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Obamas persönlicher Assistent : „Ich war sein Boxsack, sein Partyplaner – und am Ende sein Freund“

„Bloß nicht gewinnen lassen! Er ist extrem ehrgeizig“: Obama und Ex-College-Spieler Love 2009 beim Basketball Bild: The White House

Jahrelang hat Barack Obama mit niemandem mehr Zeit verbracht als mit Reggie Love, seinem persönlichen Assistenten. Im Gespräch erzählt Love die Geschichte ihrer ganz besonderen Beziehung – und verrät, was immer in der Wundertasche war.

          9 Min.

          Unser Treffen findet im „Hamilton“ statt, einem schicken Restaurant in Downtown D.C., einen Steinwurf vom Weißen Haus entfernt. Reggie Love - 34 Jahre, 195 Zentimeter - hängt die blaue Kappe der „Golden State Warriors“ aus Oakland an einen Haken und das Sakko daneben. Auf die Ärmel seines gestreiften Hemdes ist mit blauem Faden sein Nachname gestickt. Die Steaks sind im „Hamilton“ schön saftig, aber Love bestellt die rohen Filets von der Gelbschwanzmakrele in Sojasauce. Zwei Portionen, bitte!

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Was würden Sie hier für den Präsidenten besorgen, wenn Sie noch mit seiner Verpflegung beauftragt wären wie früher?

          Gute Frage. Wer weiß, welcher Diätgeschichte er gerade folgt. Wenn wir noch im Wahlkampf wären, dann würde ich wohl auf Nummer Sicher gehen und den Lachs nehmen.

          Vor ein paar Tagen war Obama ja in Bayern...

          Stimmt! War da nicht so ein G-Irgendwas?

          Ja, der G-7-Gipfel. Und da hat Obama etwas gegessen, das „Leberkäse“ heißt. Der Reporter der „Washington Post“ meldete skeptisch, der Präsident habe in „some kind of Schnitzel“ gebissen. Ob er das nur den Gastgebern zuliebe gemacht hat?

          Vorher weiß man ja nie, ob’s super schmeckt oder fies. Aber wenn du Präsident bist, dann lernst du alles kennen, was die fünfzig Bundesstaaten und das Ausland so zu bieten haben, das ist eine der tollen Sachen daran.

          Den Job, den Reggie Love in Obamas erstem Präsidentschaftswahlkampf und seinen ersten drei Jahren im Weißen Haus versah, nennen sie hier „body man“, eine robustere Spielart des Mädchens für alles. Die Aufgabe ist beschrieben worden als die eines „Vollzeit-Assistenten, der an seinen üblichen 18-Stunden-Arbeitstagen immer einen Schritt hinter dem Kandidaten zurückbleiben, aber drei Schritte vorausdenken muss“ - „halb Butler, halb Kumpel“, so die „New York Times“. Es ist ein Job, der Diskretion und Loyalität verlangt. Ein enger Assistent von John Edwards, einst wie Obama Präsidentschaftskandidat der Demokraten, gab sich 2008 gar dafür her, zu behaupten, er sei der Vater eines Kindes, das sein Arbeitgeber mit seiner Geliebten gezeugt hatte - alles in der Hoffnung, den Politiker vor dem Skandal zu schützen, der seine Karriere dann doch zerstörte. Derartiges blieb Love bei Obama erspart; immerhin hat er sich „365“ und „332“ tätowieren lassen - so viele Wahlmänner hat Obama bei den Präsidentschaftswahlen gewonnen. Gerade die Essensjagd war nicht Loves geringste Aufgabe, denn Wahlkampf macht hungrig.

          Schrumpfte die Frage, was die 50 Staaten kulinarisch zu bieten haben, damals nicht oft darauf zusammen, ob in diesem oder jenem Kaff der McDonald’s rund um die Uhr auf hatte?

          Wenn ich irgendwo zwanzig McNuggets auftreiben kann, dann fühle ich mich bis heute sicher. Aber Präsident Obama war nie ein Fan von Fast Food. Er hat sich immer über mich lustig gemacht, wenn wir im Ausland waren. Wenn ich am Abend anderthalb Meilen zum nächsten McDonald’s gelaufen bin, hat er mich aufgezogen: „Wir fliegen um den halben Erdball, und du gehst zu McDonald’s?“

          Für den Wahlkämpfer Obama das tägliche Brot aufzutreiben muss auf seine Weise auch lehrhaft gewesen sein...

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