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Beerdigung des Prinzen : Leidenschaftlich Lippe

Armin Prinz zur Lippe im Jahr 2012 Bild: SEEGER

Es ist ein Einschnitt in den deutschen Hochadel: Hunderte nehmen in Detmold Abschied von Armin Prinz zur Lippe, dem letzten Sohn eines deutschen Fürsten, der noch Regierungsverantwortung hatte.

          4 Min.

          Das alte Reich versammelt sich am Montag in der Detmolder Christuskirche. Herzog Friedrich von Württemberg ist da, der Landgraf von Hessen, der Fürst von Hohenzollern, der Prinz zu Schleswig-Holstein, der Herzog von Oldenburg, Fürst Reuss, Fürst zu Schaumburg-Lippe und viele andere. Sie erweisen Armin Prinz zur Lippe die letzte Ehre.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Der Prinz war am 20. August gestorben, zwei Tage nach seinem 91. Geburtstag. Sein Tod ist ein Einschnitt für den deutschen Hochadel. Armin war der Sohn von Fürst Leopold IV. und damit der letzte Sohn eines deutschen Fürsten, der noch Regierungsverantwortung hatte. Die Lipper sind ein Adelsgeschlecht von europäischer Bedeutung. Armins 2004 gestorbener Cousin ist der Großvater von Willem-Alexander, dem König der Niederlande. Aber wie das so ist im Haus Lippe: Viel Aufhebens machte Prinz Armin darum nie. Bescheidenheit empfand er als schönste Pflicht der Lipper. Glamour und die Regenbogenpresse waren ihm ein Greuel.

          Der Fürst regierte 13 Jahre lang

          Nun steht sein schlichter Sarg, umhüllt von der Fahne mit dem großen Wappen des fürstlichen Hauses Lippe, unter der Kanzel der neogotischen Christuskirche. Zu Beginn der Regierungszeit seines Vaters war das Gotteshaus gebaut worden. Zwei Generationen, zwei lange Leben genügen, um den Blick weit und tief in eine längst vergangen geglaubte Zeit zu lenken. Armins Vater Leopold hatte die Regierung in Detmold 1905 als Fürst Leopold IV. nach einem langen Thronfolgestreit übernommen, der in ganz Europa aufmerksam verfolgt wurde. Nach dem Tod von Fürst Woldemar 1895 war die Hauptlinie des Hauses beinahe ausgestorben. Zwar lebte noch Prinz Alexander, doch er war 1870 wegen Verschwendung und später wegen Geisteskrankheit entmündigt worden und seit 1872 in einer Heilanstalt untergebracht. Fürst Woldemar hatte deshalb 1886 mit einer Nebenlinie, den in Bückeburg regierenden Fürsten zu Schaumburg-Lippe, einen Geheimvertrag geschlossen, um Adolf zu Schaumburg-Lippe zu seinem Nachfolger zu machen. Doch 1897 erkannte ein Schiedsgericht das Erbfolgerecht der Linie Lippe-Biesterfeld an. 1905 wurde es durch eine Entscheidung des Reichsgerichts in Leipzig endgültig anerkannt. Kaiser Wilhelm II., der gerne seinen Schwager Adolf zu Schaumburg-Lippe als Fürst in Detmold gesehen hätte, war darüber so verärgert, dass er der Inthronisierung von Fürst Leopold IV. in Detmold fern blieb.

          Der Fürst regierte 13 Jahre lang; im November 1918 drängte ihn der lippische Volks- und Soldatenrat zum Thronverzicht. Er war überzeugt davon, dass er selbst nicht den geringsten Anlass für eine Revolution gegeben habe und empfand es als höchst ungerecht, trotzdem von der Zeit überrollt zu werden. Aus dem Fürstentum wurde nach beinahe 800 Jahren ununterbrochener lippischer Erbfolge ein demokratischer Freistaat, an den das Haus Lippe durch den Dominalvertrag weite Teile seines Vermögens verlor. Auch das landesherrliche Kirchenregiment endete 1918, Leopold IV. fühlte sich wie seine Vorfahren weiterhin als das eigentliche Oberhaupt der Lippischen Landeskirche.

          Jeden Makel vom Haus fernhalten

          Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten war die Gleichschaltung Lippes schon nach wenigen Monaten abgeschlossen. Leopold aber blieb auf Abstand, so wie „seine“ Kirche. Die Lippische Landeskirche zählte zu den sogenannten intakten Kirchen, die nicht von den „Deutschen Christen“ beherrscht wurden. Weil alle seine drei Söhne aus erster Ehe sich mit den Nationalsozialisten eingelassen hatten, änderte Leopold testamentarisch die Erbfolge, um jeden Makel vom Haus fernzuhalten. Er bestimmte, dass Armin, sein Jüngster, ihm nachfolgen solle. Als das Ende 1949 geschah, hatte Lippe längst aufgehört, als Staat zu existieren: Im Januar 1947 war Lippe als dritter Teil dem von den britischen Besatzern gegründeten Nordrhein-Westfalen beigetreten. Die lippische Rose im Wappen erinnert an die große Geschichte des kleinen Lipperlands.

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