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„Bauer sucht Frau“ für Blaublütige : Adlig, ledig, peinlich

  • -Aktualisiert am

Schon länger auf der Jagd ist Konstantin von zur Mühlen, Unternehmer aus Hamburg Bild:

Sanierung per Kuppelshow: Vier Junggesellen mit Prädikat suchen die passende Ehefrau im Fernsehen. Das trägt ihnen allerdings schon vor der ersten Ausstrahlung eine Menge Ärger ein.

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          Ja, so ist das nun einmal: Besitz schafft Last. Das weiß man auf den Gütern und Herrensitzen in Schleswig-Holstein ganz genau. Vorbei die Zeiten, als das Feiern zwischen Plöner See und Geltinger Bucht kein Ende fand, man im Herbst von einer Treibjagd zur nächsten pilgerte, Schnepfen in Schottland schoss oder zur Rotwild-Brunft nach Ungarn reiste, während die Damen daheim in Literaturzirkeln Isabel Allende diskutierten. Längst lautet das Gebot der Stunde, Einfälle zu generieren, wie der Familienbesitz in diesen Zeiten zusammenzuhalten ist, will man nicht hinter dicken Mauern frieren und am Hungertuch nagen.

          So vermietet der eine Gutsherr die Salons seines klassizistischen Anwesens für Empfänge des örtlichen Autohändlers, der andere rodet saure Wiesen, um Weihnachtsbaum-Plantagen in großem Stil anzubauen, und der dritte zieht - Denkmalschutz, bitte wegschauen! - Wände in die Etagen seiner Gruselburg ein, um Feriengäste aufzunehmen. Vor allem Städter finden das historische Ambiente zumeist „richtig geil“ und nehmen dafür in Kauf, dass aus der Dusche nur lauwarmes Wasser tröpfelt.

          Der Adel geht auf Brautschau

          Vier Standesgenossen (“Stagenos“) haben nun allerdings eine ganz neuartige, vielversprechende Einkommensquelle aufgetan: Sie werden demnächst als Hauptdarsteller auftreten in einer Kuppelshow des Privatsenders Sat 1, Titel: „Gräfin gesucht - Adel auf Brautschau“. Bemerkenswert. Bislang nämlich übte der Großgrundbesitz hierzulande strikte Zurückhaltung Medien gegenüber. Das traf auch für Moritz Graf zu Reventlow zu, Land- und Betriebswirt auf Wulfshagen, einem malerischen Gut zwischen Eichen und Knicks vor den Toren Kiels. Seine Auftritte beschränkten sich auf örtliche Medien wie die „Kieler Nachrichten“, denen er kürzlich erst seine sparsame Hackschnitzel-Heizanlage vorführte, oder einen Wildschutzzaun, der sein Damwild davon abhalten soll, unnötigerweise die stark befahrene Bundesstraße 76 zu betreten.

          Für ein „naturverbundenes Mädel” ist noch Platz an der Seite von Benedikt von Hobe
          Für ein „naturverbundenes Mädel” ist noch Platz an der Seite von Benedikt von Hobe : Bild: Sat1/MME

          Mit dem, was Graf Moritz jetzt vor der Kamera preisgibt, hat er allerdings hinsichtlich medialer Präsenz jede Berührungsangst hinter sich gelassen, ja geradezu einen Quantensprung vollzogen. Der vom Sender als „attraktiver Gutsherr“ Angepriesene lässt ein Millionenpublikum tief in sein Herz blicken. „Zum perfekten Glück auf seinem herrschaftlichen Anwesen“, heißt es in dem Trailer für die Sendung auf der Internetseite der Kuppelshow, fehle „Graf R.“ noch die Frau „mit Persönlichkeit und Humor“. Dabei schwenkt die Kamera über weitläufige Hofgebäude mit Ententeich, über die Fassade des zweistöckigen Gutshauses in strahlendem Weiß, über die schweinsledergebundenen Schwarten in der Bibliothek sowie über die üblichen Familienporträts im Salon, die in dieser Ecke Deutschlands zuverlässig als dänische Kammerherren zu identifizieren sind.

          Warum muss dieser sympathische Mann sein Butterbrot allein schmieren?

          En passant ist zu erfahren, dass der siebenunddreißigjährige Hausherr „morgens mal für anderthalb Stunden ins Büro“ geht, was ausreichend Spielraum lässt für trainingsintensive Sportarten wie „Golf spielen oder segeln“. Schon fährt die Kutsche vor, und der Mann auf dem Bock lüftet den Hut zum Gruß. Graf Reventlow zur Seite stehen von ihm gecastete weitere drei Herren, die Sat 1 zwecks besserer Unterscheidung charakterisiert als „der humorvolle Romantiker“, „der charismatische Unternehmer“ und „der gesellige Familienmensch“ - was ähnlich unwiderstehlich klingt wie „Vorsprung durch Technik“ oder „Come in and find out“.

          „Mein Name ist Benedikt, ich bin 47 Jahre alt, und ich suche ein Mädel, das genauso naturverbunden ist wie ich.“ Herrn von Hobes handliches Gutshaus in Düttebüll mit dem tiefgezogenen Dach strahlt so viel Atmosphäre aus, dass man sich fragt, wie es geschehen konnte, dass dieser sympathische Mann am Mahagoni-Esstisch sein Butterbrot allein schmieren muss. Zumal der „Romantiker“ im Grunde an der Quelle sitzt: Jahraus, jahrein veranstaltet er zwischen Weihnachten und Neujahr in Eutin den reizend anachronistischen „Knospenball“, der sich als bewährter Treffpunkt zur Ausschau von guten Partien einen Namen gemacht hat.

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