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Benedict Cumberbatch : „Oh dear, reduzieren Sie mich nicht darauf“

  • -Aktualisiert am

Sherlock Holmes hat Benedict Cumberbatch zum Star gemacht. Bild: AP

Schauspieler Benedict Cumberbatch ist der gefragteste Brite in Hollywood. Im Interview spricht er über seine hohen Wangenknochen, Sherlock Holmes, Drachen, Elternliebe und rote Teppiche.

          Ein Luxushotel in Berlin. Vor der Drehtür warten Mädchen auf Orlando Bloom, der in den „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Filmen den Elfenprinzen Legolas spielt. Sie haben anscheinend noch nicht mitbekommen, dass Benedict Cumberbatch inzwischen der gefragteste Brite in Hollywood ist. Seine weiblichen Fans verehren ihn nicht nur für seine Rolle als arroganter, blitzgescheiter Sherlock Holmes und nennen sich „Cumberbitches“. Das britische „Times Magazine“ nennt ihn den besten Schauspieler seiner Generation, in Amerika ist er auf dem Weg zum A-List Star. Er wird wohl echt bankable: ein Name, für den Zuschauer ganz gezielt ein Kinoticket kaufen.

          Auf einem Rokokostühlchen sitzt im dunklen Maßanzug Benedict Timothy Carlton Cumberbatch. Blütenweißes Hemd, glänzende Lederschuhe, ein Hauch von Guerlain Vetiver in der Luft. Seine markanten Gesichtszüge sind irritierend eindrucksvoll, von allem hat er ein bisschen zu viel: Kopf, Wangen, Stirn, Augenbrauen, Lippen. Kombiniert mit weit auseinanderliegenden blaugrünen Augen, denen ein eigener Blog gewidmet ist: „The Eyes of Benedict Cumberbatch“. Erst mal macht er einem Ruf als britischer Gentleman keine Ehre. Er tippt auf seinem Smartphone, nimmt einen Schluck Cola direkt aus der Flasche, bleibt zur Begrüßung sitzen.

          Mister Cumberbatch, warum so schlapp?

          Im Speziellen kämpfe ich gegen einen Kater, im Allgemeinen gegen Endjahresmüdigkeit. Gestern ging’s einfach zu lang. Auf der „Hobbit“-Premiere traf ich auf meinen Kollegen und Kumpel Martin Freeman. Er spielt den Bilbo Beutlin und in „Sherlock“ meinen Assistenten Dr. Watson.

          Der Brite „on camera“: Benedict Cumberbatch weiß, dass er mit seinem Gesicht Wirkung erzielt.

          Das ist die Serie, die Sie vor drei Jahren in Großbritannien und dann unfassbar schnell in Amerika zum Star gemacht hat, richtig?

          Kann man wohl so sagen.

          Wie erklären Sie sich das?

          An der immer noch währenden Faszination von Sir Arthur Conan Doyles Detektiv? Und dass die Serienmacher ihn modernisiert und ins Jetzt geholt haben.

          Für den geschmackvollen dunkelgrauen Wollmantel, den Sie als Sherlock tragen, gab es gleich nach der ersten Folge eine Warteliste...

          Tja, Sherlock ist nicht nur schlau, er hat auch Stil. Und trägt britische Labels. In Hollywood hat mich diese Rolle auf die Agenda der Regisseure katapultiert. Die Amerikaner sind verrückt nach Serien, nach ihren eigenen. Aber die Leute aus der Industry beobachten natürlich auch den britischen Markt. Sherlock habe ich auch meine Rolle in Steven Spielbergs „Gefährten“ zu verdanken. Danach jagte ein Dreh den nächsten. Ich finde es selber irre, wie viel ich in den letzten drei Jahren gearbeitet habe.

          Wenn Cumberbatch so schnell Text lernt, wie er spricht, erklärt das vielleicht sein Arbeitspensum. Der Siebenunddreißigjährige war im „Star-Trek“-Epos dieses Jahres der Bösewicht Khan, gab mit weißen Haaren und australischem Akzent Julian Assange in „Inside Wikileaks“, im Sklavendrama „12 Years a Slave“ spielt er einen Plantagenbesitzer, und Anfang nächsten Jahres ist er in „August: Osage County“ an der Seite von Meryl Streep und Julia Roberts zu sehen. Alles sehr unterschiedliche Rollen, alle sehr präzise gespielt. Obwohl Cumberbatch so markante Gesichtszüge hat, verschwindet er hinter seinen Charakteren. In „Der Hobbit - Smaugs Einöde“, der am Donnerstag angelaufen ist, verschwindet er als Schauspieler leider gänzlich, da er als animierter Drache präsent ist. Wer Cumberbatchs tiefe Wahnsinnsstimme erleben möchte, sollte den Film im Original anschauen.

          Inzwischen ist Cumberbatchs Gesicht auch in Hollywood aufgefallen.

          Nun machen Sie Pressearbeit für einen Drachen. Wie schwer fällt Ihnen das?

          Gar nicht. Aus diversen Gründen. „Der kleine Hobbit“ war das erste Buch, das mein Vater mir als Junge vorgelesen hat. Es löst bei mir immer noch nostalgische Gefühle aus. Als ich zum Casting eingeladen wurde, war noch nicht ganz klar, welche Rolle ich spielen würde. Das war mir aber egal, denn ich wollte unbedingt dabei sein.

          Mit Ihren Gesichtszügen hätten Sie doch prima einen Elf spielen können, oder?

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