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Axel Scheffler : Ein Kinderbuchautor kämpft für Europa

Axel Scheffler lebt in London und setzt sich für Europa ein. Der Kinderbuchautor über die Bedeutung des Brexits für sein Leben in Großbritannien und die allgemeine Verzweiflung der Austritts-Gegner.

          Herr Scheffler, Sie leben seit Jahrzehnten in London. Wie hat sich die Stimmung im Land seit dem Brexit geändert?

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Ich nehme das vermittelt wahr, durch die Medien. Mein Eindruck ist aber, dass der Austausch zwischen den Brexit-Befürwortern und -Gegnern immer konfrontativer wird. Heute zeigt etwa der „Daily Telegraph„ auf seiner Titelseite Fotos von den „Meuterern“, also denjenigen Tory-Abgeordneten, die immer noch gegen den Brexit sind oder wenigstens für einen sanften. In meinem unmittelbaren Umkreis ist die Verzweiflung einfach groß.

          Ist diese Verzweiflung gewachsen?

          Das hängt von den Leuten ab. Aber insgesamt ist die Stimmung eher resignativ. Im „Observer„ gibt es Journalisten, die schreiben, dass der Brexit eine Katastrophe für das Land ist und dass wir ihn verhindern müssen. Es wird immer deutlicher, wie katastrophal das alles ist – die Regierung hat immer noch keinen Plan und keinen Kurs. Jetzt will Theresa May den Austrittstermin per Gesetz festlegen, was wahrscheinlich genauso falsch wäre, wie damals den Artikel 50 des EU-Vertrags zu ziehen und den Austritt aus der Gemeinschaft zu erklären. Denn da sie nach menschlichem Ermessen die Verhandlungen in diesem Zeitraum überhaupt nicht werden durchführen können, werden sie vermutlich aus der EU rausfliegen, ganz ohne einen Deal.

          Sie leben mit einer Französin zusammen in London, Sie beide haben eine kleine Tochter: Was bedeutet der Brexit für Sie persönlich?

          Bis zum Brexit-Votum hatte ich das Recht aller EU-Bürger, hier zu sein. Das steht jetzt in Frage. Wir wissen einfach nicht, was passiert. Einige Leute kriegen jetzt richtig Panik, weil sie auch von der Wirtschaft gesagt bekommen, dass das katastrophal werden wird. Es gibt noch keinen konkreten Vorschlag, was mit uns passieren soll. Ich will es nicht überdramatisieren, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das Land verlassen müssen. Wahrscheinlich müssen wir eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, die wir auch bekämen. Ich verdiene gut – es werden andere Leute sein, die sie aus dem Land heraushaben wollen. Aber ich bin da bockig: Ich will weder Brite werden noch eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen müssen. Ich würde gern als EU-Bürger das Recht behalten, hier zu leben. Die Garantie hat uns noch keiner gegeben.

          Axel Scheffler, erfolgreicher Kinderbuchautor und Erfinder des „Grüffelo“, lebt in London und setzt sich für Europa ein.

          Denken Sie über Konsequenzen nach?

          Ja, obwohl ich sehr gern hier in London lebe. Ich hatte nie geplant, wieder auf den Kontinent zu ziehen, und weiß auch gar nicht, wohin. Ich kann mir aber eine Situation vorstellen, wo es hier so eklig wird, dass ich das einfach machen muss. Ich hatte eigentlich vor, dass meine Tochter in der EU aufwächst.

          Geht vom Brexit ein Signalfür andere Nationen aus, in denen Bewegungen mit dem EU-Austritt liebäugeln?

          Es hat wohl eher den gegenteiligen Effekt gehabt. Das Beispiel wird so abschreckend sein, dass keiner auf die Idee kommt, das nachzumachen.

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          Ist die pro-europäische Bewegung "Pulse of Europe" auch in Großbritannien aktiv?

          Ich habe gehört, es gebe zwei kleine Gruppen, aber die werden öffentlich nicht wahrgenommen. Andere Organisationen mit ähnlichen Zielen sind aus der „Remain“-Kampagne hervorgegangen. Es gibt schon noch Widerstand. Ich hoffe natürlich, dass der wächst.

          Kann denn Protest etwas bewirken?

          Er kann bei den Bürgern hoffentlich etwas bewirken - in ihrer Wahrnehmung der EU. Etwa das Bewusstsein, dass alles andere das größere Übel wäre. Wir wissen aus der Geschichte, dass es nicht besser werden wird, wenn die EU zerbricht. Das besonders den jungen Leuten zu vermitteln, darin sehe ich den Hauptgrund für „Pulse of Europe“: einfach Stimmung zu machen für ein vereintes Europa.

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