https://www.faz.net/-gum-9vj2u

„Die Augenringe hatte ich schon als Kind“: Volker Bruch nach dem F.A.S.-Interview in Berlin. Bild: Julia Zimmermann

„Babylon Berlin“-Darsteller : „Ich lebe seit fünf Jahren größtenteils vegan“

Sein Serien-Kommissar Gereon Rath würde ihn wohl unter den Tisch trinken, glaubt Volker Bruch. Hier spricht der Schauspieler über seine Augenringe, Ernährung und das Glück, mit Familie und vier Eseln auf dem Dorf zu leben.

          6 Min.

          Wenn Sie einen Abend mit Ihrem Kommissar Gereon Rath in der Kneipe verbringen würden: Wer tränke mehr Bier?

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf jeden Fall Rath. Wenn es später wird, gibt es bei mir einen Punkt, da kann ich nichts mehr trinken.

          Worüber würden Sie reden? Über die späten zwanziger Jahre?

          Das ist das Problem bei diesem Gedankenexperiment: Das wäre ja seine Jetztzeit. Eine Realität, die wir aus Geschichtsbüchern kennen, hat für Rath überhaupt nichts Fiktionales. Was die Menschen damals genau wie heute beschäftigt hat, waren Alltagssituationen: dass man zehn Minuten zu spät ist oder sich grad von seiner Freundin getrennt hat. Politik und Geschichte passieren eher außen herum.

          Werden Sie manchmal privat als Kommissar angesprochen?

          Ja, tatsächlich. „Ah, der Kommissar.“ Im Supermarkt.

          Was sagen Sie dann?

          „Guten Tag.“

          Für die ersten beiden Staffeln von „Babylon Berlin“ haben Sie sieben Monate gedreht, für die dritte jetzt noch mal sechs. Ist das eine noch engere Verknüpfung zwischen Rolle und Person als beim „Tatort“?

          „Tatort“-Kommissare sind zeitgenössische Figuren, die man sofort wiedererkennt. Ich bin mit dem Anzug, der Frisur und dem Hut vergleichsweise undercover unterwegs. Aber natürlich ist dieser lange Drehzeitraum schon etwas, wo man ganz schön eintaucht.

          Wie nah ist Ihnen Ihr Kommissar?

          Es ist nicht so, dass ich in die Figur schlüpfen würde, und dann bin ich dieser Typ und gehe auch noch als Rath ins Bett. Der gemeinsame Nenner zwischen Figur und Schauspieler ist eine gewisse Wachheit und Konzentration, der Drang, der Sache auf den Grund zu gehen. Das ist ein Arbeiten an der Szene, an dem Moment. Dann zieht man das Kostüm aus und geht nach Hause. Die Vorstellung aber, jetzt alle zwei Jahre für ein paar Monate in die Zwanziger abzutauchen, bis alle sieben Krimis verfilmt sind, finde ich super.

          Das ist der Plan?

          Ja. Wir wollen alt werden zusammen. Es fühlt sich wirklich an wie eine unendliche Geschichte, die wir da erzählen. Schon krass.

          So eine langfristige Perspektive, auch was das Einkommen angeht, ist für Schauspieler ungewöhnlich.

          Ehrlich gesagt, ist das so nah am Beamtentum, wie man es sich in diesem Beruf vorstellen kann.

          Könnten Sie Ihr Leben für die nächsten zehn Jahre komplett mit „Babylon Berlin“ finanzieren?

          Absolut. Kommt natürlich auch ein bisschen auf den Lebensstandard an. Aber so, wie wir leben, ist das kein Problem.

          Historische Polizeiarbeit: Volker Rath (vorne) als Kommissar Gereon Rath bei den Dreharbeiten zur dritten Staffel von „Babylon Berlin“.

          Und was machen Sie dann, wenn Sie nicht arbeiten?

          Ja ... nicht arbeiten (lacht)! Das mache ich sehr gut übrigens.

          Ich frage anders. Was ist wichtiger für Sie: Bücher oder Musik?

          Bücher sind fast wichtiger.

          Sport oder Faulenzen?

          Gerade Faulenzen. Aber ich vermisse den Sport sehr. Wir haben uns irgendwie aus den Augen verloren.

          Stadt oder Natur?

          Auf jeden Fall Natur.

          Essen oder Trinken?

          Essen.

          Drogen oder Detox?

          Detox.

          Geselligkeit oder Rückzug?

          Das ist fifty-fifty, finde ich.

          Es gibt einen schönen Satz von Ihrer Serienpartnerin Liv Lisa Fries über Sie: „Wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, dann frag ich Volker.“ Auch Ihre Lebensgefährtin, die Schauspielerin Miriam Stein, hat mal gesagt: „Mit Volker ist alles leicht.“

          Volker Bruch und seine Filmpartnerin Liv Lisa Fries bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises in Berlin

          Ach, schön.

          Was ist das für ein Talent?

          Ich habe das Gefühl, die Quelle für die Lösung eines Problems liegt immer in der Entspanntheit. Weil eine Emotion so viel draufaddiert, weil das ein Druck ist, der das Problem verändert oder deformiert. Am klarsten sieht man Zusammenhänge, wenn man die Dinge einfach anguckt. Da hilft mir eine gewisse Emotionslosigkeit total.

          Weitere Themen

          Siebzig? Das neue Fünfzig!

          Catherine Deneuve im Gespräch : Siebzig? Das neue Fünfzig!

          Sie ist der größte Star des europäischen Kinos. Jetzt spielt sie in „La Vérité – Leben und lügen lassen“ eine Art Über-Diva. Catherine Deneuve im Gespräch über Starrollen und Rauchen im Alter, Metoo und Brigitte Bardot.

          Topmeldungen

          Der Noch-Landesvorsitzende der CDU in Thüringen, Mike Mohring (r.), beklatscht am Mittwochabend den Auftritt von Friedrich Merz in Apolda beim politischen Aschermittwoch.

          Friedrich Merz in Apolda : Und die Basis jubelt

          Beim politischen Aschermittwoch im thüringischen Apolda startet Friedrich Merz voll durch. Für Thüringens CDU-Chef Mike Mohring jedoch ist es jetzt erstmal vorbei.
          Hassan Al-Thawadi kämpft als Organisations-Komitee-Chef gegen Vorurteile: „Fußball schlägt in unseren Herzen. Das wissen nur die wenigsten.“

          Chef der WM 2022 in Qatar : „Der DFB-Präsident ist fehlinformiert"

          Die Fußball-WM 2022 ist umstritten: Organisationschef Hassan Al-Thawadi spricht im Interview über Kritik, geopolitische Komplotte, Tote auf Baustellen, Verbindungen zum FC Bayern – und eine „Kampagne“ gegen Qatar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.