https://www.faz.net/-gum-93ut5

69. Bambi-Verleihung : Emotionale Helene und ernste Claudia

  • Aktualisiert am

Helene Fischer eröffnet die Bambi-Show im ultraknappen Glitzerbody - und erhält einen Bambi in der Kategorie Musik national. Bild: Reuters

Es geht um Umweltschutz, Courage - und viel um Liebe. Bei Diane Kruger und Helene Fischer kullern gar Tränen. Andere Auftritte beim Bambi 2017 bleiben ungewöhnlich ernst - selbst die von Stars, die man sonst aus unterhaltenden Rollen kennt.

          3 Min.

          Claudia Schiffers Auftritte sind inzwischen selten. Das merkt man bei der Bambi-Gala. Schon vor ihrer Ankunft ist sie am - diesmal schwarzen - Glitzerteppich Gesprächsthema Nummer eins. Die Fotografen drehen auf, als sie ankommt. Sie sei diesmal etwas aufgeregt, schließlich müsse sie ja auf die Bühne und eine Rede halten, sagt Schiffer, die sich äußerlich kaum verändert hat. Besonders höflich, fast scheu wirkt sie.

          „Mama, du bist so deutsch, sogar deine Witze sind ernst“, habe ihre Tochter, die halb-Engländerin ist, vergangene Woche gesagt. Da wurde ihr klar, dass sie gar nicht erst versuchen sollte, lustig zu sein. Schon vor mehr als 20 Jahren bekam sie einen Shootingstar-Bambi, nun wird sie für ihre inzwischen 30-jährige Karriere mit dem Fashion-Bambi geehrt. „Wenn das jetzt hier ein Traum ist, dann hoffe ich noch ein paar Stunden schlafen zu können, damit das hier nicht vorbei ist“, sagt sie am Ende ihrer Rede.

          Regisseur Fatih Akin und Hauptdarstellerin Diane Kruger bekamen für das NSU-Drama „Aus dem Nichts“ den Sonderpreis der Jury. „Rassismus ist scheiße - hier und überall auf der Welt“, sagte Akin. Kruger rief dazu auf, so viel Zeit wie möglich mit seinen liebsten Menschen zu verbringen - ein emotionaler Moment der Show, die live im Ersten übertragen wurde. „Wenn ich etwas von diesem Film gelernt habe, dann, dass wir jede Sekunden mit den Menschen, die wir lieben, nutzen und genießen sollten“, sagt Kruger. Ihr kommen die Tränen. „Ich denke heute Abend besonders an zwei Menschen, mit denen ich gern noch ein paar Sekunden gehabt hätte. Mein Stiefpapa und meine Oma.“ Kruger und Akin kündigten auch ein neues gemeinsames Projekt an: eine Serie über Marlene Dietrich. Das sei eine große Ehre, sagt Kruger, die Dietrich verkörpern soll. Es sei ein Traum und sie könne sich keinen besseren Regisseur als Akin vorstellen. Über das Projekt hatte zuerst der RBB berichtet.

          Auch bei anderen Preisträgern geht es an diesem Abend um ihre Liebsten. „Da ist jemand, der mich auffängt, mich in den Arm nimmt und mir die Last nimmt“, sagt Helene Fischer zu ihrem Freund Florian Silbereisen. „Für deine Liebe danke ich dir und dafür, dass du mein Zuhause bist.“ Fischer hatte mit ihrem Auftritt - im ultraknappen Glitzerbody - die Show eröffnet und einen Bambi in der Kategorie Musik national bekommen.

          Hollywoodstar und Frauenschwarm Hugh Jackman, der den Entertainment-Bambi erhielt, kam ohne seine Frau Deborra-Lee Furness nach Berlin - sie müsse auf die Kinder aufpassen, sagt er. Sie habe ihm beigebracht, Spaß zu haben, jeden Tag zu genießen und: „Was wirklich leidenschaftliche Liebe heißt, dass das keine Legende ist, sondern wirklich Realität.“ Die beiden sind seit mehr als 20 Jahren verheiratet.

          Der chinesische Künstler Ai Weiwei bekommt einen Bambi in der Kategorie Mut. Bilderstrecke

          Es geht auch um Courage. Der chinesische Künstler Ai Weiwei bekommt in der Fernsehshow einen Bambi in der Kategorie Mut. Die goldene Rehkitz-Trophäe sei besonders süß und hübsch, scherzt er vor der Gala. „Er kämpft nicht gegen etwas, sondern für etwas. Für eine Welt, die allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht - in Freiheit, aber vor allem auch in Würde“, sagt Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in seiner Laudatio. Eine bessere Welt komme nicht von allein.

          Heino Ferch (54) und Alicia von Rittberg (23) wurden mit dem Preis in der Schauspiel-Sparte ausgezeichnet. Ferch bekam das goldene Rehkitz für seine Rollen in der Martin-Suter-Verfilmung „Allmen“ und den Thriller „Spuren des Bösen“. Von Rittberg freute sich über die Trophäe für die Klinikserie „Charité“. Zum besten Film kürte die Jury die Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“.

          Der Actionstar und ehemalige Gouverneur Arnold Schwarzenegger wird mit dem Bambi für sein Engagement im Umweltschutz und als „Klimavorreiter“ geehrt. „Ich hab viel in meinem Leben gemacht, aber ich bin am stolzesten auf meine Arbeit für die Umwelt“, sagt Schwarzenegger, der sich immer wieder gegen die Klimapolitik von Amerikas Präsident Donald Trump stellt. „Ich werde das für den Rest meines Lebens machen: Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen.“ Außerdem outet sich der „Terminator“-Star als Fan der Klitschko-Brüder. „Normalerweise hasse ich Leute, die größer sind als ich.“ Aber die Klitschkos seien großartig.

          Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck wird in der Kategorie Millennium für sein Lebenswerk gewürdigt - für seinen Kampf gegen jede Form von Unterdrückung. „Ich glaube, ich sollte diesen Bambi mit all denen teilen, die irgendwann freiwillig etwas tun über ihr Ego hinaus. Und das macht das Land schön, dass es so etwas gibt.“ Und sein Bambi, das will er nicht mehr hergeben. Er sei Großvater, aber auch mehrfacher Urgroßvater und wolle das goldene Tier so hinstellen, dass auch die Kleinen Freude daran haben.

          Der Medienkonzern Hubert Burda Media verleiht die Bambis jedes Jahr an nationale und internationale Künstler, Sportler und andere Prominente. Aber auch engagierte Bürger, die sich für eine gute Sache einsetzen, werden mit dem Preis geehrt.

          Die Preisträger der 69. Bambi-Verleihung

          Sonderpreis der Jury: Der Film „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin mit Diane Kruger

          Schauspieler national: Heino Ferch („Allmen“ und „Spuren des Bösen“)

          Schauspielerin national: Alicia von Rittberg („Charité“)

          Film national: „Willkommen bei den Hartmanns“

          Entertainment: Hugh Jackman

          Musik national: Helene Fischer

          Comedy: Monika Gruber

          Sport: Wladimir Klitschko

          Legende: Tom Jones

          Fashion: Claudia Schiffer

          Millennium: Joachim Gauck

          Mut: Ai Weiwei

          Publikumsbambi Moderation: Kai Pflaume

          Unsere Erde: Arnold Schwarzenegger, Melati und Isabel Wijsen („Bye Bye Plastic Bags“)

          Stille Helden: Krankenschwester Waltraud Hubert

          (dpa)

          Weitere Themen

          Streitgegenstand Mops

          Gepfändeter Hund : Streitgegenstand Mops

          In Ahlen wurde ein Mops gepfändet und als gesund angepriesen weiterverkauft. Doch das Tier brauchte eine Operation am Auge. Die neue Halterin forderte das Geld zurück. Die Posse landete nun vor Gericht – und der Richter zitiert Loriot.

          Topmeldungen

          Abwahl Brandners : Hetzen als System

          Der Rechtsausschuss hat seinen Vorsitzenden Stephan Brandner abgewählt. Seit Jahren pöbelt der AfD-Politiker gegen alle politischen Gegner – und zeigt dabei eine Vorliebe für sexuell aufgeladene Beschimpfungen.
          Baukräne stehen auf einem Baugrundstück neben neugebauten Wohnhäusern in Köln.

          Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.