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BeileidsApp-Erfinder : „Schreiben, was man fühlt“

  • Aktualisiert am

Die „BeileidsApp“ von Sascha Bovensmann Bild: Hersteller

Der Bestatter Sascha Bovensmann aus dem westfälischen Schwerte hat eine App entworfen, die Tipps zum richtigen Kondolieren gibt. Im Interview spricht er über die Idee dahinter.

          2 Min.

          Brauchen die Deutschen ein Computer-Programm, um ihr Beileid auszudrücken?

          Bestattungskultur muss in jeder Generation neu gelernt werden. Das kriegt man ja nicht einfach so in die Wiege gelegt, sondern das muss man erfahren. Und das Thema Tod und Bestattung wird in unserer Gesellschaft leider weitgehend verdrängt. Kinder werden oft nicht mehr auf Beerdigungen mitgenommen. Wie sollen sie es dann aber lernen? Insbesondere der jungen Generation kann die App daher helfen, richtig Beileid auszusprechen.

          Wie entstand die Idee zur App?

          Als Bestattermeister habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Schwierigkeiten damit haben, pietätvoll ihr Beileid auszudrücken. Freunde und Bekannte haben mich oft um Hilfe gebeten. Dann habe ich im persönlichen Gespräch vermittelt, worauf sie achten müssen. Und irgendwann hat sich daraus die Idee einer App entwickelt.

          Gibt es denn ein Patentrezept für richtiges Kondolieren?

          Nein, das kann es nicht geben. Mit unserer App wollen wir auch bloß Hilfestellungen geben. Jeder soll und muss schreiben, was er denkt und fühlt. Unsere Ziel ist schon erfüllt, wenn wir helfen können, dabei Hemmschwellen abzubauen.

          Bestattermeister Sascha Bovensmann präsentiert seine „BeileidsApp“ auf dem Deutschen Bestatter-Kongress.
          Bestattermeister Sascha Bovensmann präsentiert seine „BeileidsApp“ auf dem Deutschen Bestatter-Kongress. : Bild: Privat

          Die App enthält einen Assistenten, der vorgefertigte Beileidsschreiben erstellt – angepasst jeweils an das Verhältnis zum Verstorbenen. Wenn ein Klassenkamerad stirbt, empfiehlt die App den Satz „Ohne seine Hilfe hätte ich in Mathe letztes Jahr die 4 nicht geschafft“.

          Das ist natürlich nur ein Beispiel. Über den Assistenten haben wir lange diskutiert. Der Nutzer kann und soll den Text dann auch noch anpassen.

          Das Schreiben kann dann direkt per E-Mail verschickt werden. Aber ist das fürs Kondolieren das richtige Medium?

          Heutzutage wird alles technischer, die Leute nutzen es ja. Daher haben wir uns dazu entschieden, ihnen diese Möglichkeit zu geben. Aber natürlich würde ich immer das persönliche Gespräch, eine Kondolenzkarte oder einen Kondolenzbrief vorziehen.

          Beileids-App, QR-Codes auf Grabsteinen und Online-Gedenkportale – die Bestattungsbranche ist ganz schön modern geworden. Wie hat sich Trauer durch das Internet verändert?

          Portale, in denen man virtuelle Kerzen für den Verstorbenen entzünden kann, gab es vorher natürlich nicht. Aber unseren Ratgeber hätte man mit Ausnahme des Assistenten auch früher schon in schriftlicher Form herausbringen können. Aber wie sich die Gesellschaft wandelt, wandelt sich auch die Bestattungs- und Trauerkultur.

          Wohin geht denn der Trend im Bestattungswesen?

          Zunehmend sind Feuerbestattungen beliebt. Als ich vor 15 Jahren angefangen habe, waren drei Viertel aller Beerdigungen Erdbestattungen. Das hat sich jetzt wirklich umgekehrt.

          Wenn jetzt kein großer Sarg mehr gekauft wird, leidet darunter aber doch der Bestatter.

          So groß sind die Unterschiede eigentlich gar nicht. Es wird eine Urne ausgewählt und man hat eine zusätzliche Überführungsfahrt zum Krematorium. Erst hinterher bei der Grabstelle fallen dann natürlich geringere Kosten an.

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