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Einsichten und Einblicke : „Du bist einfach so ein Junge“

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„Dann musst du mit Geistern ringen“: Obama 1992, mit ca. 31. Bild: Springsteen Family Archives

Barack Obama und Bruce Springsteen haben einen Podcast gemacht und daraus ein Buch. In unserem Vorabdruck reden sie über Väter, Männer, „The Boss“ und Michelles Freundinnen.

          8 Min.

          Barack Obama: Ein Thema, das zwischen uns dauernd zur Sprache kommt, ist die Message, die die amerikanische Kultur Jungs zu der Frage übermittelt, was es bedeutet, ein Mann zu sein. Es ist eine Botschaft, die sich – trotz aller Veränderungen, die es in unserer Gesellschaft gegeben hat – seit unserer Jugend kaum wirklich gewandelt hat: Die Betonung liegt auf körperlicher Härte und Zähigkeit, der Unterdrückung von Gefühlen sowie der Definition von Erfolg hauptsächlich über Besitz und die Fähigkeit, andere zu beherrschen, weniger über die Fähigkeit, zu lieben und für andere zu sorgen. Außerdem ist da die Tendenz, Frauen zu behandeln, als wären sie Objekte, die man besitzt, keine vollwertigen Partnerinnen und Mitbürgerinnen. Vielleicht sind wir für diese Themen eher sensibilisiert, weil wir beide komplizierte Beziehungen zu unseren Vätern hatten.

          Bruce Springsteen: Weißt du, mein Dad war so ein Typ, der – ich kann mich erinnern, dass ich eines Tages eine Videokamera mitbrachte und sagte: „Dad, ich möchte, dass du mir deine Lebensgeschichte erzählst.“ Das dauerte fünf Minuten … Und er sagte im Grunde genommen nichts … Was ich über meinen Vater weiß, das habe ich aus zweiter Hand. Er gehört zur irischen Seite unserer Familie, die sehr altmodisch, sehr provinziell und sehr aktiv in der katholischen Kirche war. Mit sechzehn verließ er die Schule, fing als Hilfskraft in einer Teppichweberei an und zog kurz danach in den Krieg. Er war der Typ, den man in den Krieg schickte und der sich, nachdem er nach Hause gekommen war, nie mehr von der Stelle rührte. Er arbeitete bei Ford am Fließband, nahm verschiedene Stellen in Fa­briken an, war Lkw-Fahrer und für eine Weile Wärter im Gefängnis. Was auch immer ich am Ende über meinen Vater erfuhr, verdanke ich eigener Beobachtung und dem wenigen, was meine Mutter mir über ihn erzählte. Wenn ich so darüber nachdenke, dann ist mein Vater tatsächlich einen Tag pro Woche verschwunden, und zwar immer allein. Meine Mutter war mit uns zu Hause, und ich könnte dir nicht sagen, wo er die Zeit verbrachte oder was er währenddessen trieb. Das war etwas, das er weitervererbt hat, und ich musste mich sehr anstrengen, es nicht nachzumachen.

          „Dein Leben lang versuchst du, deinen Wert jemandem zu beweisen“: Springsteen, ca. 1968
          „Dein Leben lang versuchst du, deinen Wert jemandem zu beweisen“: Springsteen, ca. 1968 : Bild: Springsteen Family Archives

          Obama: Weißt du, das Interessante für mich war, nicht meinen eigenen Vater bei mir zu Hause zu haben. Eine Zeit lang hatte ich einen Stiefvater.

          Springsteen: Für wie lange?

          Obama: Wahrscheinlich vier Jahre, zwischen meinem sechsten und zehnten Lebensjahr. Er war ein freundlicher Mann, hat mich gut behandelt, mir Boxen beigebracht, und dann …

          Springsteen: Was ist aus ihm geworden?

          Obama: Nun, er war Indonesier. Wir zogen (von Hawaii – F.A.S.) nach Indonesien. Dort lebten wir vier Jahre lang. Als ich zehn war, entschied meine Mom, weil sie sich Sorgen um meine Bildung machte: „Okay, ich muss Barry“ – das war damals mein Spitzname –, „ich muss ihn zurück nach Hawaii schicken, damit er eine amerikanische Schulbildung bekommt.“ Und so kehrte ich zurück, um bei meinen Großeltern in den Staaten zu leben. Zu dem Zeitpunkt kriselte es in der Ehe meiner Mutter und meines Stiefvaters schon ein bisschen. Sie trennten sich in Freundschaft. Und dann bekam er ein Leber­leiden und starb sehr jung. Ich erinnere mich, geweint zu haben, als er starb.

          Springsteen: Ja …

          Obama: Obwohl …

          Springsteen: Also, wenn du geweint hast, als er starb –

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