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Surfen mit Hund : Brettgefährten

  • -Aktualisiert am

Mit allen Wassern gewaschen: Der Terrier Al, mit roter Rettungsweste ausgerüstet, weiß genau, wie er mit Bastien Desvergnes die Kurve kriegt. Bild: Florian Schuh

Auf gleicher Welle: Bastien Desvergnes geht am liebsten in Biarritz surfen. Und am liebsten zu zweit: mit seinem Hund namens Al.

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          Al will los. Und zwar sofort. Nichts könnte jetzt wichtiger sein, als aufs Brett zu springen und die Welle entlangzufahren. Da geht es ihm wie Hunderten in Biarritz. Es ist Sonntagmorgen in dem französischen Strandbad, freundliche Wellen sind angesagt und ablandiger Wind, die Sonne scheint. In fast jedem Haus schnappt sich gerade mindestens ein Surfer sein Brett und eilt zum Spot, um keine Welle ungenutzt zu lassen. Jeder will der Erste sein, solange man sich im Line-up nicht drängen muss.

          Aber Al hat nicht wie alle anderen den Wellenreport gecheckt, die Webcams angeschaut und noch schnell eine Wir-treffen-uns-im-Wasser-SMS geschickt. Er kann kein Surfbrett tragen, nicht aufs Meer hinauspaddeln, auch nicht selbst Kurven fahren. Al ist ganz auf seinen Besitzer angewiesen - er ist ein Hund, ein Hund mit Spaß am Wellen reiten.

          Surfen gehört in Biarritz zum Lebensstil

          Jetzt kommt er so schnell die Wendeltreppe herabgeflitzt, dass ihm fast die Beine wegknicken. Im typisch baskischen Innenhof, zwischen Fassaden mit rostroten Fensterläden und voller Hortensien, belädt sein Besitzer Bastien Desvergnes die mattschwarze Vespa. Das Standup-Paddleboard steckt er seitlich in Halterungen. Der elf Jahre alte Terrier bekommt eine Rennfahrerbrille vor die Augen, die vor dem Fahrtwind schützt. In die rote Rettungsweste, die Al schon anhat, steckt Bastien noch eine Gassitüte und einen Tennisball.

          „Allez, monte!“, ruft er dem Hund zu, schwingt sich in Shorts und Flipflops auf den Sitz, klappt den Ständer ein und kurvt hinaus in die engen Gässchen. Die Meeresbrise schlägt ihnen schon an der nächsten Ecke entgegen. Al streckt immer mal wieder verwegen den Kopf zur Seite hinaus. Es geht vorbei an Bäckereien, Konditoreien, Brasserien, Immobilien- und Surfshops. Sie begegnen Menschen mit großen Croissant- und Chocolatinetüten, die noch verschlafen in die Sonne blinzeln. Seinen ersten Ride, wenn auch auf Rädern, hat der Terrier schon hinter sich, als er unterhalb der Klippen an der Côte des Basques ankommt, dem weiten Surfstrand von Biarritz. In der einen Richtung wird er von der prägnanten Villa Belza begrenzt, einem kleinen Haus mit spitzen Türmchen auf einer Felsnase, in der anderen von gar nichts. Man kann so weit an der baskischen Küste entlangschauen, bis sie schon nicht mehr französisch, sondern spanisch ist.

          Terrier Al rutschte anfangs vom Brett

          Bastien Desvergnes kommt aus Bordeaux. Wie viele andere Wellenversessene zog er vor fast 20 Jahren nach Biarritz. Das ehemals mondäne Strandbad, das der Adel liebte, gilt als Wiege des europäischen Surfens. Seit den späten fünfziger Jahren reitet man hier Wellen. Der Sport ist tief in der Lebenswelt am Atlantik verankert, für viele hier gehört er zum Alltag, ist er die große Leidenschaft. Vor seinem vierzigsten Geburtstag hatte Bastien die Idee, sein Terrier könnte ihn bei den Surfsessions begleiten. Lust auf Wasser hatte auch er. Er war klein, agil, sportlich. Und Bastiens Board war groß. Wegen einer kaputten Bandscheibe musste er sich vom gewöhnlichen Surfen verabschieden, seither fährt er die Wellen mit einem Stand-up-Paddleboard. Darauf war Platz genug für Al.

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