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Benedikt XVI. in Bayern : Papst warnt den Westen vor Scheitern im Dialog der Kulturen

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„Glauben durch Gewalt zu verbreiten, ist widersinnig” Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag in Regensburg zum Dialog der Kulturen aufgerufen, den Westen aber zugleich davor gewarnt, in diesem Dialog zu versagen. Gleichzeitig rief er zum Verzicht auf jede Gewalt im internationalen Zusammenleben auf.

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          Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag in Regensburg zum Dialog der Kulturen aufgerufen, den Westen aber zugleich davor gewarnt, in diesem Dialog zu versagen. Unfähig zum Dialog der Kulturen sei, wer einer Vernunft anhänge, die taub sei gegenüber dem Göttlichen und Religion in den Bereich der Subkulturen abdränge, sagte der Papst in einer Vorlesung in der Regensburger Universität.

          Der Westen sei seit langem von einer Abneigung gegen die grundlegenden Fragen seiner Vernunft bedroht „und kann damit nur einen großen Schaden erleiden“, sagte der Papst. Umkehr verspreche nicht eine schlichte Absage an die Größe der Vernunft, sondern „der Mut zur Weite der Vernunft“, die das Göttliche und Religiöse einschließe. Papst Benedikt rief gleichzeitig zum Verzicht auf jede Gewalt im internationalen Zusammenleben auf. In der Predigt während eines festlichen Gottesdienstes mit mehr als 200 000 Gläubigen ermutigte er die Christen, die „Vernunft Gottes“ ohne Angst zu leben. In der Universität sagte er später: „Glaubensverbreitung durch Gewalt ist widersinnig; denn nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider.“ (FAZ.NET dokumentiert die Rede des Papstes im Volltext: Dokumentation: Die umstrittene Rede des Papstes)

          Ökumene: „Keine Trennung zwischen uns“

          Am Abend während einer Ökumenischen Vesper im Dom forderte er zum gemeinsamen Zeugnis für Gott auf: „In der Zeit der multireligiösen Begegnungen sind wir leicht versucht, dieses zentrale Bekenntnis etwas abzuschwächen oder gar zu verstecken“, sagte der Papst. „In einer Welt voller Verwirrung müssen wir wieder Zeugnis geben von den Maßstäben, die Leben zu Leben machen.“

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          Benedikt XVI. in Bayern : Papst warnt den Westen vor Scheitern im Dialog der Kulturen

          Dies sei gemeinsame Aufgabe aller Glaubenden. „In dieser gemeinsamen Aufgabe gibt es keine Trennung zwischen uns“, sagte Benedikt. Auf ein konkretes Zeichen vor allem an die evangelischen Christen zur Annäherung der Konfessionen verzichtete der Papst.

          „Gott nicht überflüssig“

          In seiner Predigt während der Messe auf dem Islinger Feld bei Regensburg sagte der Papst: „Wir glauben an Gott - an Gott, den Ursprung und das Ziel menschlichen Lebens. An den Gott, der sich auf uns Menschen einläßt, der uns Herkunft und Zukunft ist. So ist Glaube immer zugleich Hoffnung, Gewißheit, daß wir Zukunft haben und daß wir nicht ins Leere fallen.“

          Die in der modernen Welt weit verbreiteten Einwände gegen den Glauben an Gott nahm der Papst auf, als er erklärte: „Seit der Aufklärung arbeitet wenigstens ein Teil der Wissenschaft emsig daran, eine Welterklärung zu finden, in der Gott überflüssig wird. Und so soll er auch für unser Leben überflüssig werden. Aber sooft man auch meinen konnte, man sei nahe daran, es geschafft zu haben - immer wieder zeigt sich: Das geht nicht auf.“

          Es gehe um die Frage: „Was steht am Anfang: die schöpferische Vernunft, der Geist, der alles wirkt und sich entfalten läßt, oder das Unvernünftige, das vernunftlos sonderbarerweise einen mathematisch geordneten Kosmos hervorbringt und auch den Menschen, seine Vernunft. Aber die wäre dann nur ein Zufall der Evolution und im letzten also doch auch etwas Unvernünftiges.“

          „Schöpferische Vernunft“

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