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#Bodypositivity : Jeder ist schön – für irgendjemanden

  • -Aktualisiert am

„Nicht direkt perfekt“: Nicole Jäger bereitet sich in Frankfurt auf einen Auftritt mit ihrem Comedy-Programm vor. Bild: Marcus Kaufhold

Nicole Jäger wog noch vor wenigen Jahren mehr als 340 Kilogramm. Heute schreibt sie über die weibliche Sehnsucht nach Selbstwertgefühl. Denn sie weiß, wie es ist, wenn es fehlt.

          Mehr als 200 Menschen in einem Saal der Frankfurter Jahrhunderthalle. Es ist ein warmer Abend, die Hitze staut sich in den Rängen, die Haut schimmert feucht. Auf der Bühne steht eine Frau Mitte dreißig. „Schaltet mal die Scheiß-Filter auf Instagram aus“, ruft sie, „damit alle wissen, wie wir in Wirklichkeit aussehen! Dass man übrigens glänzt, wenn man schwitzt.“

          Sie selbst erscheint schlagartig in einem anderen Licht als dem der unvorteilhaften Bühnenbeleuchtung, wenn man ihre Geschichte kennt. Nicole Jäger, heute 35 Jahre alt, wog noch vor wenigen Jahren mehr als 340 Kilogramm. Das Haus verließ sie nicht mehr, sie konnte sich kaum noch bewegen. Bestellte sie Pizzen, und der Bote klingelte an der Tür, öffnete sie und rief in die leere Küche, man möge schon einmal das Besteck bereitlegen. Der Bote sollte nicht wissen, dass all das Essen für sie alleine bestimmt war. Heute wiegt sie nur noch die Hälfte, knapp 160 Kilogramm.

          Ein Wort genügt, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Das hier sind keine Zuhörer, es sind Fans. Die Stand-Up-Comedy-Tour entwickelte sich aus Lesungen ihrer Bücher. Als sie ihren Bestseller „Die Fettlöserin“ veröffentlichte und damit durch Deutschland reiste, las sie immer weniger vor, erzählte immer mehr Witze und nahm immer weiter ab. In ihrem zweiten Ratgeber, „Nicht direkt perfekt“, geht es nicht mehr nur darum, wie man Kilos verliert. Es geht um das Frau-Sein, das Mensch-Sein und um die Beziehung zum eigenen Körper – Themen der Body-Positivity-Bewegung.

          Besonders auf der Bilder-Plattform Instagram ist die Bewegung für ein positives Selbstbild kaum zu übersehen. Menschen unterschiedlicher Körperformen posten hier Fotos ihrer Figur, Cellulitis oder Pickelchen – und schreiben darunter #bodypositivity oder #bodyacceptance, damit keiner auf die Idee kommt, sie hielten das für normal. Vor allem junge Frauen feiern sich dafür, sich trotz allem in Ordnung zu finden. Blogger und Instagramer nutzen den Hype um die Hashtags auch zur Vermarktung von Produkten. Dass man Body-Positivity dazu nutzt, um Marketing zu betreiben, Kosmetikartikel und Bücher zu verkaufen, findet Jäger legitim. Es wäre verwunderlich, meint sie, wenn kein Marketing damit betrieben würde. „Es ist Geld damit zu machen, also macht man damit Geld. Das kann man, glaube ich, niemandem vorwerfen.“

          Mit 340 Kilogramm liebt man sich selbst nicht mehr

          Oft posten auch Frauen mit normalem Gewicht Bilder mit #bodyacceptance. „Das zeigt, dass Frauen, die in den Augen anderer noch so schön und schlank sind, sagen: Ich fühle mich nicht wohl“, sagt Nicole Jäger. Von Frauen mit Makeln wie unreiner Haut oder übergewichtigen Frauen ganz zu schweigen. Insofern handele es sich um eine merkwürdige Diskussion. Die Debatte rund um Body Positivity und mehr Selbstbewusstsein sei wichtig und werde noch nicht laut genug geführt. „Aber wir sagen immer: Diese Frau ist extrem schlank oder übergewichtig, aber trotzdem schön. Das müssen wir doch gar nicht erst sagen, oder?“ Man sei doch an einem Punkt, an dem sich Frauen abseits des Idealbildes schön fühlen und dies laut aussprechen dürften. „Wir sehen Schönheit aber immer in Relation zum Ideal: Sie sieht nicht aus wie das Cosmopolitan-Covergirl, ist aber trotzdem schön.“ Jede Frau sei für irgendjemanden schön.

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