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Kontrollierte Wasserlandung? : Ermittler widersprechen MH370-Theorie

Wrackteile als Beweise – aber wofür? Bild: dpa

Die australische Verkehrssicherheitsbehörde weist die Theorie eines Experten zurück, dass der MH370-Pilot seinen Passagieren den Sauerstoff abgeschnitten habe. Beide Seiten führen die gleichen Wrackteile als Beweise an.

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          Flug MH370 ist eines der größten Mysterien der Luftfahrtgeschichte. Doch der frühere kanadische Flugunfallermittler Larry Vance behauptet nun, er habe die Lösung des Rätsels gefunden. In einem neuen Buch macht er den Piloten für das Verschwinden der Boeing 777 verantwortlich. Als Beweisstücke dienen ihm die verschiedenen Wrackteile, die an den Stränden des Indischen Ozeans gefunden wurden, und die zum Teil dem verschwundenen Flugzeug zugeordnet werden können. Sie weisen Vance zufolge darauf hin, dass das Flugzeug bis zum Schluss ins Meer gelenkt wurde – und nicht etwa unkontrolliert aus großer Höhe in die Fluten stürzte.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Derjenige, der dafür am ehesten als Täter in Frage kommt: der erfahrene Pilot des Flugzeugs, Zaharie Ahmad Shah. Vielleicht auch noch, wenn auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit, der erheblich jüngere und unerfahrene Kopilot Fariq Abdul Hamid. Neu ist diese Theorie nicht, sie wurde schon seit langem vertreten, seit rund zwei Jahren auch schon von Larry Vance. Viel getan hat sich seither nicht. Dennoch nennt er sein Buch, das am Mittwoch in Amerika veröffentlicht wird, nun großspurig „MH370 – Rätsel gelöst“. In der Ankündigung verspricht er, alle anderen gängigen Theorien, ein Feuer im Cockpit, brennende Lithium-Ionen-Batterien im Frachtraum, einen militärischer Angriff, systematisch auszuschließen.

          Auch dies lässt zwar nicht viel Neues erwarten. Dass die neue Untersuchung aber dennoch Folgen haben könnte, liegt daran, dass sie den Druck auf die Ermittler erhöht, der Theorie über den Piloten als Täter mehr Gewicht zu geben. Denn bislang wurde die Suche unter der Prämisse geführt, dass das Passagierflugzeug zum Ende seines rund siebenstündigen „Geisterfluges“ ohne Führung war und unkontrolliert ins Meer stürzte. Im Falle einer kontrollierten Wasserlandung durch den Piloten könnte das Wrack allerdings südlicher liegen als bisher angenommen. Das könnte auch erklären, warum schon zwei aufwändige Suchmissionen bisher ohne Ergebnis geblieben sind.

          Strecke auf Flugsimulator gespeichert

          Tatsächlich fühlten sich zwei Vertreter der ermittelnden australischen Behörde schon jetzt gezwungen, ihre Theorie noch einmal zu verteidigen. Bei einer Anhörung am Dienstag führte Peter Foley von der Verkehrssicherheitsbehörde ATSB die gleichen Wrackteile als Beweise dafür an. „Das Flugzeug stieg wahrscheinlich in unkontrollierter Art ab“, sagte Foley dem Senat. Er wies zudem die auch von Larry Vance vertretene Theorie zurück, dass der Pilot mit Absicht einen Luftdruckabfall in der Kabine hervorgerufen haben könnte, um damit die anderen 238 Insassen außer Gefecht zu setzen.

          Damit ließe sich am besten erklären, warum es keine telefonischen Notrufe aus dem Flugzeug gegeben hatte. Der Behördenvertreter beteuerte aber, dass seine Hinweise einer unkontrollierten Endes stichhaltig seien. Dem widerspricht die andere Theorie, die vor allem darauf abzielt, dass die gefundenen Wrackteile, darunter eine fast 2,50 Meter lange Flügelklappe, verhältnismäßig gut erhalten sind. Denn der Kanadier Vance geht davon aus, dass sie bei einem unkontrollierten Absturz in Millionen Teile zersplittert wären. Stattdessen könnte sich das Flugzeug noch einigermaßen intakt auf dem Meeresboden befinden.

          Abschließend klären lassen sich all die Fragen aber erst, wenn das Wrack gefunden wird. Um dahin zu kommen, müssten die Ermittler der Theorie des erweiterten Piloten-Selbstmords wohl tatsächlich mehr Gewicht verleihen, auch wenn das bedeutet, einen womöglich Unschuldigen zu verdächtigen. Über ein mögliches Motiv des Piloten äußert sich gleichwohl auch Larry Vance nicht; dafür seien andere zuständig, sagt der Kanadier. Bekannt ist lediglich, dass der Pilot eine Strecke auf seinem Flugsimulator gespeichert hatte, die in eine ähnliche Richtung führte wie vermutlich der mysteriöse Flug MH370 – weit in den südlichen Indischen Ozean.

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