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Autorin Sophie Passmann : „Der alte weiße Mann ist gegen den Wandel“

Und was haben Sie bisher gelernt?

Zum Beispiel eine banale Sache: Ich suche meinen Namen nicht mehr bei Google und Twitter, sondern schaue nur Kommentare an, in denen Leute meinen Namen verlinken. Sonst kommt man in Foren, in denen Leute über einen reden, aber nicht wollen, dass man es liest. Das sind die gemeinsten Sachen, die ich in meinem Leben über mich gehört habe - und ich habe schon auch eine gewisse Mobbing-Erfahrung vorzuweisen. Ich versuche auszublenden, was die, die nicht wollen, dass ich es erfahre, über mich sagen. Sonst halte ich mich aber an dieses komische englischsprachige Sprichwort, „If you can`t stand the heat, get out of the kitchen.“ Oder ist es ein Status-Quo-Album? Auf jeden Fall klug! Und abgesehen von den Hasskommentaren ist Twitter toll. Man kann hämische Witze über die SPD machen und so Zeugs.

Das ist dann aber eher nach unten treten?

Ja, im Fall der SPD ist das wohl so. Außer bei Heiko Maas und seiner wahnsinnig coolen Lederjacke!

Bei Instagram haben Sie ähnlich viele Follower. Da geht es freundlicher zu, aber auch weniger politisch, oder?

An sich kann man auf Instagram auch politische Inhalte posten. Aber generell ist Instagram jünger, weiblicher und unpolitischer als Twitter. Und viel netter! Meine Theorie: Das liegt daran, dass man immerzu das Gesicht der Leute sieht und nicht so einfach vergessen kann, dass es sich um Menschen handelt. Menschen lassen sich schwerer hassen als Accounts. Als ich mal auf Instagram ein Video gepostet habe, wie sehr mich all die Beleidigungen kränken, hat sich ein Typ, der mich zuvor auf Twitter als Schlampe beschimpft hatte, entschuldigt. Derselbe Typ!

Sie kommen ursprünglich aus dem Poetry Slam. Das ist auch eine ziemliche Männerdomäne, oder?

Ja. Ich denke, das ist eine Frage der Vorbilder. Es gibt so viele Slammer, da denken andere Männer leicht: Das kann ich auch. Bei Stand-up-Comedy ist es ähnlich. Alle sagen: Warum gibt es so wenige lustige Frauen? Ich sage: Warum gibt es so viele durchschnittlich lustige Männer? Es gibt viele Männer, die erfolgreich sind auf der Bühne, aber in 45 Minuten keine wirklich stimmige Pointe hinbekommen. Die wenigen Frauen hingegen sind brillant! Anke Engelke, Caroline Kebekus, Annette Frier, Maren Kroymann. Als junge Frau, wenn man noch ganz am Anfang steht, wäre auch ein durchschnittliches Vorbild hilfreich. Da bin ich aber optimistisch: In Film und Fernsehen, wo es um richtig viel Geld geht, wird es ohne Quote schwer. Bei Comedy, Slam, Late-Night-Shows könnte es sich von alleine rauswachsen. Zumal es wirklich viele witzige junge Frauen gibt.

Sie werden oft als Netzfeministin bezeichnet. Ist die Netzfeministin das Gegenstück zum alten weißen Mann?

Nein. Aber sein Korrektiv. Das Wort hat oft einen negativen Beiklang, weil da wieder das Klischee der humorlosen und hysterischen Frauenrechtlerin genutzt wird. Netzfeministinnen sind einfach nur Aktivistinnen, die ihre Arbeit unter anderem auch im Internet machen. Der Netzfeminismus beschreibt also eher die mediale Nutzung als eine neue Strömung des Feminismus. Und am Ende wollen wir Feministinnen ohnehin alle dasselbe.

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