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Barbara Bush wird 90 : Die „Queen Mum“ der Amerikaner

Barbara Bush wird heute 90 Jahre alt. Hier fotografiert die Jubilarin ein Baseball-Spiel. Immer dabei: die Halskette aus Kunststoffperlen. Bild: AP

Barbara Bush, Oberhaupt des berühmten Bush-Clans, wird heute 90 Jahre alt. Die schrullige ehemalige First Lady hat ihren eigenen Kopf – und eigentlich keine Lust auf einen weiteren Bush als Präsidenten.

           „Barbara meint schon lange, sie führe die trubeligste Pension von ganz Maine“, sagte George Bush senior vor kurzem. Gar nicht so leicht falle es ihm und seiner Frau, zwischen all den Kindern und Kindeskindern auf dem neuenglischen Familiensitz zur Ruhe zu kommen, lamentierte der 41. Präsident der Vereinigten Staaten. Da war er gerade - wie jeden Mai - in Kennebunkport eingetroffen. Damit im Haupthaus auch mal Stille einkehrt, bekommt jetzt auch Sohn Jeb als letzter Bush seiner Generation ein eigenes Cottage auf dem Grundstück am Atlantik: vier Schlafzimmer, viereinhalb Bäder, großzügige Veranda. Jeb, der in gut anderthalb Jahren gern in die schon von seinem Vater und seinem älteren Bruder George W. bewohnte Residenz im Weißen Haus einzöge, kann dieser Tage den Fortgang der Bauarbeiten begutachten. Doch er bildet sich nicht ein, dass seine Meinung gefragt wäre. „Barbara hat alles bestimmt“, bestätigte die Architektin. „Frau Bush wollte es vor allem schlicht halten.“

          Chefin von „Maines trubeligster Pension“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Für ihre Kinder ist sie der „Silberfuchs“. Seit sie 2013 dekretierte, es habe genug Bushs im Weißen Haus gegeben, amüsiert das Verhältnis der Mutter zu ihrem zweitgeborenen Sohn die Nation. Natürlich hat sie ihre Position längst geräumt: Amerikas Probleme seien so massiv, verkündete die Matriarchin im Februar, dass der Nachname keine Rolle spielen dürfe. Also kann sich Jeb an diesem Montag frohen Mutes mit seiner Schwester Doro als Zeremonienmeister abwechseln, wenn in „Maines trubeligster Pension“ Mutters neunzigster Geburtstag gefeiert wird. Dabei werden die Kinder, Enkel und Urenkel den geringsten Rummel verursachen. Für 5000 bis 249 000 Dollar zugunsten der Barbara-Bush-Stiftung haben sich Weggefährten und Society-Größen einen Platz an der Festtafel erkauft. Zehn Millionen Dollar für den Kampf gegen Analphabetismus sollen so zusammengekommen sein.

          Als Ghostwriterin hat Barbara Bush 1992 die Erinnerungen ihres Hundes Millie ans Weiße Haus zu Papier gebracht. Ihrem Sohn Jeb hat sie nicht nur die Liebe zu Büchern, sondern zudem ihren trockenen Humor vererbt. Den brauchte Jeb auch, als er vor zwei Jahren die Talkshow guckte, in der seine Mutter ihr Machtwort sprach. Mit ihrer Schwiegertochter und First-Lady-Nachfolgerin Laura sowie deren Töchtern Jenna und Barbara hockte Barbara senior auf einem etwas zu schmalen Polstermöbel und verblüffte den Rest der Mädelsbande: Jeb sei zwar „bei weitem der am besten qualifizierte Mann“ für den Job des Präsidenten, solle sich aber nicht darum bewerben. Schließlich gebe es in Amerika „mehr als vier“ taugliche Familien. Die klare Ansage passte ebenso in das Bild, das sich die Amerikaner in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten von Barbara Bush gemacht hatten, wie die entwaffnende Kehrtwende knapp zwei Jahre später auf einer Spenden-Gala („Hey, ich habe meine Meinung geändert!“). Denn einerseits hatte Mutter Bush immer eine eigene Meinung, auch in politischen Fragen. So war sie im Gegensatz zu ihrem Mann der Ansicht, der Staat solle Frauen Abtreibungen nicht verbieten und müsse sich nicht vor Homosexuellen fürchten. Doch Mutter Bush hütete sich stets davor, den Männern ins politische Handwerk zu pfuschen. Von ihren direkten Vorgängerinnen hob sie sich also ab: Rosalynn Carter hatte einen Platz am Kabinettstisch beansprucht, und Nancy Reagan galt im Westflügel des Weißen Hauses als intrigante Präsidentenflüsterin.

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