Rekord zu brechen. Da möchte ich nicht mitmachen.

          Aber dennoch wollen Sie im Mai den Gipfel des Mount Everest erreichen. Was treibt Sie an?

          Schon als Jugendlicher war der Everest ein großer Traum von mir. Seit 24 Jahren bin ich jetzt in den Bergen unterwegs. Doch noch vor zehn Jahren war nicht daran zu denken, diesen Traum zu verwirklichen, und auch vor fünf Jahren wäre das aussichtslos gewesen. Jetzt habe ich den Erfahrungsschatz, habe das logistische Wissen, und auch finanziell passt es jetzt. Die Chance, die ich jetzt spüre, will ich nutzen. Vor ein paar Tagen ist zwar Andreas Unterkreuter ausgefallen, der Berg-Partner, der mich so gut kennt, dass er an meinem Atem sagen kann, wie es mir geht. Er hat sich bei einer Skitour die Schulter luxiert. Aber mit Daniel Kopp und Wolfgang Klocker habe ich zwei Kollegen dabei, die im Stande sind, sich in großer Höhe mit mir wohlzufühlen und mir auch zur Hand zu gehen.

          Sollten Sie den Gipfel des Mount Everest erreichen, dann wären Sie nach dem Amerikaner Erik Weihenmayer der zweite Blinde auf dem Gipfel; der zweite Blinde, der die höchsten Gipfel der Kontinente bestiegen hat; und immer der erste blinde Europäer.

          Darum geht es mir nicht. Grundsätzlich, finde ich, hat jeder die Berechtigung, dorthin zu gehen, wohin er will. Eben auch auf Berge. Die Behinderung sagt nichts über das Nicht-Können am Berg. Es gibt Menschen, die ohne Beine in den oberen Schwierigkeitsgraden klettern. Und dann gibt es Menschen mit Beinen, Armen, Augenlicht, die sind am Berg die totalen Chaoten. Aber der Mount Everest ist eben nicht irgendein Berg. Er ist ein Berg, den man sehr ernst nehmen sollte.

          Dennoch werden sich jetzt viele denken: Wenn der Andy Holzer mit seinem Handicap dieses Ziel hat, dann werde ich das ja ohne Behinderung wohl auch schaffen können.

          Die Infrastruktur, die es dort gibt, verleitet zwar dazu zu meinen, der Berg sei leicht zu machen. Aber wer dorthin geht, sollte schon ein Bergsteiger sein, der viel Erfahrung hat, der weiß, wie man sich Steigeisen anzieht, der weiß, wie sich die Höhe anfühlt, der auf seine Partner achtet und auch die Sherpas respektiert.

          Aber diesen Anspruch, auf die Partner zu achten, kann doch nur erfüllen, wer für sich selbst sorgen und Verantwortung übernehmen kann.

          Das kann ich auch. Wer mich nicht kennt, meint zwar vielleicht, da komme wieder so ein Blinder, der sich und den anderen zu viel zumutet. Aber ich bin ein Blinder, der vergessen hat, dass er blind ist. Ich habe diese Expedition vorbereitet, habe mich um die Organisation und die Finanzierung gekümmert.

          Aber am Berg sind Sie auf die anderen angewiesen. Der eine schiebt, der andere zieht, oder wie muss man sich das vorstellen?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kündigt Sanktionen gegen die Türkei an: der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Stahlzölle steigen : Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

          Amerika hatte die Türkei mehrfach gewarnt, nun macht die Regierung ernst: Die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei sollen wegen der umstrittenen Militäroffensive Ankaras in Syrien auf 50 Prozent steigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.