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Berghütte in Italien : Der Name „Negerhütte“ verschwindet

Sonnenuntergang im Skigebiet Alta Badia Bild: Reuters

Auch in den Dolomiten werden Rassismus-Vorwürfe laut. Die Betreiber einer Berghütte reagieren auf eine in Deutschland gestartete Petition – andere sagen, die Deutschen sollten erst einmal aufhören, Italiener als Mafiosi zu bezeichnen.

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          Die Rassismus-Debatte erreicht auch abgelegene Täler in den Dolomiten – zum Beispiel den Ort Corvara in Badia, gelegen in gut 1500 Meter Höhe im Gadertal im ladinischsprachigen Teil Südtirols. Konkret geht es um eine wegen ihrer Küche und Atmosphäre gerühmte Berghütte auf 1800 Meter Höhe, die bei Skiläufern und Snowboardern auf der Piste „Pralongià 1“ des Skigebiets Alta Badia beliebt ist. Bis zum Wochenende trug die Hütte den italienisch-deutschen Doppelnamen „Capanna Nera – Negerhütte“.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Damit ist es nun vorbei. Die Besitzer und Betreiber werden das Namensschild mit der deutschen Bezeichnung abmontieren lassen und nennen ihre Hütte fortan nur noch „Capanna Nera“ (Schwarze Hütte). Um die beiden Holzschilder mit der Aufschrift „Negerhütte“ von der Giebel- und der Frontseite der Hütte zu entfernen, ist noch ein bisschen Zeit: Die Skihütte wird, sofern es die Schneeverhältnisse zulassen, erst am 5. Dezember wieder für die Wintersaison geöffnet. Von der Website der Betreiberfamilie ist der inkriminierte Name „Negerhütte“ aber schon verschwunden.

          Damit reagiert Familie Declara auf eine in Deutschland gestartete Petition, die binnen kurzem von mehr als 7000 Personen unterzeichnet wurde. Die Petition wurde unter anderen an den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella, den deutschen Außenminister Heiko Maas sowie an den Bürgermeister von Corvara, Robert Rottonara, geschickt. Gefordert wird außerdem, die Hütte schließen zu lassen, sollten die Eigentümer der Forderung nach Tilgung des Namens „Negerhütte“ nicht Folge leisten.

          „Mangels besseren Wissens“

          In einem Beitrag auf ihrer Facebook-Seite zeigt sich Familie Declara prinzipiell solidarisch mit der Bewegung gegen „diskriminierende Strukturen in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens“. Doch „mangels besseren Wissens“ sei auch ihre vor knapp 100 Jahren erbaute Berghütte ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Hinter dem Namen der Hütte stünden „keinerlei rassistische Beweggründe“, vielmehr rühre die Bezeichnung von dem schwarzen Karbolineum (Steinkohleteeröl) her, mit dem das Holz zum Schutz vor Wind und Wetter seit jeher gestrichen worden sei. Der Hüttenname komme von dem lateinischen Adjektiv „niger“ (schwarz) und stehe „in keiner Weise mit einer Bevölkerungsgruppe in Verbindung“. Die Familie spricht sich „deutlich gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung aus“ und versichert, „jeder Gast, egal welcher Herkunft, war schon immer und ist bei uns stets herzlich willkommen“.

          Die Reaktion der Familie auf die Petition fand im Gadertal, in Südtirol und in ganz Italien ein breites Echo – von enthusiastischem Beifall bis zu entsetzter Ablehnung. In der Kommentarspalte von „Südtirol News“ schreibt eine Anja zustimmend, es sei immer an der Zeit, die „vielen Fehler unserer Vorfahren“ zu überwinden, „sonst würden Frauen heute nicht wählen und wir würden auf jedem Dorfplatz Hexen verbrennen“. „Tantemitzi“ meint dort hingegen, die notorisch weltverbessernden Deutschen sollten erst einmal selbst aufhören, „Italiener als Spaghettifresser oder Mafiosi zu bezeichnen, denn auch dadurch kann man sich diskriminiert fühlen“.

          Der Bozener Sprachwissenschaftler Christian Kollmann, Sekretär der sezessionistischen Partei „Südtiroler Freiheit“, die sich für die „Heimkehr“ Südtirols nach Österreich einsetzt, bezeichnete die Namensänderung der Berghütte als „absurd“. Der Begriff „Neger“ sei „etymologisch betrachtet nicht wertend“, weil er eben von dem lateinischen Adjektiv „niger“ abstamme. Dieses Wort lebe in zahlreichen romanischen Sprachen fort, nicht zuletzt in der fassanischen Version des Ladinischen als „neigher“ (schwarz). Deshalb komme dieses lateinischstämmige Adjektiv in zahlreichen Eigen- und Flurnamen vor, so Kollmann: etwa für den Geländerücken Alter Niger in Tiers bei Bozen, nach welchem wiederum das nahe gelegene Nigertal, der Nigerpass und die ebenfalls in Tiers gelegene Nigerhütte benannt seien, gegen deren Namen bisher niemand protestiere. „Dass all diese Bezeichnungen in keinem Fall etwas mit Schwarzafrikanern zu tun haben, liegt auf der Hand“, sagt Kollmann. Nach der Logik der übergriffigen Sprachpolizisten aus Deutschland müsste man auch den Vornamen Moritz verbieten lassen, „weil dieser von Mauritius stammt, woraus sich auch unser Wort ,Mohr‘ ableitet“.

          Für die Betreiberfamilie der einstigen „Negerhütte“, die jetzt nur noch „Capanna Nera“ heißt, dürften diese sprachwissenschaftlichen Erwägungen von nachrangiger Relevanz sein. Zu ihrer Entscheidung gab es schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen keine Alternative, da in der Petition auch ein Boykott der Hütte angedroht worden war.

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