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Autorin Kerstin Gier : „In meinen Büchern kann man sich vor der Welt verstecken“

Kerstin Gier hat in verschiedenen Verlagen schon mehrere Dutzend Bücher veröffentlicht. Bild: Frank Röth

Kerstin Gier ist eine deutsche Mega-Bestseller-Autorin. Sie schreibt vor allem Frauenliteratur und Fantasy-Romane. Ein Gespräch über den Alltag, ihr neues Projekt und masochistische Lektüre.

          7 Min.

          Ach, Sie haben Fragen vorbereitet?

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ja, und ich fang’ gleich mal an. Also: Sie haben angefangen zu schreiben, als Sie arbeitslos waren. Warum haben Sie nicht von Anfang an geschrieben?

          Ich habe Pädagogik studiert und war nach dem Studium unter anderem in einem kuriosen Großhandel für Reiterbedarf tätig, als Assistentin der Geschäftsführung, aber der Job hatte die Bezeichnung nicht verdient, und Geld gab es auch nicht viel. Ich war siebenundzwanzig und wusste, nach Farben sortierte Reitgerten und Trensen en gros zu verkaufen, das halte ich nicht lange durch. Deswegen habe ich den Mut gefunden, zu kündigen und mir ein Jahr zu gönnen, in dem ich meinen ersten Roman fertigschreiben wollte, den ich schon vorher, während des Studiums, angefangen hatte.

          Wovon haben Sie in dieser Zeit gelebt?

          Ich habe meine Wohnung gekündigt und meinem jetzigen Mann gesagt, dass ich bei ihm einziehen wolle. „Ich habe zwar kein Geld, Miete zu zahlen, aber mit meinem Gesparten kann ich uns ein paar Monate lang mit Essen versorgen“, habe ich gesagt, und er hat sofort eine Hälfte in seinem Kleiderschrank freigeräumt. Wir kannten uns erst ein paar Wochen, und er war sehr verliebt; hätte ich noch ein paar Monate gewartet, hätte er wahrscheinlich anders reagiert (lacht). Das war 1995, und seine erste Amtshandlung war, mir einen Schreibtisch zu bauen, der auf Rädern stand, und für die Räder hat er Schienen gebaut, so dass man den Schreibtisch über die Schwelle auf die Terrasse schieben konnte, wo ich den Sommer über am Roman schreiben konnte. Das war sehr süß! Der Roman wurde dann trotzdem aus heutiger Sicht eher schlecht, aber gut genug, um bei einem Verlag unterzukommen.

          Wie kam das?

          Meine Schwägerin hatte gehört, dass ich ein Buch schreibe, und meinte, dass sie Stefan Lübbe, den Verleger, mal bei Freunden kennengelernt habe. Und dann hat sie hinter meinem Rücken bei Lübbe angerufen und gesagt: „Hallo, meine Freundin hat ein Buch geschrieben, und ich war mal mit dem Stefan auf einer Party, könnte ich den bitte mal sprechen?“ Konnte sie dann natürlich nicht, aber nett, wie sie bei Lübbe sind, sagte man ihr, ich könne das Manuskript am nächsten Tag vorbeibringen. Und obwohl es mir entsetzlich peinlich war, wollte ich es mir auf keinen Fall mit der Schwester meines neuen Freundes verscherzen, also habe ich das halbfertige Manuskript ausgedruckt, in einen roten Ringordner geheftet und neben der Pforte gewartet, bis die Assistentin kam und mir den Ordner mit einem Augenrollen aus der Hand gerissen hat. Ich glaube, noch mehr kann man bei einem Verlagserstkontakt nicht falsch machen. Aber dann klingelte am nächsten Tag das Telefon, und eine Lektorin bot mir einen Vertrag und 7000 Mark an. Im ersten Moment dachte ich, jemand verarscht mich.

          7000 Mark ist aber wirklich nicht viel.

          Es hat aber wieder für ein paar Monate gereicht, und diese Lektorin hat mich in den Folgejahren mit vielen, vielen Buchverträgen versorgt. „Wenn Sie davon leben wollen, können Sie sich nicht erlauben, auf Inspiration zu warten. Sie müssen viel schreiben“, hat sie gleich zu Anfang gesagt. Ich wusste nicht, ob ich das kann, aber weil ich endlich etwas gefunden hatte, was mir Spaß machte, habe ich es einfach gemacht, und soooo schlecht sind diese alten Bücher auch gar nicht. (lacht)

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