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Surfen mit Hund : Brettgefährten

  • -Aktualisiert am
See-Hund: Der Terrier Al hat beim Surfen seinen Spaß.

Deshalb gibt es nun auch schon Neoprenanzüge für Hunde. Und wer am 13. September vergangenen Jahres 50 Kilometer nördlich von Biarritz trotz schlechten Wetters am Strand war, zweifelt nicht an deren Sinn. In Vieux-Boucau fanden zum zweiten Mal die europäischen Hundesurfmeisterschaften statt, für Mensch-Hund-Duos wie auch für Solosurfer auf vier Pfoten, organisiert vom Verein „Toutous Surfeurs“ (Wauwau-Surfer). Beim Vereinsnamen hat man sich an die „Tontons Surfeurs“ angelehnt, die Surf-Onkels - so nennt man die menschlichen Surfpioniere an der baskischen Küste. Die ersten Surfmeisterschaften für Hunde gab es natürlich in Kalifornien, schon vor zehn Jahren. Die Zahl der Wettbewerbe und der Teilnehmer wächst dort beständig. Auch Australien ist schon dabei.

Früh am Morgen fanden sich am Strand von Vieux-Boucau mehr als 50 Hunde mit ihren Besitzern ein. Die einen als Teilnehmer, andere aus Neugier. Manche wollten einfach herausfinden, ob ihr Hund Talent hat, schließlich waren eigens Hundetrainer gekommen. Es gab kleine Zelte für die Anmeldung, Tierärzte, Tier-Osteopathen und eine Hundesnackbar. Jeder Hund musste sich untersuchen lassen - sei es, um am Wettbewerb teilzunehmen, sei es um das Schnuppersurfen mitzumachen. Und jeder bekam eine Rettungsweste verpasst.

Surfen verbindet Hund und Herrchen

„Am wichtigsten ist, dass der Hund Spaß hat“, sagt Damien Médan, einer der beiden Tierärzte, die den Wettbewerb ins Leben riefen. „Wir wollten nicht, dass Leute nur zu ihrem eigenen Vergnügen mit dem Hund surfen“ - ein Verdacht, der naheliegt.

An Land: Jetzt kann Terrier Al wieder dem Tennisball nachjagen, wie der kleine Hund es zwischen den Surf-Session öfter einmal macht.

Damien und sein Kollege waren auf die Idee mit dem Wettbewerb gekommen, weil sie in Gesprächen immer wieder von Hunden auf Surfbrettern gehört hatten. Das verblüffte und interessierte sie. Und aus tierärztlicher Sicht sprach nichts dagegen. „Es ist gut für die Beziehung zu den Hunden“, sagt der 34 Jahre alte Tierarzt. „Man macht etwas mit ihnen. Man könnte natürlich auch Ball spielen, aber hier ist das Surfen tief in der Mentalität verwurzelt. Wenn man einen Hund hat, schafft das gemeinsame Surfen eine besondere Verbindung.“ 25 Hunde konnten am Ende das Surfen ausprobieren, die Warteliste war lang. Doch jeder Einzelne sollte gut betreut werden, und alle Ärzte, Trainer und Helfer arbeiteten ehrenamtlich.

Tierärztin attestiert positive Effekte

Wie etwa Manon François. Sie untersuchte die Hunde nach ihrem Ritt über die Wellen - horchte auf die Atmung, schaute sich die Schleimhäute an, nahm eine kurze osteopathische Untersuchung des Rückens vor. Sie massierte die Hunde, befreite Augen und Ohren von Sand. Die Fünfunddreißigjährige ist Tierärztin, Osteopathin und Physiotherapeutin. Sie ist davon überzeugt, dass Surfen für Hunde gesund ist: „Es trainiert die Haltungsmuskulatur und das Zusammenspiel all der kleinen Bewegungen.“ Im Grunde sei es ein Sport für alle Hunde, sogar für ältere. Nicht in großen Wellen natürlich - und nur, wenn das Tier seinen Spaß hat.

Auch Bastien und Al sind in Vieux-Boucau am Start. Küsschen hier, Küsschen da, alle kennen ihn oder haben zumindest von ihm und seinem surfenden Hund gehört. Den Sieg teilt sich der Titelverteidiger an diesem Tag mit Balou, dem Mischlingshund eines Surflehrers und einer Hundetrainerin. Dass den vierbeinigen Champions ihr Erfolg zu Kopf steigen könnte, ist nicht anzunehmen. Die Sponsoren stehen noch nicht Schlange, niemand bittet um Autogramme. Und die Gewinne werden in Naturalien ausgezahlt: Es gibt Hundefutter.

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